Corona-Pandemie lässt Personaldecke schrumpfen

Korbacher Tafel sucht dringend ehrenamtliche Fahrer

Die Regale der Korbacher Tafel sind noch gut gefüllt: (von links) Tafel-Vorsitzender Oliver Breysach und Teamleiterin Ursula Beisenherz im Lager des Ladens.
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Die Regale der Korbacher Tafel sind noch gut gefüllt: (von links) Tafel-Vorsitzender Oliver Breysach und Teamleiterin Ursula Beisenherz im Lager des Ladens.

Die Corona-Pandemie ist eine Herausforderung für die Korbacher Tafel. Die ehrenamtlichen Helfer versorgen derzeit 240 Bedarfsgemeinschaften. Aber viele ältere Mitglieder pausieren derzeit mit der Arbeit im Tafelladen, weil sie Angst vor Infektionen haben. Besonders an Fahrern mangelt es.

Korbach – Noch kurz vor der Pandemie haben regelmäßig bis zu 60 Helfer mit angepackt. Das sieht im Moment anders aus, wie Tafel-Vorsitzender Oliver Breysach berichtet: „Die Personaldecke ist sehr, sehr dünn.“ Ein Großteil der Helfer sei über 70 Jahre alt. Viele hätten ihre ehrenamtliche Arbeit aufgrund von Vorerkrankungen oder Risikopatienten in der Familie auf Eis gelegt. „Da haben wir natürlich Verständnis für“, sagt Breysach. Besonders betroffen seien die Fahrer. „Die suchen wir besonders dringend“, sagt der Vorsitzende.

Die Fahrer holen mit dem vereinseigenen Kühlwagen in festgelegten Touren die Lebensmittelspenden in Supermärkten in der Region ab. Um die Gefahr einer Corona-Infektion zu minimieren, sei das Fahrzeug derzeit nur noch mit zwei statt drei Personen besetzt. Breysach: „Gerade für die Älteren ist es eine Herausforderung, die Waren nur noch zu zweit einzuladen. Schön wäre es deshalb, wenn auch ein paar Jüngere zu uns hinzustoßen.“

Nachdem die Tafel in der ersten Corona-Welle von Ende März bis Ende Mai 2020 geschlossen hatte, läuft der Betrieb seitdem wieder ohne Unterbrechung. Der Laden hat zweimal in der Woche geöffnet, im 14-tägigen Rhythmus werden jeweils 60 Bedarfsgemeinschaften pro Ausgabetag mit Lebensmitteln versorgt.

Während fast 40 Prozent der bundesweit über 950 Tafeln aktuell im Vergleich zum September 2020 mehr Kunden verzeichnen, haben die Korbacher sogar ihre Warteliste fast vollständig abgebaut. „Die Kundenzahlen sind bei uns nicht gestiegen“, sagt Breysach, der sich das dadurch erklärt, dass die großen Arbeitgeber in Korbach bislang nur wenig von der Pandemie betroffen seien.

Im Laden selbst gelten strenge Hygienevorschriften. Teamleiterin Ursula Beisenherz erläutert: „Die Kunden warten vor der Tür, wir lassen immer nur zwei Personen gleichzeitig in den Laden. Das klappt eigentlich ganz gut.“ Die Räumlichkeiten im Ermighäuser Weg seien groß genug, um Abstand und Hygienemaßnahmen einzuhalten. Die Helfer seien alle mit Masken versorgt und auch Kunden, die ihre vergessen hätten, könnten eine bekommen.

Etwas zu kurz komme aber der Plausch mit den Kunden, sagt Beisenherz: „Gerade Ältere und Alleinstehende kommen auch hierher, um sich zu unterhalten. Wir nehmen uns natürlich immer noch Zeit dafür, aber es ist momentan etwas schwerer als sonst.“ (Lutz Benseler)

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