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Korbacher Sanitätshaus hilft in Burkina Faso: Prothesen-Teile gehen nach Afrika

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Von: Lutz Benseler

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Prothesen für Afrika: (von links) Moussa Bangré, Friedhoff-Geschäftsführer Martin Emde und Anatole Kagambega in der Orthopädietechnik-Werkstatt in Korbach.
Prothesen für Afrika: (von links) Moussa Bangré, Friedhoff-Geschäftsführer Martin Emde und Anatole Kagambega in der Orthopädietechnik-Werkstatt in Korbach. © Lutz Benseler

Eine gute medizinische Versorgung kann sich im westafrikanischen Land Burkina Faso kaum einer leisten. Das Korbacher Sanitätshaus Friedhoff will daher mit ausgedienten Prothesenteilen helfen, die dort wiederverwendet werden. Das Unternehmen denkt außerdem über eine weitere Kooperation mit Orthopädietechnikern in Burkina Faso nach.

Korbach – Nach ein paar Tagen gehört Anatole Kagambega schon fest zum Team in der Werkstatt. Der 51-Jährige Orthopädietechniker aus der Stadt Koudougou schraubt die Teile einer Oberschenkel-Prothese zusammen. Gut eine Woche schaut er seinen Kollegen aus Korbach über die Schulter. „Oh, ich war am ersten Tag sehr aufgeregt und sehr glücklich“, sagt Kagambega. „Ich finde es besonders, wie die Arbeit hier organisiert ist“, so der Orthopädietechniker. Der Meister gehe aktiv zu den Patienten nach Hause oder in die Klinik, betreue und berate sie manchmal schon vor der Amputation.

Sein Alltag in Koudougou, mit etwa 200 000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in Burkina Faso, sieht ganz anders aus. „Es gibt keine Krankenversicherung, die die Kosten übernimmt“, sagt Kagambega. Er arbeitet in einem Orthopädiezentrum, das von einer katholischen Hilfsorganisation unterstützt wird. „Patienten kommen aus dem ganzen Land hierher“, berichtet der 51-Jährige.

Friedhoff in Korbach will das Zentrum künftig unterstützen. Konkret geht es um sogenannte Leihpassteile, die die Patienten in Deutschland nur kurze Zeit tragen, bis ihre eigentlichen Prothesen fertig sind. „Aufgrund der aktuellen medizinischen Richtlinien dürfen die Leihpassteile anschließend nicht mehr verwendet werden“, erläutert Geschäftsführer Martin Emde. Obwohl noch brauchbar, werden sie entsorgt. Künftig sollen sie in Afrika wiederverwendet werden. „Wir wollen Prothesenfüße, Prothesen-Kniegelenke und Beinorthesen-Gelenke nach Burkina Faso schicken, außerdem Hilfsmittel wie Bandagen und Orthesen sowie Fertigprodukte wie Strümpfe“, sagt Emde.

Geplant ist auch, den Korbacher Auszubildenden einen Auslandsaufenthalt für drei bis vier Wochen in Burkina Faso zu ermöglichen und Schulungen für das Orthopädiezentrum in Koudougou anzubieten. „Vielleicht bauen wir auch eine Werkstatt mit ein bis zwei Räumen dort auf“, sagt Emde.

Den Kontakt zwischen Anatole Kagambega und Martin Emde hat Moussa Bangré hergestellt. Bangré stammt aus Koudougou – übrigens Partnerstadt von Melsungen – und hatte nach einem Autounfall von Kagambega eine Prothese angefertigt bekommen. „Sie hatte einen Fuß aus Holz“, erinnert er sich. „Man ist damit gelaufen, wie ein Panzer“, lacht er.

Der 28-Jährige ist mittlerweile Informatik-Ingenieur, lebt seit 2016 in Deutschland und absolvierte von 2017 bis 2021 ein duales Studium bei B. Braun. Heute wohnt er in Melsungen, ist stellvertretender Vorsitzender des Patenschaftsvereins und ist verheiratet. Seine Mutter arbeitet als Intensivschwester in einem Krankenhaus in Koudougou.

Emde hatte ihn an der Bundesfachschule für Orthopädie-Technik in Dortmund kennengelernt. Der Geschäftsführer war dort als Dozent tätig, seine Schüler versorgten Bangré als Patienten.

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