Prozess am Amtsgericht

Haftstrafe auf Bewährung: Korbacher schoss mit Luftpistole aus dem Fenster

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Verantwortungsloser Umgang mit einer Luftpistole brachte einen Korbacher vors Amtsgericht.

Korbach. Mit einer Druckluftwaffe hat ein Korbacher herum geschossen. Verbeulte Autos, zerborstene Scheiben und durchlöcherte Rollladen waren die Folge. Nun stand er vor Gericht.

Der 37-Jährige hat am 11. August 2018 schätzungsweise 5000 Euro Schaden in seiner Nachbarschaft angerichtet. Wegen Sachbeschädigung musste er sich jetzt am Korbacher Amtsgericht verantworten – und wegen Bedrohung: Vorbeigehende Bekannte hatten sich über einen fallenden Schuss erschreckt. „Jetzt schießt der Idiot auch noch auf uns“, hatte einer von ihnen ausgerufen und sich rasch hinter seinem Begleiter versteckt.

Schüsse am Samstagmittag des 11. August räumte der Angeklagte ein: „Ich wollte die Gaspatrone leer machen und habe nicht realisiert, dass das Magazin noch drin war“, erklärte er – durch den Schuss zerstörte er die Heckscheibe am Auto eines Nachbarn. In der Nacht von Freitag hatte es derweil schon fünf Fälle von Sachbeschädigung durch Schüsse gegeben. „Da kann ich nicht geschossen haben“, sagte er – er habe mit Freunden getrunken und sei zuhause direkt ins Bett gegangen.

„Es wäre völlig lebensfremd zu glauben, dass jemand anderes in dieser Nacht mit denselben Stahlkugeln herumgeschossen hat“, befand die Staatsanwältin – Richterin Kanold stimmte zu und folgte ihrem Strafantrag: vier Monate Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden.

Was die Zeugen gesehen haben

Als sie nachts gegen 2 Uhr wach im Bett lag, hörte eine 67-jährige Korbacherin es mehrmals knallen: „Es hat sich angehört, als ob jemand übrig gebliebende Silvesterraketen verballert“, sagte sie am Korbacher Amtsgericht. Erst am Morgen des 11. August 2018 stellten mehrere Bewohner der Nachbarschaft fest, was da passiert war: Jemand hatte mit einer Luftpistole herumgeschossen und an Fahrzeugen wie Häuser Schäden verursacht.

Wer das war, klärte ein Zufall auf. Ein 29-Jähriger, dessen Badezimmerfenster und Dienstwagen beschädigt worden waren, wollte noch eine Besorgung machen: „Dann habe ich einen Schuss gehört, die Heckscheibe an einem Auto zerbrechen sehen und noch erblickt, wie die Pistole aus einem Fenster rausragte.“ 

Die Polizei rückte mit zwei Streifen an, der Schütze ließ sie herein, sagte ein Polizist – 4,5-Millimeter-Kugeln, wie die in der Nachbarschaft verteilten, lagen auch in der Wohnung herum. Den letzten Schuss räumte der 37-jährige Angeklagte schon damals ein, nannte aber kein Motiv – ein Alkoholtest ergab 1,46 Promille. 

Auch am Vorabend sei er betrunken gewesen, habe sich aber gleich ins Bett gelegt. Diese Aussage glaubten weder Richterin noch Staatsanwältin.

Was ins Urteil hineingespielt hat

Der Vorfall tue ihm leid, auch, wenn er jemanden erschrocken habe, sagte der Angeklagte. Dass er jemanden mit der echt aussehenden Waffe Typ „Beretta Elite 2“ bedroht habe, bestritt er derweil mehrmals: „Ich würde nie jemanden bedrohen.“ 

„Bei Jugendlichen würde man vielleicht noch von einem ,Dumme-Jungen-Streich‘ sprechen“, befand die Staatsanwältin – doch es habe großen Sachschaden und das Potenzial für erhebliche Verletzungen gegeben. Das spreche gegen den Angeklagten, ebenso dass er vorbestraft ist – aber nicht einschlägig, bisher gab es Geldstrafen ohne Gerichtsverhandlungen.

Was ihm jedoch Staatsanwältin und Richterin anrechneten: Er machte glaubhaft, dass er nicht mehr trinke und hat einen festen Vollzeitjob. Die Haftstrafe von vier Monaten setzte Richterin Kanold also zur Bewährung aus. Als Auflagen muss er unter anderem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und 320 Euro an einen Fahrzeughalter zahlen, der für den Schaden an seinem Auto bereits aufgekommen war.

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