Verurteilter zeigt sich uneinsichtig

Hundezüchter wegen Tierquälerei verurteilt

Waldeck-Frankenberg. Leben in Kot und Urin, zu wenig Futter und verschmutztes Wasser sowie ängstliches und unterwürfiges Verhalten: Wegen Tierquälerei stand ein Hundezüchter aus dem Landkreis am Montag vor dem Korbacher Amtsgericht.

Der Richter sah die Schuld des Mannes als erwiesen an - damit will sich der Angeklagte jedoch nicht abfinden. Er wird in die nächste Instanz gehen.

Bereits am ersten Verhandlungstag Ende September war der 65-jährige Hundezüchter uneinsichtig (HNA berichtete). So zeigte er sich auch am Montag vor Gericht. „Meine Hunde haben in ihrem Leben noch keine Angst gehabt“, wandte der Angeklagte lautstark ein.

Wie schon bei der ersten Hauptverhandlung mussten sich die Veterinärmediziner, die als Zeugen geladen waren, wüste Beschimpfungen und Beschuldigungen von Seiten des Züchters anhören. Er müsse sich seit Jahren Beleidigungen von den Veterinärmedizinern gefallen lassen, angeblich seien Akten gefälscht und Falschaussagen gemacht worden, behauptete der Mann. Einen Zeugen, einen Amtstierarzt, beschimpfte er mit der Bezeichnung „Trottel“. Der hatte zuvor von den Zuständen in der Zuchtanlage berichtet. Bei einzelnen Hunden seien Verhaltensauffälligkeiten festgestellt worden, Wasser- und Futternäpfe seien verschmutzt gewesen, alter Kot und Urin hätten in den Zwingern gelegen, außerdem seien die Ausläufe der Tiere total verdreckt gewesen. Auch die Katzen seien betroffen gewesen: Sie würden in einem zu kleinen Gehege leben, seien außerdem viel zu dünn.

Festgestellt wurden diese Mängel im Juni vergangenen Jahres. Bis November habe sich dann allerdings kaum etwas getan, sagte der Amtstierarzt. Im vergangenen Jahr sei der Angeklagte nicht zum ersten Mal auf die Probleme hingewiesen worden.

Ein Tierarzt aus dem Landkreis, der einige Tiere des Angeklagten wenige Tage nach dem Amtsbesuch behandelt hatte, konnte nicht viel zur Wahrheitsfindung beitragen, denn um besagte Tiere ging es in der Anklage nicht. Dennoch: Einige Katzen seien „recht mager“ gewesen, sagte der Tierarzt aus. Dass die hygienischen Bedingungen vor Ort nicht gut seien, habe er seinem Kunden bereits vor längerer Zeit gesagt. Auffälliges Verhalten der Tiere habe er aber nicht bemerkt.

Als weitere Zeugen sagten ein früherer Helfer und eine aktuelle Helferin des Züchters aus. Die Frau, die mit Übersetzerin kam, wich allerdings den Fragen aus, wie die Staatsanwältin feststellte. Außerdem würden zeitliche Angaben nicht passen. Dass alles „piccobello sauber“ war, sagte ein früherer Helfer des Züchters aus. Das Gegenteil zeigten Proben, die vom Hessischen Landeslabor ausgewertet wurden. In mehreren Zwingern waren unter anderem Würmer festgestellt worden.

Dass die Vorwürfe der Anklage bestätigt wurden, sah nicht nur die Staatsanwältin so. Auch der Richter stimmte ihr zu. „Es wäre möglich gewesen, den Tieren das Leiden zu ersparen“, sagte der Richter in der Urteilsbegründung. Er habe keinen Grund, an den Aussagen der Amtstierärzte zu zweifeln.

Ein dreijähriges Tierhaltungsverbot, 500 Euro Geldbuße, 1000 Euro für eine Tierschutzeinrichtung sowie sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung sah der Richter als angemessen an. Der Hundezüchter wird dagegen Rechtsmittel einlegen.

Von Julia Renner

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