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Inklusion im Landkreis vorantreiben

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Von: Lutz Benseler

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Fachtag Inklusion: In der Westwallschule in Korbach werden mehrere Workshops für Lehrer angeboten, hier mit Ergotherapeut Christof Nolte (rechts).
Fachtag Inklusion: In der Westwallschule in Korbach werden mehrere Workshops für Lehrer angeboten, hier mit Ergotherapeut Christof Nolte (rechts). © Lutz Benseler

Knapp 30 Workshops mit Themen von Antisemitismus bis zu Schutzkonzepten gegen sexuelle Gewalt stehen auf dem Programm: Mehr als 200 Teilnehmer aus Waldeck-Frankenberg und zum Teil auch aus den Nachbarkreisen haben sich beim Fachtag „Diversität und Inklusion“ in Korbach weitergebildet.

Korbach – Rabatz im Klassenzimmer: Zwei Lehrerinnen sitzen auf einer Turnmatte, und pressen Rücken an Rücken, zwei weitere feuern sie an. Gewonnen hat, wer den anderen über die Markierung in der Mitte der Matte schiebt. Was wie ein überdrehtes Partyspiel wirkt, hat einen ernsthaften Hintergrund: „Es geht um Schüler mit herausforderndem Verhalten, speziell Jungs“, erklärt Ergotherapeut Christof Nolte. In seinem Workshop zeigt er, wie die Pädagogen mit speziellem Verhaltenstraining die auffälligen Kinder dort abholen können, wo sie zu kriegen sind.

Fast 30 Workshops für Lehrerinnen und Lehrer aus dem Landkreis werden den ganzen Tag über an der Westwallschule angeboten. Organisiert hat den Fachtag das regionale Beratungs- und Förderzentrum in Bad Wildungen. „Wir sind auf einem guten Weg, die Inklusion voranzutreiben“, sagt BFZ-Leiterin Iris Paltinat. Der erstmals vom Förderzentrum auf die Beine gestellte Fachtag soll den Pädagogen, die in der Regel an den allgemeinen Schulen tätig sind, weitere Impulse für ihre Arbeit liefern.

Das Thema „Inklusion“ haben die Organisatoren dabei bewusst weit gefasst. „Es geht uns darum, dass nicht nur an Kinder mit Behinderung gedacht wird, sondern an alle. Inklusion heißt, jeder Mensch darf so sein, wie er ist“, sagt Paltinat. Das schlägt sich in Workshops mit Themen wie „Sexuelle Gewalt in Schulen – Ideen für ein eigenes Schutzkonzept“, „Trauerbegleitung bei Kindern insbesondere nach Suizid eines Elternteils“ oder „Mathe inklusiv – nicht nur im kleinen Zahlenraum!“ nieder.

In einem Auftakt-Vortrag im Korbacher Bürgerhaus stellt Professor Dr. Bodo Hartke das Rügener Inklusionsmodell vor, dass seit 2010 Sonderschulen nahezu überflüssig gemacht hat. Professor Dr. Hans Wocken geht zum Abschluss unter anderem der Frage auf den Grund „Wie sieht eine inklusive Bildungslandschaft aus?“

Petra-Maria Knell von der Friedrich-Trost-Schule in Frankenberg hat sich für einen Workshop über das „acht-Sam-Konzept“ mit Referent Jonas Becker entschieden. Das Konzept geht von der Annahme aus, dass jedes Verhalten einen Grund hat und bietet Methoden und Handwerkszeug zur Verhaltensänderung. „Wir haben schon gute Konzepte an der Schule, aber es gibt immer wieder etwas neues“, sagt Knell. Inklusion sei eine lange gesellschaftliche Aufgabe, an der immer wieder gearbeitet werden müsse. „Es geht nicht von alleine.“

„Unser Ziel ist, Regelschulen bei der Inklusion mitzunehmen und Angebote zu schaffen“, erklärt BFZ-Leiterin Iris Palitnat. Das beginne beim Raumkonzept und ende bei Überlegungen, den 45-Minuten-Takt im Schultag abzuschaffen.

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