Prozess startet erneut

Korbacher soll Kreditsuchende um knapp 100.000 Euro betrogen haben

Das Amtsgericht in Korbach.
+
Zum wiederholten Male muss sich ein Korbacher wegen Betrugsvorwürfen am Amtsgericht verantworten, beteuert aber seine Unschuld.

Online nach einem Kredit gesucht, Geld als Sicherheit angezahlt– und am Ende mit leeren Händen dagestanden: In Korbach wird wegen dieser Erfahrung mehrerer Zeugen verhandelt.

Korbach – Einem 65-jährigen Korbacher wird 19-facher gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen: Am Montag hat das Verfahren am Korbacher Amtsgericht neu begonnen, nachdem es im Dezember vorläufig eingestellt worden war – ein wichtiger Zeuge war untergetaucht. In der Zwischenzeit sind neue Vorwürfe hinzugekommen, der Korbacher befindet sich in Untersuchungshaft.

Er soll laut Anklage von 2011 bis 2014 Kunden betrogen haben, die über das Internet nach Krediten suchten. Demnach forderte er die Zahlung einer Sicherheit von meist zehn Prozent der Darlehenssumme von den Kunden, hatte aber nie die Absicht, ihnen den Kredit zukommen zu lassen. Durch Einbehalten dieser Sicherheiten soll er rund 100 000 Euro behalten haben.

In der neuen Anklage geht es um Vorgänge zwischen März 2018 und Februar 2019: Unternehmen auf der Suche nach Darlehen haben sich demnach an ihn gewandt, er bot stattdessen „stille Partnerschaften“ an. Dafür würde er einen Betrag für die Realisierung eines Projekts überweisen, die Betriebe kurz darauf eine Gewinnbeteiligung schicken. Doch er habe seinen Betrag per SEPA-Verfahren zurückgebucht und so beide Summen einbehalten.

„Die Tatvorwürfe weise ich vollumfänglich zurück“, erklärte der Korbacher. Es handele sich um reguläre Geschäftsabläufe. Bei den neuen Vorfällen seien seine Partner ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen, hätten beispielsweise die Gewinnbeteiligung nicht rechtzeitig überwiesen oder die Mittel falsch eingesetzt. Er sei also zur Vertragskündigung berechtigt.

Bei den älteren Vorgängen habe er lediglich für eine Kreditgesellschaft Unterlagen von Antragsstellern und Einträge etwa in Handelsregistern und Insolvenzmeldungen gesichtet, die er dann an eine Schweizer Gesellschaft weiterleitete, die Sicherungsmaßnahmen für Darlehen stellt. Sie habe bei den angeklagten Fällen abgelehnt, aber seine Provision stehe ihm trotzdem zu und sei bei ihm eingegangen.

Zwei Geschädigte sagten aus: Den Korbacher kennen sie bloß vom ersten Anlauf der Prozesses, sie hatten auf der Suche nach Krediten mit einer Gesellschaft zu tun, deren Mitarbeiter sich alle als erfunden herausstellten. Nachdem sie die „Sicherheit“ gezahlt hatten, fragten sie, wann ihr Darlehen komme – und wurde ignoriert oder vertröstet. Eine ungeduldige Badenerin buchte ihre 1500 Euro rechtzeitig zurück, eine Sächsin verlor 24 900 Euro. Das Geld landete auf Konten des Korbachers.

Dabei verwendete Alibi-Namen nutze auch ein bekannter Finanzbetrüger aus Walsrode, vor dem er einmal eine Kundin gewarnt habe, erklärte der Korbacher: „Ich habe ihn hochgehen lassen. Seitdem versucht er, mir seine eigenen Taten in die Schuhe zu schieben.“ Er habe in gutem Glauben gehandelt, wisse nun aber, dass die ihn beauftragende Kreditgesellschaft nicht mehr existiere.

Um ihn zu belasten, habe der eigentliche Betrüger ihm einen USB-Stick zugesandt, auf dem nach einer Durchsuchung Kundendaten und Unterlagen aus den Vorfällen aufgetaucht sind. Dass die Polizei ähnliche Dateien auf dem Laptop des Korbachers fand, liege an E-Mails eines privat Ermittelnden, der dem Betrüger auf der Spur sei. Die Verteidigung will den Walsroder als Entlastungszeugen laden.  

Der Prozess begannt bereits im Frühjahr 2020, wurde aber unterbrochen. Ende des Jahres folgte der nächste Anlauf, doch ein Zeuge tauchte unter. (wf)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.