1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck
  4. Korbach

Korbacher Schüler gestalten Aktion auf der Documenta mit

Erstellt:

Kommentare

Bedrohlich hängen die symbolischen Holzkeile unter der Decke: Zeichen für die Spaltung der Gesellschaft.
Bedrohlich hängen die symbolischen Holzkeile unter der Decke: Zeichen für die Spaltung der Gesellschaft. © pr

Mit einer Installation auf der Documenta hat der Korbacher Architekt Christoph Hesse ein Zeichen gegen Hass und Diskriminierung gesetzt. Beteiligt haben sich daran Schülerinnen und Schüler des Kunst-Leistungskurses der Jahrgangsstufe 12 an der Alten Landesschule.

Korbach/Kassel – Seit Monaten wird die „documenta Fifteen“ von Antisemitismus-Vorwürfen überschattet. Mehrere Werke wurden als judenfeindlich kritisiert. Der Korbacher Architekt Christoph Hesse ist eigentlich mit sogenannten „Reflecting Points“ auf der weltweit bedeutendsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst vertreten.

Allein die Vorstellung aber, dass eine internationale Schau auch nur ansatzweise Platz für Rassismus, Homophobie, Islamfeindlichkeit oder andere die Gesellschaft spaltende Ideologien bieten könnte, hat ihn tief bewegt und bewogen, seine und andere Stimmen gegen diese Ideen zu erheben. Mitten in der laufenden Ausstellung, die noch bis zum 25. September zu sehen ist, hat er eine weitere Installation aufgebaut: „Voices against hate and discrimination“. Sehr bildhaft wird dort ein Zeichen gegen Hass und Diskriminierung gesetzt.

Acht Meter lang, vier Meter breit, fünf Meter hoch: 160 Kubik Symbolkraft. „Voices ist eine kollektive Installation gegen jegliche Form von Hass und Diskriminierung. Jeder Mensch ist zum Mitmachen eingeladen, um für Toleranz, Vielfalt und Verbundenheit einzustehen. Ich hatte das Gefühl, mit einer Aktion, die von unten kommt, ein Zeichen setzen zu müssen. Bei den Kuratoren bin ich damit offene Türen eingerannt“, sagt Hesse. Dass Hass-Ideologien spürbare Keile in die Gesellschaft treiben, war der Ansatzpunkt für die begehbare Installation. Im Innern formt sich unter der Decke ein großer, dunkler Keil aus vielen kleinen Holzkeilen. Sie stehen für die unzähligen Hassbotschaften, die täglich verbreitet werden, um Keile zwischen Menschen zu treiben, um sie zu spalten.

„Aus vielen kleinen Spaltern kann sich eine gefährliche Übermacht zusammenfügen. Dieser Gefahr treten wir entschieden und solidarisch entgegen“, heißt es in einer Beschreibung zu der Idee. Diagonale Streben verhindern das Herabfallen des Keils. „Diese Streben – das sind wir, jeder einzelne, die wir die Gesellschaft zusammenhalten und stabilisieren müssen“, sagt Hesse. Im hinteren Teil der Installation befindet sich ein offener Raum der Kommunikation und Freundschaft, aus dem ein Teil des spaltenden Kerns bereits entfernt wurde.

Die Außenhülle des Objektes, das an sehr exponierter Stelle auf dem Friedrichsplatz in unmittelbarer Nähe zum Staatstheater Kassel positioniert ist, besteht aus hunderten von T-Shirts.

Architekt Christoph Hesse mit Schülerinnen und Schülern der ALS auf der „documenta fifteen“.
Architekt Christoph Hesse mit Schülerinnen und Schülern der ALS auf der „documenta fifteen“. © pr

Die werden mit einzelnen Botschaften wie „Mensch ist Mensch“, „Peace, Love and Understanding“ oder „Be the Change“ beschriftet, zusammengenäht und an der Außenwand angebracht. Bei der T-Shirt-Gestaltung aktiv mitgewirkt haben unter anderem auch die Schülerinnen und Schüler des Kunst-Leistungskurses der Alten Landesschule in Korbach mit ihrer Lehrerin Anja Helmke. Weitere Shirts, die von Schulklassen aus Winterberg und Kassel beschriftet wurden, kommen hinzu.

Es gab auch schon Passanten, die ihre Shirts ausgezogen, beschriftet und an der Installation hinterlassen haben. All das zeigt: Rassistisches und anderweitig radikales Gedankengut hat keinen Platz, wenn sich genügend Stimmen erheben und spaltende Keile zu versöhnlichen Rundungen machen.

Die Schülerinnen und Schüler seien begeistert davon gewesen, mit der Aktion ein Teil der internationalen Kunstausstellung zu werden, sagte Lehrerin Anja Helmke: „Es hat ihnen Spaß gemacht, die T-Shirts zu bemalen.“

Mit den kritischen Aspekten der Documenta in Kassel beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler des Leistungskurses aber ganz bewusst erst jetzt im Unterricht. Ihr sei es wichtig gewesen, dass die Jugendlichen unvoreingenommen die Ausstellungen in Kassel besuchten, erklärte Helmke: „Wir werden das in den nächsten Wochen aufarbeiten.“ (Thomas Winterberg und Lutz Benseler)

Auch interessant

Kommentare