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Kochen statt Catering in Korbacher Kindertagesstätte

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Von: Philipp Daum

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Mittagessen in der Kindertagesstätte: Die SPD-Fraktion im Stadtparlament hält selbst gekochte Speisen in den Einrichtungen für sinnvoll. Über einen Modellversuch in einer Korbacher Kita will sie das Projekt starten.
Mittagessen in der Kindertagesstätte: Die SPD-Fraktion im Stadtparlament hält selbst gekochte Speisen in den Einrichtungen für sinnvoll. Über einen Modellversuch in einer Korbacher Kita will sie das Projekt starten. (Symbolfoto) © Angelika Warmuth/DPA

Kein Catering mehr, stattdessen selbst gekochte Speisen: Die SPD-Fraktion im Korbacher Stadtparlament will einen Modellversuch starten, bei dem – zunächst über einen Zeitraum von zwei Jahren – in einer städtischen Kindertagesstätte Mahlzeiten für die Kinder frisch und vor Ort zubereitet werden.

Umgesetzt werden soll das Ganze im Kindergarten „Kleine Helden“ in der Friedrichstraße.

Einen entsprechenden Antrag brachten die Sozialdemokraten am Mittwoch im Haupt- und Finanzausschuss ein.

„Die Qualität des Mittagessens, eine ausgewogene Speisenwahl und das Angebot vollwertiger Lebensmittel haben einen immensen Einfluss auf das Ernährungsverhalten der Kinder und legen damit den Grundstein für deren Gesundheitszustand in späteren Jahren“, heißt es in dem Antrag, den SPD-Fraktionsvorsitzender Henrik Ludwig vorstellte. Risikofaktoren wie Diabetes oder Herzkreislauf-Erkrankungen stünden in einer engen Verbindung zum individuellen Lebens- und Ernährungsstil.

Gesunde Ernährung beginne beim Entdecken von Lebensmitteln, dem Riechen und Schmecken und dem gemeinsamen Zubereiten von Speisen. „Um dieses Erlebnis für Korbacher Kinder zu ermöglichen, wäre es optimal, wenn in den Korbacher Kitas auch gekocht würde. Dabei können auch Allergien und Unverträglichkeiten besser berücksichtigt werden, als dies über ein Catering möglich wäre“, so Ludwig. Bedeutet: Auch die Kinder sollen beim Kochen der Speisen mit einbezogen werden.

Henrik Ludwig, SPD-Fraktionsvorsitzender
Henrik Ludwig, SPD-Fraktionsvorsitzender © PR

Die SPD weist darauf hin, dass die Investitionskosten aus allgemeinen Haushaltsmitteln finanziert werden müssten. Erforderlich werde ein Koch oder eine Köchin – aller Voraussicht nach auf Basis einer Halbtagsstelle. „Die dafür entstehenden Personalkosten werden über die Einsparung beim derzeit bestehenden Catering sowie die bereits bestehenden Elternbeiträge teilweise gedeckt“, schreiben die Sozialdemokraten, die gleichzeitig aber auch auf Fördermöglichkeiten hinweisen. „Die entstehenden Kosten für notwendige technische Investitionen wie Konvektomat, Herdplatte und Kühlgeräte können über die Richtlinie zur Förderung von Kindertageseinrichtungen im Landkreis Waldeck-Frankenberg mit bis zu 80 Prozent bezuschusst werden. Darüber hinaus sind weitere Förderungsmöglichkeiten zu prüfen“, heißt es in dem SPD-Antrag.

Hendrik Ludwig machte deutlich, dass „eine eigene Küche in der Kita“ gleichzeitig auch für mehr Abwechslung im Speiseplan der Kinder sorgen könne. „Da die Caterer das Essen in aller Regel nicht nur für Kitas, sondern auch für andere Einrichtungen zubereiten, tauchen auf den Speiseplänen der Kinder oftmals auch typische Erwachsenen-Essen auf“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende.

Bei der anschließenden Diskussion (siehe weiterer Artikel) war schnell klar: Die Grundidee der SPD konnten alle Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses mittragen. Allerdings war die einhellige Meinung, dass der Antrag zunächst als Prüfauftrag an den Magistrat gehen sollte, um organisatorische, personelle und finanzielle Fragen im Vorfeld zu klären. Damit war die SPD einverstanden – der abgeänderte Antrag wurde daher einstimmig angenommen.

„Wettbewerb darf es nicht geben“

Heinz-Dieter Helfer hielt den Vorstoß der SPD für sinnvoll. Allerdings war er der Ansicht, dass noch einige Fragen zu klären seien. „Was kostet das Catering, was kostet der Modellversuch?“, fragte der FDP-Stadtverordnete. Er gab auch zu bedenken, dass man mit der Suche nach Köchinnen und Köchen in Konkurrenz zu heimischen Betrieben trete, die nach den Corona-Beschränkungen jetzt Schwierigkeiten hätten, Fachpersonal zu finden.

Bernd Kramer wies darauf hin, dass mit Blick auf das Kochen in der Kindertagesstätte auch viele Hygieneregeln eingehalten werden müssten. „Davor brauchen wir keine Angst zu haben – doch wir müssen das berücksichtigen“, sagte der Grünen-Stadtverordnete. Er zeigte sich deshalb auch zufrieden damit, dass die SPD ihren Antrag in einen Prüfauftrag an den Magistrat umformulierte. Das sah auch Ingo Sahl (Freie Wähler) so. „Es geht darum, für unsere Kinder in der Stadt etwas Sinnvolles zu machen. Mit einem Prüfauftrag haben wir nichts zu verlieren.“

Auch Harald Rittinghaus von den Aktiven Bürgern sprach sich für den Antrag der SPD zum Selberkochen in der Kita aus. Er wies aber zugleich darauf hin, dass im Falle eines erfolgreichen Modellversuchs letztlich allen Kindertagesstätten in Korbach diese Möglichkeit eröffnet werden müsse. „Es darf keine Privilegierung geben. Dass Eltern am Ende ihre Kinder lieber in eine Kita schicken, wo selber gekocht wird, wäre nicht zielführend – einen Wettbewerb zwischen den Kitas darf es nicht geben.“

Heinz Langerzik (CDU) sagte, der Antrag der SPD habe „Charme“. Allerdings sollte seiner Ansicht nach die Verwaltung tatsächlich erst mal prüfen, welche Kosten entstehen, was der Modellversuch für Auswirkungen in der Kindertagesstätte hat und ob es generell ein Interesse in den Kitas in der Stadt gibt, in Zukunft selbst zu kochen.

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