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Korbacher dealt ein halbes Jahr lang mit Heroin und Koks

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Von: Wilhelm Figge

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Kokain (Symbolbild)
Der Einstieg ins Kokain-Geschäft brachte einem Korbacher erst Umsatz, dann eskalierende Sucht und schließlich die Aufmerksamkeit der Justiz. (Symbolfoto) © Christian Charisius / dpa

Der Einstieg in Drogengeschäft rächt sich für einen Korbacher. Doch rechtzeitige Erkenntnis bewahrt ihn vor dem Gefängnis.

Waldeck-Frankenberg – Dass es ungewöhnlich ist, wenn eine Strafe für das Dealen mit harten Drogen zur Bewährung ausgesetzt wird, waren sich Verteidigung und Anklage am Korbacher Amtsgericht einig. Aber ebenso wie das Gericht hielten sie es für gerechtfertigt: Ein 39-jähriger Korbacher, der ein halbes Jahr wöchentlich 10 Gramm Heroin, 18 Gramm Kokain und 30 Gramm Marihuana verkauft hat, wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, erhält aber noch eine Chance.

Ausschlaggebend dafür waren laut Amtsgericht-Direktor Robert Winter seine vollständige Kooperation seit der Durchsuchung durch die Polizei im Juni 2021 ein umfangreiches Geständnis, in dem er seinen Lieferanten benannte, die günstige Sozialprognose und die vor Gericht gezeigte Reue: „Sonst würden wir hier von drei, dreieinhalb Jahren Freiheitsstrafe sprechen“, erklärte Winter.

Arbeitsloser Korbacher beginnt, mit Kokain zu handeln

„Ich bereue die Tat nicht nur, ich schäme mich dafür“, hatte der Angeklagte erklärt, der nie zuvor vor Gericht stand. Erstmals mit Drogen in Kontakt kam er mit 14 Jahren über einen Freund im Sportverein, der bis zuletzt sein Lieferant blieb. 24 Jahre lang rauchte er Marihuana. Gelegentlich habe er Party-Drogen eingeschmissen, Kokain sei ihm meist zu teuer gewesen. „Dann habe ich in der ersten Corona-Welle meinen Job verloren“, berichtete er. Im Gespräch mit seinem Lieferanten kam die Idee auf, für ihn zu arbeiten. „Da habe ich die völlig falsche Entscheidung getroffen“, räumte er ein – da er schon Drogen konsumierte, habe es so viel einfacher gewirkt, als sich einen neuen Job zu suchen. Zumal auch seine Frau die Arbeit verlor.

Er habe zwar nichts an Leute, die offensichtlich zu viel konsumiert hatten, oder an Minderjährige abgegeben: „Aber mir war klar, dass ich Gift verkaufe.“ Sein eigener Konsum ging in die Höhe, gerade beim Kokain. Er sei völlig abgerutscht, habe sich nicht mehr um seine Familie geschert.

Als die Polizei vor der Tür stand, habe er aber wenig überrascht gewirkt, hielt einer der ermittelnden Beamten fest. Er sei kooperativ gewesen, benannte selbst seine Verstecke und gab auch die Handy-PIN heraus. Schon vor Hinzuziehen eines Verteidigers habe er voll kooperiert, hielt sein Anwalt fest. Auch der Staatsanwalt würdigte, dass er reinen Tisch machte und seinen Lieferanten preisgab. Um den gehe es: „Wir wollen den Fisch nicht vom Schwanz her haben, sondern vom Kopf.“

Korbacher entgeht Gefängnis, doch Dealen kostet ihn

Nach der Durchsuchung und dem Ende des Verkaufs fehlte dem Korbacher das Geld für Kokain, aber sonst konsumierte er weiter und landete im Frankfurter Bahnhofsviertel. Im Dezember begab er sich in die Entgiftung; ein freiwilliger Aufenthalt in einer Fachklinik und nun die Suchtnachsorge folgten. Seine Familie steht zu ihm, er hat Arbeit in Aussicht. „Das Gericht ist überzeugt, dass Sie die Kurve gekriegt haben und ohne Drogen keine Straftaten folgen“, so Robert Winter.

Neben der ausgesetzten Strafe hat das Geschehen weiter Konsequenzen: Gut 57.000 Euro Gewinn aus den Drogengeschäften sollen eingezogen werden. Der Verteidiger hielt fest, dass sein Mandat es verprasst hat: „Es gibt dieses Geld nicht mehr.“ Es von ihm zu verlangen, sei unverhältnismäßig und würde ihn in die Schuldenfalle treiben. Das seien Argumente, die das Gericht hören könne, sagte der Vorsitzende Richter Robert Winter – nur akzeptiere sie der Gesetzgeber nicht. Das Vollstreckungsverfahren könne das Gericht nicht aussetzen – wie weit die Zahlung vollstreckt wird und ob ein Härteausgleich stattfindet, liege nicht in seinem Ermessen. (wf)

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