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Korbacher Freilichtbühne inszeniert Tragödie über Begierde, Tod und Verderben

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Mit „dem“ Klassiker des deutschen Theaters feierte die Korbacher Freilichtbühne am Freitag Premiere: Sie hat für die neue Spielsaison Goethes Tragödie „Faust“ inszeniert:  Yannick Dommermuth-Krüger gibt den Faust, der die bezaubernde Grete umwirbt: Milou Langer.
Die „Faust“-Inszenierung der Korbacher Freilichtbühne: Yannick Dommermuth-Krüger gibt den Faust, der die bezaubernde Grete umwirbt: Milou Langer. © Karl Schilling

Mit „dem“ Klassiker des deutschen Theaters feierte die Korbacher Freilichtbühne am Freitag Premiere: Sie hat für die neue Spielsaison Goethes Tragödie „Faust“ inszeniert. Die Herausforderung hat das Ensemble bravourös gemeistert.

Korbach – Am Ende hat er alles verloren. Seine Geliebte? Übergibt sich dem Henker. Auch ihre Familie hat er auf dem Gewissen. Und seine Seele? Die hat er dem Teufel versprochen. Und der fordert am Ende auch seinen Preis...

Eines der bedeutendsten und meistzitierten Werke der deutschsprachigen Literatur hat sich die Korbacher Freilichtbühne für die neue Saison vorgenommen: das 1808 erschienene Drama „Faust“, der Klassiker Johann Wolfgang von Goethes.

Ausgeführt vorm Südportal der Kilianskirche

Die Kulisse ist besonders: Im vorigen Jahr haben die Bauarbeiten im Schießhagen begonnen, auch die Freilichtbühne ist davon betroffen. Darum führt der Verein 2022 „Hans am Glück“ am Wollweberturm auf, den „Faust“ vorm Südportal der Kilianskirche. Manche erinnern sich noch an die große „Jedermann“-Inszenierung 1988 vorm Portal. Zum Premierenpublikum gehören auch Landrat Jürgen van der Horst und die Korbacher Parlamentschefin Lieselotte Hiller.

Mit „dem“ Klassiker des deutschen Theaters feierte die Korbacher Freilichtbühne am Freitag Premiere: Sie hat für die neue Spielsaison Goethes Tragödie „Faust“ inszeniert: Das Schlussbild vor dem Südportal der Korbacher Kilianskirche: Ein Feuerwerk beginnt.
Das Schlussbild vor dem Südportal der Korbacher Kilianskirche: Ein Feuerwerk beginnt. © Karl Schilling

Satan in der Kirche...

In ihrem „Prolog“ dankte die Vorsitzende Sabine Lessing zu Beginn Pfarrer Markus Heßler, dass ihr Ensemble einmal mehr vor der „wunderschönen Kulisse“ spielen dürfe. Das war kein Problem für den Seelsorger – aber dass sich der Teufel ausgerechnet in seinem Gotteshaus umziehe? „Da müssen wir noch mal drüber reden.“ Sein Vorschlag: „Sie kommen alle am Sonntag in die Kirche!“

Starkes Ensemble

Es ist auch für die Darsteller ein anspruchsvolles Werk. Doch die Regisseurin Sabine Lessing und ihr bewährter Mitstreiter, der Wiener Schauspieler und Regisseur Günther Treptow, können auf eine starkes Ensemble vertrauten. Und so erlebt das Publikum bei der Premiere am Freitag Abend vor Kilianskirche eine mitreißende wie tiefgründige Inszenierung um menschliche Irrungen und Wirrungen. Und den Tod.

Stück an die Korbacher Bedingungen angepasst

Treptow hat Goethes großes Drama überarbeitet und an die Korbacher Bedingungen angepasst. So mussten einzelne Szenen wegfallen, darunter die „Hexenküche“. Er streicht Rollen, begrenzt die Schar der Darsteller auf zwölf. Dem üppigen Figurenschmuck des Südportals setzt er eine minimalistische Requisite entgegen. Es braucht ohnehin kein großes Bühnenbild: Den Blick ziehen die Schauspieler auf sich.

Treptow hat wieder intensiv mit der Truppe geprobt – trotz Corona-Rückschlägen. Das Ergebnis nimmt das Publikum mit. Manch einer hat sich zu Schulzeiten eher lustlos mit der Tragödie herumgeschlagen. Doch die Korbacher Darsteller entfesslen die Kraft, die dem Stück inne wohnt. Die 200 Jahre alte Sprache? Wird lebendig, weil sie meisterhaft vorgetragen wird. Und so nimmt das Drama seinen Lauf...

Faust, der Suchende

Auftritt Yannick Dommermuth-Krüger. Er verkörpert souverän den Suchenden, den Unerfüllten: Der hoch gelehrte Doktor Heinrich Faust hadert mit seinem Leben. Was nützen ihm all das Wissen und die Erkenntnis? Etwas fehlt. Die Magie? Ist es nicht.

Vielleicht kann ihm Mephisto helfen, „der Geist der stets vereint“. Oder besser: der Teufel, den Torben Siska verkörpert. Lustvoll präsentiert er ihn in einer Mischung aus Ironie, Häme, Skrupellosigkeit und Überheblichkeit.

Fausts Gehilfe Wagner – Gerrit Conradi – sucht ein gelehrtes Gespräch. Der Magister lässt ihn abblitzen. Ein Schüler – Marcos Koutelas – sucht Fausts Rat. Mephiso schlüpft ins Fausts Rolle und empfiehlt ihm, das pralle Leben nicht aus dem Blick zu verlieren: „Denn grau, teurer Freund, ist alle Theorie.“

Erfüllung und Lebensglück im Teufelspakt

Das ist auch Mephistos Weg für Faust: Er verspricht ihm, Erfüllung und Lebensglück zu finden. Der Preis: Fausts Seele. Mit einem Tropfen Blut besiegelt Faust den Pakt. Und so brechen sie auf, die „große und die kleine Welt“ zu erkunden. Damit Faust eine „lustige Gesellschaft“ findet, kehren sie in „Auerbachs Keller“ ein.

Mit „dem“ Klassiker des deutschen Theaters feierte die Korbacher Freilichtbühne am Freitag Premiere: Sie hat für die neue Spielsaison Goethes Tragödie „Faust“ inszeniert: In Auerbachs Keller: Faust und Mephisto mischen die muntere Truppe der Zecher auf und verwirren sie mit Magie.
In Auerbachs Keller: Faust und Mephisto mischen die muntere Truppe der Zecher auf und verwirren sie mit Magie. © Karl Schilling

Dort sind bereits Zecher versammelt, die vom Wirt – Jendrik Teuber – Wein verlangen. „Ganzkörpereinsatz“ hat Treptow mit seiner Truppe geprobt, die Vier zeigen heiter-ausgelassen ihr Können: Martina Wernecke verkörpert Frosch, Nadine Kirschner die Brandner, Günter Beutel spielt den Siebel, Wolfgang Scheurer den Altmayer. Mephisto und Faust verwirren sie mit Magie und Tricks.

Die begehrte Grete

Auf der Straße kommt es zu einer folgenschweren Begegnung: Faust will der züchtigen, doch bezaubernden Margarete „Amt und Geleit“ antragen. Erster Auftritt der ausdrucksstarken Milou Langer. Grete ist zwar beeindruckt von Fauts Erscheinung, weist ihn aber ab: „Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleit‘ nach Hause gehn.“

Doch um den Gelehrten ist es geschehen. In seiner Begierde verlangt er von Mephisto, ihm „die Dirne“ noch in der Nacht ins Bett zu bringen – sonst löse er den Pakt.

Umwerbung und Intrigenspiel

Der tut, was er kann. Er besorgt Schmuck, den Faust in ihr Schlafzimmer legt. Mephisto umgarnt Gretes Nachbarin Marthe Schwerdtlein, gespielt von Sabine Lessing.

Mit „dem“ Klassiker des deutschen Theaters feierte die Korbacher Freilichtbühne am Freitag Premiere: Sie hat für die neue Spielsaison Goethes Tragödie „Faust“ inszeniert: Intrigen: Mephisto - Torben Siska - überbringt Gretes Nachbarin Marthe Schwerdtlein - Sabine Lessing - die Nachricht vom Tod ihres Mannes, Grete - Milou Langer - schaut zu.
Intrigen: Mephisto - Torben Siska - überbringt Gretes Nachbarin Marthe Schwerdtlein - Sabine Lessing - die Nachricht vom Tod ihres Mannes, Grete - Milou Langer - schaut zu. © Karl Schilling

Faust und Grete kommen sich näher, es gibt den ersten Kuss. Doch Grete stellt die Frage: „Nun sag, wie hälst du’s mit der Religion?“ Sie fleht vor einer Marienstatue um Beistand, doch es ist um ihre Unschuld geschehen: Faust erreicht sein Ziel. Doch der Preis heißt Verderben.

Furor des Todes

Um mit der Begehrten ungestört zu sein, gibt er Grete ein Schlafmittel für ihre Mutter – sie stirbt daran. Gretes Bruder Valentin – Justin Schalk – erfährt von Gretes Schmach. Faust ersticht den Soldaten im Duell.

Und Grete? Faust lässt die Schwangere schmählich im Stich. Sie ertränkt verzweifelt ihr Kind und findet sich im Kerker wieder. Sie versinkt in tiefe Verzweiflung – Langer bringt Gretes Pein herzergreifend rüber – ihr überzeugendes Spiel hätte es verdient, das Stück als „Heinrich und Grete“ auf die Bühne zubringen.

Grete gibt sich im Kerker ihrem Schicksal hin. Die Gebrochene will sterben, um für ihre Vergehen zu büßen. Eine Flucht mit Faust weist sie zurück: „Heinrich, mir graut vor Dir!“ Und so holt sie der Henker. „Sie ist gerichtet“, spricht Mephisto. Doch eine Stimme ertönt: „...ist gerettet“.

Und Faust muss für seine Taten bezahlen. Mephisto: „Faust, her zu mir!“

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