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Inklusion ist auch in Waldeck-Frankenberg die Ausnahme

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Von: Lutz Benseler

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ARCHIV - Die 19 Jahre alte körperbehinderte Kim (M) arbeitet am 07.03.2013 in ihrer Abiturklasse am Humboldt-Gymnasium in Karlsruhe (Baden-Württemberg) mit ihren Mitschülern David und Alica. Am 24.02.2015 findet in Stuttgart eine Regierungspressekonferenz unter anderem zum Thema «inklusive Bildungsangebote in Baden-Württemberg» statt.
Inklusion ist an Schulen im Landkreis Waldeck-Frankenberg noch die Ausnahme und nicht die Regel. (Symbolfoto) © Uli Deck/dpa

Gemeinsames Lernen von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung soll selbstverständlich werden: Inklusiver Unterricht ist seit einer Änderung des Schulgesetzes 2011 an allen Schularten in Hessen der Regelfall – zumindest auf dem Papier. In Waldeck-Frankenberg besuchen die meisten Kinder mit Handicap, die Unterstützung brauchen, aber nach wie vor eine Förderschule.

Waldeck-Frankenberg – Seit der Änderung des Gesetzes können Eltern ihr Kind, das sonderpädagogische Unterstützung braucht, auf eine Regelschule schicken. Allerdings gilt auch der sogenannte Ressourcenvorbehalt: Wenn an einer Schule „die notwendige sonderpädagogische Förderung nicht oder nicht ausreichend erfolgen“ kann, entscheidet letztlich die Schulaufsichtsbehörde, an welcher allgemeinen Schule oder Förderschule die Beschulung erfolgt. Im Klartext: Das Recht auf inklusive Bildung, das sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention ableiten lässt, kann in Hessen nach wie vor verweigert werden.

Faktisch ist Inklusiver Unterricht immer noch die Ausnahme: Im Schuljahr 2021/2022 wurden in Waldeck-Frankenberg 982 Schüler in Förderschulen unterrichtet. Nur 277 wurden an einer allgemeinen Schule inklusiv beschult. Darüber hinaus haben 673 Schülerinnen und Schüler an allgemeinen Schulen sogenannte vorbeugende sonderpädagogische Maßnahmen erhalten. Sie werden durch sonderpädagogische Beratungsangebote von Beratungs- und Förderzentren unterstützt. Das teilt das staatliche Schulamt in Fritzlar auf Nachfrage unserer Zeitung mit.

Thilo Hartmann, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hessen, sieht noch Handlungsbedarf bei der Umsetzung der Inklusion: „Leider hat die hessische Landesregierung die Inklusion als Sparmodell auf den Weg gebracht. Die Schulen sollten einfach allesamt inklusiv unterrichten – allerdings ohne, dass ihnen die dazu benötigten Sach- und Personalressourcen zur Verfügung gestellt wurden. Auch konzeptionell und baulich hat sich an den allgemeinen Schulen wenig geändert. Dies wäre aber notwendig, wenn man Inklusion ernst meinte.“

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