1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck
  4. Korbach

Korbacher Klosterglöckchen letztes Mal zum Unterrichtsbeginn geläutet

Erstellt:

Von: Lutz Benseler

Kommentare

Der Glockenturm der Klosterschule in Korbach.
Der Glockenturm der Klosterschule in Korbach. © Lutz Benseler

Nach rund 250 Jahren endet die Tradition: Am Freitag hat zum letzten Mal das „Klosterglöckchen“ Heranwachsende zum Unterricht gerufen.

Korbach – Er ist quasi der Glöckner der Klosterschule: Einer von Hausmeister Arno Schultzes ersten Gängen führt jeden Morgen kurz vor acht Uhr in den kleinen Raum im Dachgeschoss. Aus einer Öffnung in der Decke hängt ein dünnes Seil, auf einer kleinen hölzernen Ablage neben der Tür steht eine Digitaluhr. Auf die Sekunde genau um Punkt acht Uhr beginnt Schultze, die Glocke für knapp drei Minuten zu läuten. „Meistens bin ich genauer als die Glocke der Kilianskirche“, sagt er.

Auf den Rhythmus kommt es an: Langsam und gleichmäßig zieht er an dem Seil, das die Glocke oben im Turm in Schwung bringt. Dafür brauche es etwas Übung, verrät er: „Am Anfang war ich froh, wenn die drei Minuten vorbei waren. Es hat sich grauenhaft angehört“, sagt der Hausmeister lachend. Alle paar Jahre reißt auch das Seil der Glocke und muss erneuert werden. Unbemerkt bleibt die Wartung nicht: „Den Nachbarn fällt sofort auf, wenn die Glocke nicht mehr läutet.“

Nur an Wochenenden und in den Ferien schwieg das Geläut bislang regulär. Doch daran müssen sich die Korbacher nun gewöhnen: Künftig wird das Klosterglöckchen nicht mehr zu hören sein, jedenfalls als allmorgendliches akustisches Signal zum Unterrichtsbeginn. Die Fachbereiche Wirtschaft, Verwaltung und Gesundheit der Beruflichen Schulen, die das Gebäude zuletzt genutzt haben, ziehen um in die Kasseler Straße, wo durch einen Erweiterungsbau mehr Platz entstanden ist. Die frühere Alte Landesschule in der Klosterstraße wird künftig nicht mehr für Schulzwecke genutzt.

Ende einer langen Tradition: (von links) Hausmeister Arno Schultze und Abteilungsleiter Michael Grosche läuten zum letzten Mal das Klosterglöckchen zum Unterrichtsbeginn.
Ende einer langen Tradition: (von links) Hausmeister Arno Schultze und Abteilungsleiter Michael Grosche läuten zum letzten Mal das Klosterglöckchen zum Unterrichtsbeginn. © Lutz Benseler

Die Schränke sind schon leer geräumt, die Kartons gepackt. „Mitte August kommt die Umzugsfirma“, sagt Michael Grosche, Leiter der Fachoberschule und der zweijährigen Fachschule für Wirtschaft. Wenn Hausmeister Schultze verhindert war, läutete er vertretungsweise das Klosterglöckchen. Mit etwas Wehmut blickt er auf den bevorstehenden Umzug in den Neubau: „Die Klosterschule hat schon einen besonderen Charme“, sagt er. Andererseits sei das alte Gebäude baulich in keinem zeitgemäßen Zustand mehr: „Teilweise gibt es noch einfachverglaste Holzfenster“, sagt Grosche.

Das Klosterglöckchen war über die Jahrhunderte bei den Schülern und Korbachern beliebt. Neben seiner regulären Funktion gab es immer wieder Anlass zu Streichen – zuletzt in der vergangenen Woche: Nach einem „Klosterfest“ erklang die Glocke am Freitag um Mitternacht.

Das Klosterglöckchen der Alten Landesschule in Korbach läutet wieder. Waldecker Kurier vom 3. Dezember 1948.
Das Klosterglöckchen der Alten Landesschule in Korbach läutet wieder. Waldecker Kurier vom 3. Dezember 1948. © WLZ

Die heutige Glocke ist bereits die vierte in der Geschichte des Schulgebäudes. Als die nach dem Zweiten Weltkrieg bei Junker in Brilon gegossene Glocke am 1. Dezember 1948 zum ersten Mal erklang, fielen auch die großen Schwestern der Korbacher Kirchen in das Läuten ein. Es war nicht nur ein Schulereignis, sondern die ganze Stadt nahm Anteil.

Auch interessant

Kommentare