Vor einem Jahr hatte er seinem zweijährigen Bruder das Leben gerettet

Bruder reanimiert: Markus Rud (9) aus Korbach bekommt Johanniter-Juniorenpreis

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Johanniter-Preis-Verleihung:(von links) Familie Rud mit Markus Rud, Michael Sebold und Sebastian Dietz.

Korbach/Hannover. Der neunjährige Markus Rud aus Korbach ist in Hannover mit dem Johanniter-Juniorenpreis ausgezeichnet worden. Im September 2016 hatte er seinem zweijährigen Bruder das Leben gerettet.

Markus Rud, der damals Neunjährige, hatte einen starken Partner an der Seite. Einen Partner, den das Schicksal sandte: Michael Seebold, Rettungsassistent und Leitstellendisponent in der Zentralen Leitstelle des Landkreises Waldeck-Frankenberg in Korbach. Er geleitete via Telefon den Jungen durch die Reanimation und rettete zusammen mit Markus dem zweijährigen Bruder Rudolf das Leben.

Es war ein ruhiger Septemberabend vor einem Jahr in Korbach. Markus und Rudolf befanden sich in der Obhut von Oma Lydia. Als diese eine Windel für den Jüngsten holte, entwischte der sehr agile Knabe in den Garten. 

Michael Seebold leitet den kleinen Helfer an

Als Oma und der Bruder ihn suchten, fanden sie ihn im Pool treibend. Sie zogen ihn aus dem Wasser, aber Rudi atmete nicht mehr. Da die Oma als Spätaussiedlerin aus Russland nur ein altes, schwer mundartlich gefärbtes Deutsch spricht, wählte Markus weinend die 112, so wie er es in der Schule gelernt hatte. Am anderen Ende der Leitung war Michael Seebold, zweifacher Familienvater, erfahrener Leitstellenmitarbeiter und Rettungsprofi mit einem Gespür für die besonderen Fälle. Das war das Glück für alle Beteiligten.

Markus berichtet schluchzend, was vorliegt. Michael Seebold weiß in diesem Moment genau, dass er erst einmal das Kind beruhigen muss, damit er dem Kleinen helfen kann. Und dann auf die Seite legen und über den Mund beatmen. Kurz darauf hustet Rudi und beginnt wieder zu atmen. Zu diesem Zeitpunkt trifft auch der Notarzt ein und alles wird gut. Erleichterung auf allen Seiten.

Bei dieser Rettungstat kommen viele Komponenten zum Tragen: Markus tat genau das Richtige und holte unverzüglich Hilfe. Er blieb bei seinem kleinen Bruder und konnte dank der Anweisung von Seebold genau das Passende ausführen. Das Kind handelte trotz der Aufregung, der Angst und der anfänglichen Hilflosigkeit, die er verspürte. 

"Für mich ist es einfach bewundernswert, dass ein Neunjähriger trotz seiner emotionalen Anspannung so vernünftig und klug handelt", sagte Sebastian Dietz, Laudator des Johanniter-Juniorenpreises. "Diese Tapferkeit, die Markus an den Tag gelegt hat, und, trotz der fast erdrückenden Verantwortung, die auf seinen jungen Schultern lastete, zuzuhören und das Richtige zu tun, ist phänomenal. Manch Erwachsener hätte damit Schwierigkeiten!" 

Der Paralympics-Goldmedaillengewinner von Rio und Para-Weltmeister im Kugelstoßen, der selbst einen schweren Verkehrsunfall hatte, überreichte den Johanniter-Juniorenpreis Markus Rud, der in Begleitung von Markus Seebold die Bühne betrat.

Telefonische Reanimation soll Standard werden

Die Jury sprach sich, obwohl weitere Nominierungen von beeindruckenden Hilfeleistungen junger Menschen vorlagen, für diesen Fall aus, weil das Zusammenwirken von Ersthelfer und Leitstelle hier auch exemplarisch durchgeführt wurde. 

Die telefonische Reanimation ist zum Beispiel in der Region Hannover in der Rettungsleitstelle bereits eingeführt, dies ist aber nicht überall in Deutschland so. "Dieser Fall von Markus und seinem Bruder belegt, wie wichtig es ist, dass gewisse Notfallregeln - wie das Wählen der 112, das Dabeibleiben, die Beschreibung des Vorfalls - verinnerlicht sind, um dann gemeinsam mit dem Profi die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen", bestätigte Thomas Mähnert, Mitglied des Bundesvorstands der Johanniter-Unfall-Hilfe. "Das Zusammenspiel von Ersthelfer und Rettungspersonal ist ausschlaggebend." (red)

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