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Korbacher Rathaus als Rohstofflager: Fast 6000 Tonnen Abbruchmaterial wiederverwertet

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Von: Lutz Benseler

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Nachhaltig gebaut: In den Fassadenplatten sind zu einem Viertel Recycling-Materialien.
Nachhaltig gebaut: In den Fassadenplatten sind zu einem Viertel Recycling-Materialien. © Lutz Benseler

Das alte Rathaus als „urbane Mine“: Ziel war, möglichst viele Materialien aus dem 70er-Jahre-Bau und der alten Stadtwache im Neubau wiederzuverwenden, um wertvolle Rohstoffe zu sparen.

Korbach – In der Stadtverordnetenversammlung erläuterte die Architektin Professor Dr. Anja Rosen von der Unternehmensgruppe AGN, wie gut das gelungen ist. Wissenschaftler begleiten das vom Land Hessen geförderte Modellprojekt, das zu einem Musterbeispiel für Planer, Architekten und Ingenieure werden soll. Im Blickpunkt stehen vor allem die Ziegel und der Beton. Diese sogenannten „mineralischen Abbruchmaterialien“ sind in einer mobilen Brecheranlage in Volkmarsen aufbereitet und im Beton für den Neubau wiederverwertet worden. Tatsächlich wurden laut Dr. Anja Rosen rund 62 Prozent des Abbruchmaterials für den Neubau verwertet: Insgesamt 5823 von 9617 Tonnen.

Vom Betonbruch wurden rund 15 Prozent für neuen Beton wiederverwertet. Allerdings hätten dabei zum Teil Qualitätseinbußen hingenommen werden müssen, sodass Material mit geringen Fremdbestandteilen nicht für das Tragwerk, sondern für das Fundament eingesetzt worden sei, erläuterte die Architektin. Für die Decken wurde zu 45 Prozent Recyclingbeton verwendet. Die Fassadenplatten enthalten 25 Prozent Recycling-Gesteinskörnung.

Ursprünglich hatten die Planer auf noch mehr Material aus dem alten Rathaus gehofft. Doch im Altbau hatte das Abrissunternehmen eine sogenannte „verlorene Schalung“ mit Holz- und Styroporresten vorgefunden – also eine Schalung, die nach Aushärten des Betons nicht entfernt wurde, sondern stattdessen dauerhaft im Bauwerk verblieb. Somit war es nicht mehr möglich, den Beton sortenrein zu trennen.

Aber die Architekten haben auch vorausgedacht: Alle Konstruktionen sind so geplant, dass spätere Generationen den gerade entstehenden Neubau wiederum als „urbane Mine“ nutzen können. Die Bodenplatte des neuen Rathauses beispielsweise ist so angelegt worden, dass sie später leicht wieder zurückgebaut werden kann, außerdem hat sie eine Dämmung aus Schaumglasschotter erhalten, der selbst aus recyceltem Glas hergestellt worden ist. Auch Bodenbeläge wie Teppiche oder Fliesen werden so verlegt, dass sie sich am Ende ihrer Lebensdauer möglichst einfach, sortenrein und schadstofffrei in ihre wertvollen Einzelteile zerlegen lassen.

Zwischen 34 und 37 Prozent stoffliche Ressourcen und zwischen einem und sieben Prozent Treibhausgase sind laut Rosen durch das Urban-Mining-Projekt beim Rathausneubau eingespart worden.

Mehrkosten von 0,5 Prozent der ursprünglich kalkulierten Gesamtkosten von 20,6 Millionen Euro sind laut Rosen durch das Urban Mining verursacht. Weitere 0,5 Prozent Mehrkosten sind durch das „Bauen für die Zukunft“ entstanden. Insgesamt hat das Korbacher Pilotprojekt so zu Mehrkosten in Höhe von einem Prozent der Gesamtkosten geführt. Der Gegenwert neben einem nachhaltig errichteten Gebäude: „Sie haben Pionierarbeit geleistet“, betonte Professor Dr. Anja Rosen.

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