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Kindeswohl in Gefahr: Fast jeder zehnte Sorgerechtsentzug in Hessen betrifft Familien in Waldeck-Frankenberg

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Von: Marcus Althaus

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Verglichen mit den anderen hessischen Landkreisen hat es in Waldeck-Frankenberg nahezu die wenigsten Meldungen von Kindeswohlgefährdungen in den vergangenen zwei Pandemiejahren gegeben. Allerdings: Auch in Waldeck-Frankenberg hat es – wie überall in Hessen – in diesem Zeitraum mehr Fälle von Kindeswohlgefährdung gegeben. 

Kindeswohl in Gefahr: Mädchen steht vor einer Wand, an der sich im Hintergrund die Schatten streitender Erwachsener abzeichnen.
Wenn Eltern überfordert sind, wächst das Risiko für die Kinder misshandelt zu werden. © IMAGO IMAGES/AGEFOTOSTOCK/YACOBCHUK

Waldeck-Frankenberg - Zuletzt betraf fast jeder zehnte Entzug des Sorgerechts durch ein Gericht in Hessen Familien aus Waldeck-Frankenberg. „In 2021 wurde in 87 Fällen Eltern oder einem Elternteil die Sorge für ihr Kind bzw. ihre Kinder entzogen“, teilt der Landkreis Waldeck-Frankenberg auf Anfrage mit. Das sind fast 10 Prozent aller 873 Fälle in Hessen, die zum teilweisen oder vollständigen Entzug der elterlichen Sorge 2021 führten. Wobei nicht jede Kindeswohlgefährdung mit einem Entzug des Sorgerechts endet.

„In allen Fällen wird geprüft, ob die Eltern mitwirkungsbereit und in der Lage sind, durch geeignete Maßnahmen wie Hilfen zur Erziehung die Gefährdung abwenden zu können.“ Der hiesige Fachdienst Jugend wirkt in familiengerichtlichen Verfahren mit, auch ohne dass es vorher eine Gefahrenmeldung oder Inobhutnahme gab.

Vernachlässigt und misshandelt

Für das vergangene Jahr wurden dem Landkreis 178 Fälle (Vorjahr: 136 Fälle) von Kindeswohlgefährdung gemeldet. Davon wurde in 45 Fällen (Vorjahr: 41 Fälle) eine akute Kindeswohlgefährdung festgestellt und in weiteren 19 Fällen (Vorjahr: 17 Fälle) bestand ein begründeter Verdacht, was als latente Kindeswohlgefährdung gilt.

„In den vergangenen Jahren sind die Zahlen dazu leider tendenziell leicht angestiegen“, bestätigt der Landkreis. Laut Statistik sind in Waldeck-Frankenberg eher Kinder über sechs Jahren betroffen. Zumeist geht es um Vernachlässigung. „Unter anderem spielen leider auch körperliche und psychische Misshandlung eine Rolle. Oft liegen bei einem Kind mehrere Gründe für eine Gefährdung vor. Es gab im vergangenen Jahr 48 Inobhutnahmen, davon sieben im Zusammenhang mit unbegleiteten Einreisen“, so die Kreisverwaltung.

Überforderte Eltern sind die häufigste Gefahr für das Kindeswohl

Die hessischen Jugendämter meldeten im Jahr 2021 insgesamt 4.214 vorläufige Schutzmaßnahmen. Dabei werden Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre in Obhut genommen oder sie werden aus dem bisherigen Heim, der eigenen Familie oder einer Pflegefamilie herausgenommen, wegen einer akuten Gefahr für das Kind oder den Jugendlichen. Auch das waren knapp 4 Prozent mehr als 2020.

Die häufigsten Anlässe für Schutzmaßnahmen waren die Überforderung der Eltern oder eines Elternteils (35 Prozent aller Fälle), unbegleitete Einreisen aus dem Ausland (32 Prozent) sowie Anzeichen für Vernachlässigung oder körperliche Misshandlungen in 13 bis 14 Prozent der registrierten Fälle.

In Waldeck-Frankenberg gibt es vergleichsweise wenige Verfahren zur Kindeswohlgefährdung

Im Gegensatz zu den benachbarten Verwaltungsbezirken gibt es in Waldeck-Frankenberg in den vergangenen beiden Jahren aber weitaus weniger Verfahren zur Kindeswohlgefährdung. Mit 136 Fällen im Jahr 2020 hat der Kreis sogar hessenweit die wenigsten Verfahren gemeldet. Zum Vergleich gab es im Schwalm-Eder-Kreis im selben Jahr 254 Verfahren, im Landkreis Kassel waren es 661 Verfahren und in Marburg-Biedenkopf 476 Verfahren.

Die Gesamtzahl der Gefährdungseinschätzungen durch hessische Jugendämter hat sich seit der ersten Erhebung im Jahr 2012 mehr als verdoppelt. Im Jahr 2021 haben hessische Jugendämter 15.408 Gefährdungseinschätzungen durchgeführt. In 5.134 Fällen stellten sie eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung fest, das war ein neuer Höchststand. Zumal 200 Gefährdungseinschätzungen weniger als im Vorjahr hessenweit vorgenommen wurden.

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