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Kleingärtnerverein 1932 Rhenaer Weg in Korbach feiert 90-jähriges Bestehen

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Von: Marianne Dämmer

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90 Jahre Gartenkolonie: Dieter Schmidt, Vorsitzender des Kleingärtnervereins 1932, lädt im Namen des Vorstandes ein – am 13. August wird das 90-jährige Bestehen des Vereins mit einem Sommerfest gefeiert.
90 Jahre Gartenkolonie: Dieter Schmidt, Vorsitzender des Kleingärtnervereins 1932, lädt im Namen des Vorstandes ein – am 13. August wird das 90-jährige Bestehen des Vereins mit einem Sommerfest gefeiert. © Marianne Dämmer

Der Kleingärtnerverein Rhenaer Weg feiert am Samstag, 13. August, sein 90-jähriges Bestehen mit einem Sommerfest.

Korbach – Nach zwei Jahren Corona-Pause veranstaltet der Kleingärtnerverein 1932 wieder ein Fest – und dann gleich ein großes zum 90-jährigen Bestehen. Viele Ehrenamtliche haben den Verein im Laufe der neun Jahrzehnte mit Fleiß und Geschick am Leben erhalten, die Anlage gepflegt – ihnen wird gedankt.Es wird zurückgeblickt und vor allem gefeiert.

Als der erste Kleingärtnerverein 1932 in Korbach gegründet wurde, war ein Garten für viele eine Frage des Überlebens – nach der Weltwirtschaftskrise 1929 war die Not groß, der Hunger ebenso. 90 Jahre später lässt die Coronapandemie und der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine die Nachfrage nach einer eigenen Scholle wieder steigen.

Große Nachfrage nach Schrebergärten

„Alle Gärten sind verpachtet, wir führen eine Warteliste. Die Nachfrage ist in den vergangenen zwei Jahren ungebrochen hoch. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Seit Corona und dem Krieg haben auch wieder viele Jüngere Interesse an einem Garten, das hat sich grundlegend geändert“, sagt Dieter Schmidt. Seit Herbst 2021 steht er dem ältesten und größten Kleingärtnerverein Korbachs vor – und hat alle Hände voll zu tun, nicht nur mit Blick auf die Feierlichkeiten zum 90-jährigen Bestehen. Bei 270 verpachteten Gärten liegt immer etwas an.

Fest am 13. August

Die Feier zum 90-jährigen Bestehen beginnt am Samstag, 13. August, um 14 Uhr. Nach dem offiziellen Teil gibt es Kaffee, Kuchen und frische Waffeln. Auch Gegrilltes ist zu haben. Es wird ein Kinderprogramm geboten und um 16 Uhr spielen die „Fidelen Mühlhäuser Orgelpfeifen“ auf. Der Eintritt ist frei, Gäste sind herzlich willkommen. (md)

Die Kleingartenbewegung kam auf die „Notverordnung“ des Reichspräsidenten von 1931 in Gang. Der Staat stellte Städten und Gemeinden Zuschüsse zur Verfügung für die Verwirklichung der Kleingartenprojekte und die Stadt Korbach unter dem damaligen Bürgermeister Dr. Paul Zimmermann setzte sie um: 1932 stellte sie 1,75 Hektar für 34 Gärten zur Verfügung – 76 Arbeitslose hatten sich damals um eine Parzelle beworben.

Die Stadt sorgte für die fachliche Beratung und die Herrichtung des Grabelandes. Um sich selbst zu verwalten, gründeten Interessenten am 29. November 1932 den „Kleingartenbauverein“, so wurde es möglich, einen Kollektiv-Vertrag zwischen Verein und Stadt zu schließen, der immer noch gilt.

Viel Eigenleistung eingebracht

Bis 1939 wurden im Rhenaer Weg 104 Kleingärten geschaffen, nach Kriegsende stellte die Stadt weitere Flächen zur Verfügung, so dass es auf 9,9 Hektar 274 Gärten gab; 272 sind es aktuell. 1953 wurde der „Kleingärtnerver-ein 1932, Rhenaer Weg“ selbstständig. Mit Unterstützung der Stadt wurde ein Vereinsheim gebaut, später in Eigenleistung erweitert. Für den Gerätepark wurden Garagen erstellt. Es entstanden ein Spielplatz, eine Entsorgungsstation für Campingtoiletten sowie ein Toilettenneubau. Alle Parzellen haben Wasseranschluss, die meisten sind mit Arbeitsstrom versorgt – alles 1993/1994 in Eigenleistung geschaffen.

Inzwischen haben Familien vieler Nationalitäten einen Schrebergarten im Rhenaer Weg gepachtet. „Über 50 Prozent der Pächter sind Russlanddeutsche, rund 40 Prozent alt eingesessene Deutsche, und dann gibt es unter anderem noch Polen, Türken, Griechen sowie Familien aus Syrien und den arabischen Ländern“, sagt Dieter Schmidt.

Treffpunkt für Senioren soll entstehen

Die ersten Jahrzehnte wurde ein reges Vereinsleben geführt, die Kleingärtner feierten zusammen Karneval und Erntedank, es gab eine Theatergruppe. Man kam im Vereinsheim zusammen, denn Lauben, wie sie inzwischen in jedem Gärtchen stehen, gab es nicht – zu teuer. Inzwischen nutzen die Pächter ihre Scholle nicht nur zum Gärtnern, sondern auch als Ausgleich zum beruflichen Stress, als Rückzugsort in unsicheren Zeiten, als Familientreffpunkt.

Einen Treffpunkt für Senioren möchte Dieter Schmidt im kommenden Jahr bauen für ältere ehemalige Pächter, die keinen eigenen Garten mehr bewältigen. „Sie leiden oft sehr, dass sie nicht mehr gärtnern können. Für sie wollen wir eine Parzelle mit Hochbeeten und Sitzgruppen anlegen. Sie können dann über einen Sommer hinweg die Patenschaft für ein Hochbeet übernehmen.“ Entstehen sollen nahe des Vereinsheims auch moderne Sanitärräume mit Schwerbehinderten-WC und Wickelraum. Zum Fest stellt sich der Verein auf einer neuen Webseite vor. (Von Marianne Dämmer)

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