Bäderchef wehrt sich gegen Vorwürfe eines ehemaligen Mitarbeiters

Hallenbad Korbach: Ärger über fragwürdigen RTL-Bericht

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Über angeblich unhaltbare Zustände in den Korbacher Bädern hat RTL Hessen berichtet: Recherchen unserer Zeitung ergeben allerdings ein anderes Bild.

Korbach. Hat das Korbacher Hallenbad sein Image als Problembad noch immer nicht verloren? Das legt zumindest ein in der vergangenen Woche ausgestrahlter Bericht von RTL Hessen nahe.

Ein entlassener Mitarbeiter berichtet darin von eklatanten Missständen. Recherchen unserer Zeitung wecken jedoch erhebliche Zweifel an den Vorwürfen.

Der RTL-Beitrag über angebliche Missstände hat in der vergangenen Woche für Aufsehen gesorgt: Kommt das Korbacher Hallenbad auch drei Jahre nach seiner Wiedereröffnung nicht aus den Schlagzeilen? Vor Jahren hatten auch der Steuerzahlerbund und die RTL-Sendung "Mario Barth deckt auf" Kritik an dem Schwimmbad geübt.

Das hat RTL Hessen gezeigt: Torsten W. (48), Mitte August von der Bäderbetriebsgesellschaft gekündigt, spricht vor der Kamera von mangelhafter Technik und fehlender Schutzbekleidung. Außerdem sei er an einigen Tagen allein für die Aufsicht der Badegäste, Eisverkauf und Putzarbeiten zuständig gewesen – und das alles gleichzeitig. Ein angeblicher Badegast berichtet zudem von horrenden hygienischen Zuständen im Sanitätsraum und ein von RTL unkenntlich gemachter Mann behauptet, als „Bademeister“ in Korbach beschäftigt gewesen zu sein und bestätigt die von W. gemachten Vorwürfe.

Dieses Video ist ein Inhalt von RTL Hessen und wurde nicht von der WLZ produziert.

Zwischen den Interviews sind Szenen aus dem Hallenbad und dem Freibad zu sehen, die W. selbst mit dem Handy während seiner Arbeitszeit gedreht hat, wie er auf Nachfrage bestätigt. Ein Rückblick schlägt den Bogen ins Jahr 2012, als das Bad kurz nach der Sanierung wieder geschlossen wurde.

Mit Säure in Badelatschen hantiert?

Doch was ist wirklich dran an den Vorwürfen? Musste W. in Badelatschen mit säurehaltigen Flüssigkeiten hantieren? Unserer Zeitung liegt ein Formular vor, das auflistet, welche Sicherheitskleidung W. von seinem Arbeitgeber, der Bäderbetriebsgesellschaft, erhalten hat: Säurefeste Handschuhe, Schutzbrille, Sicherheitsschuhe, Gummistiefel.

Mit seiner Unterschrift hat der ausgebildete Rettungsschwimmer den Empfang quittiert. Bäderchef Wolfgang Wilhelm erläutert weiter: „Zusätzlich zur persönlichen Schutzkleidung sind die Dosierräume mit Gummistiefeln, Gummischürze, Handschuhen und Brille ausgestattet.“

Dann der Schaltschrank im Freibad, in dem laut W. Kabel mit 400 Volt offen an losen Schaltern hängen sollen: Ein Schild am verschlossenen Kasten weist darauf hin, dass er nur von autorisiertem Fachpersonal zu öffnen ist. „W. gehört nicht dazu“, stellt Wilhelm klar. Die Technik stamme aus den 1960er Jahren, sei aber in einem einwandfreiem Zustand. Auch Laien erkennen auf den Handy-Bildern, die W. gemacht hat: Die Kabel sind bis an die Einführung in die Schaltkastenelemente isoliert und mit Aderendhülsen ausgestattet.

Was Wilhelm einräumt: Die Bäderbetriebsgesellschaft hat in den vergangenen Monaten sieben Mitarbeiter entlassen. „Es gab Fluktuationen. Der Massagebereich wurde aus betriebswirtschaftlichen Gründen geschlossen. Von anderen Mitarbeitern musste man sich aus verhaltensbedingten Gründen trennen“, sagt Wilhelm. Unter anderem werde gegen eine ehemalige Mitarbeiterin wegen einer Straftat ermittelt. Arbeitsrechtlich seien alle Fälle geklärt.

Und W. habe möglicherweise auch an einigen Tagen Eis im Freibad verkaufen müssen. Wilhelm erklärt: Bei schlechtem Wetter sei der Kiosk nicht wie üblich ab 11 Uhr geöffnet. „Wenn es der Badebetrieb zulässt, verkaufen die Angestellten dann auf Nachfrage der Gäste auch Waren aus dem Kiosk“, sagt der Korbacher Bäderchef.

Fragwürdige Interviewpartner von RTL

Nicht nur die Schilderungen der angeblichen Missstände lassen Zweifel aufkommen, auch die Glaubwürdigkeit der weiteren Interview-Partner ist zumindest fragwürdig: Badegast Lukas T. etwa spricht von erschreckenden hygienischen Zuständen im Sanitätsraum. Ein Blick auf das Facebook-Profil zeigt: Lukas T. (18) ist kein Korbacher. Er kommt aus Kamen, kennt W. aus der DLRG Ortsgruppe Bergkamen. Gab es Absprachen zwischen ihm und W.? Der ehemalige Mitarbeiter will sich auf Nachfrage nicht weiter äußern und verweist auf den RTL-Beitrag: "Da ist alles gesagt." 

Wolfgang Wilhelm ist sich indes sicher: „Der hat das Bad nie von innen gesehen.“ Das Verbandmaterial werde nach Saisoneröffnung frisch in den Verbandschrank des Sanitätsraums eingelegt und nach Saisonende entfernt, bekräftigt er. Eine unangekündigte Inspektion des Gesundheitsamtes am 31. Juli ergab außerdem keine Mängel, wie Dr. Hartmut Wecker, Sprecher des Landkreises bestätigt. 

RTL verfremdet die Stimme und macht das Gesicht unkenntlich

Unklar bleibt die Identität des angeblichen früheren „Bademeisters“, der beklagt, dass er Reinigungsarbeiten durchführen musste, die nicht zu seinen Aufgaben gehörten. Das Gesicht hat RTL unkenntlich gemacht, die Stimme verfremdet. Trotzdem ist sein deutlicher westfälischer Akzent zu erkennen – wie er etwa in Kamen gesprochen wird. Weder der Stadt Korbach noch Wolfgang Wilhelm ist ein ehemaliger Bademeister bekannt. 

Der Korbacher Bäderchef zweifelt zudem daran, dass es sich um eine ausgebildetete Fachkraft handele: Denn dass die Fachangestellten und Rettungsschwimmer Reinigungsarbeiten übernehmen, ist laut Wilhelm gängige Praxis in Hunderten von Bädern deutschlandweit. Ein Blick in den Ausbildungsrahmenplan der Fachangestellten für Bäderbetriebe, wie die Schwimmeistergehilfen heute heißen, bestätigt das. Auch in der Arbeitsbeschreibung, deren Empfang W. quittiert hat, sind Reinigungsarbeiten Bestandteil. Sie würden aber entweder vor oder nach Badebetrieb durchgeführt, sagt Wilhelm. 

Das Studio Kassel von RTL Hessen wollte zu dem Bericht keine Stellungnahme abgeben, die Autorin des Beitrags war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Die Korbacher Bäderbetriebsgesellschaft prüft unterdessen rechtliche Schritte.

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