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Holpriger Start für neue Corona-Testverordnung

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Von: Lutz Benseler

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Wer Patienten im Korbacher Krankenhaus besuchen will, braucht dafür ein negatives Covid-Testzertifikat. Das gibt es nur noch kostenlos, wenn man den geplanten Besuch mit einem Nachweis glaubhaft macht.
Wer Patienten im Korbacher Krankenhaus besuchen will, braucht dafür ein negatives Covid-Testzertifikat. Das gibt es nur noch kostenlos, wenn man den geplanten Besuch mit einem Nachweis glaubhaft macht. © Lutz Benseler

Die neue Regelung für Corona-Bürgertests sorgt im Alltag für Ärger: Kunden müssen in der Teststelle einen konkreten Grund nennen, wenn sie Anrecht auf einen kostenlosen Test haben oder für einen Drei-Euro-Zuzahlungstest berechtigt sind. Unklar ist, welche Nachweise die Teststellen dafür verlangen können.

Korbach – Wer Angehörige oder Freunde im Krankenhaus besuchen will, hat weiterhin Anspruch auf einen kostenlosen Bürgertest. Doch was viele nicht wissen: Sie müssen diesen Besuch jetzt – wie gestern berichtet – gegenüber der Teststelle „glaubhaft machen“. Das teilt das Bundesministerium für Gesundheit mit. Das kann durch eine Besuchsbescheinigung sein, die das Krankenhaus ausstellt oder durch eine unterschriebene Selbstauskunft – was mit einer eidesstattlichen Erklärung vergleichbar ist.

Soweit die Theorie. In der Praxis ist der Start der neuen Verordnung weitaus holpriger. Ein 95-Jähriger Korbacher, der seine Lebensgefährtin im Krankenhaus besuchen wollte und dafür ein offizielles Testzertifikat benötigte, wurde am Donnerstag zunächst im Testzentrum in der Strother Straße abgewiesen. Er müsse eine Besuchsbescheinigung des Krankenhauses vorlegen, so die Begründung. In der Ambulanz des Stadtkrankenhauses konnte dem Mann nicht geholfen werden. Ein solches Formular zur Bescheinigung gebe es nicht, erklärt Sassan Pur, Geschäftsführer des Stadtkrankenhauses. „Eine Situation, die sowohl für die Besucher unserer Patienten, als auch für unsere Mitarbeiter unbefriedigend ist“, zeigt er sich enttäuscht von der neuen Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums.

„In der Tat sehen die neuen Reglungen bundesweit vor, dass sich Bürger ab dem 1. Juli mit drei Euro an den Kosten der Corona-Bürgertests beteiligen müssen. Das ist etwas ein Drittel der Kosten – die anderen zwei Drittel übernimmt weiterhin der Staat“, erläutert Pur. „Ausgenommen werden davon diverse Personengruppen wie Schwangere, Kinder und auch Besucher von Patienten in Kliniken oder Pflegeheimen sowie einige mehr.“

Nicht hinreichend bekannt gemacht worden seien allerdings dazu die entsprechenden Verfahrensordnungen. „Es herrscht große Verwirrung in der Bevölkerung und vor allem auch bei den Mitarbeitern der Krankenhäuser und Pflegeheime, die mit den Anliegen Angehöriger auf Bescheinigungen für weiterhin kostenlose Bürgertests überrumpelt werden“, so der Klinikchef.

Sassan Pur begründet dies in einer unzumutbaren Mehrbelastung des Krankenhauspersonals, sollte zum erhöhten Arbeitsaufkommen der anhaltenden Corona-Pandemie auch noch weitere formale Bescheinigungen ausgestellt werden. „Ich gehe davon aus, dass dies in den Testzentren abgearbeitet wird“, so Pur.

Thomas Aydin, Betreiber der Teststelle in der Strother Straße, verweist unterdessen auf die geänderte Testverordnung. „Wir verfahren so: Wer eine Besuchsbescheinigung des Krankenhauses oder eine Selbstauskunft vorlegt, wird getestet.“ Die Details der Neuregelung seien kurzfristig gekommen und würden viel Raum für Interpretationen bieten, sagt Aydin: „Es gibt viele offene Punkte, das ist für alle Seiten ärgerlich.“ Unklar sei auch die Abrechnung, so der Teststellen-Betreiber. Die Kassenärztlichen Vereinigungen haben bereits am Donnerstag angekündigt, dass sie Bürgertests künftig nicht mehr abrechnen und auszahlen wollen.

Der 95-Jährige Korbacher erhielt sein Testzertifikat im zweiten Anlauf schließlich doch noch, wie die Angehörigen unserer Zeitung berichten. Nachdem er den Mitarbeitern des Testzentrums in der Strother Straße glaubhaft versichert hatte, dass er seine Lebensgefährtin im Stadtkrankenhaus besuchen wolle.

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