Korbacher beteuert Unschuld

Kreditbetrug-Prozess in Korbach: Schlüsselfigur angeblich verstorben

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Ein Prozess um Kreditbetrug am Korbacher Amtsgericht wirft weiter Fragen auf.

Ein Korbacher weist Betrugsvorwürfe am Amtsgericht von sich. Der Mann, den er verantwortlich macht, ist laut einer dem Gericht zugesandten Sterbeurkunde aber tot.

Korbach – Gewerbsmäßigen Betrug und Wucher wirft die Staatsanwaltschaft einem 65-jährigen Korbacher vor – dieser weist alle Vorwürfe von sich. Seine Version: Ein bekannter Finanzbetrüger wolle ihn belasten. Diesen würde die Verteidigung gerne laden, doch wurde dem Gericht eine Sterbeurkunde des Niedersachsen zugeschickt. Ob sie echt sei, kläre das Gericht noch mit der Stadt Hannover, erklärt Robert Winter, Direktor des Korbacher Amtsgerichts. Doch auch, wenn sie sich als gefälscht herausstellen sollte: Eine Adresse wäre immer noch nicht bekannt.

In 19 Fällen sollen Kreditsuchende dem Korbacher zur Gewährung des Darlehens eine „Sicherheit“ von zehn Prozent der gewünschten Summe bezahlt haben – das Geld bekamen sie aber nie und auch ihre „Sicherheit“ verschwand. Knapp 100 000 Euro soll der Korbacher so laut Anklage erlangt haben.

Neben mehreren Opfern sagte am zweiten Verhandlungstag ein 56-jähriger Berliner aus, dessen Name bei einigen der Fälle auftauchte. Bis 2015 war er selbst in der Vermögensberatung tätig, in manchen der Vorgänge wurde er als Darlehensgeber oder -vermittler angegeben. Er sagte aus, von keinem der Opfer oder der involvierten Firmennamen je gehört zu haben – und auch nicht vom Korbacher und dem Niedersachsen, den dieser beschuldigt.

Ein Scan des Personalausweises des Berliners tauchte derweil in einem der Vorfälle auf – das könne er sich nur damit erklären, dass sein Computer vor geraumer Zeit gehackt worden sei, sagte der Mann. Betrogene Kunden würden anscheinend mit einer E-Mail-Adresse kommunizieren, die seiner bis auf einen Buchstaben gleicht – seit Jahren warne er davor.

Eine Verbindung zum Korbacher tat sich auf: Bis zum Jahr 2012 war der Berliner an der Entwicklung eines Projekts im Bereich der erneuerbaren Energien beteiligt, das mit Auslaufen des Grünstromprivilegs fallengelassen wurde, bevor etwas handfestes entstand. Der Korbacher wiederum hatte am ersten Prozesstag ausgesagt, Ende 2011 mit einer Firma zu tun gehabt zu haben, die den gleichen Namen wie das Projekt trug und Geld zur Eigenfinanzierung brauchte. Sogar das Gelände, eine alte Kaserne in Potsdam, habe er mit Mitarbeitern dieser Firma besucht. Die Rechnung des Korbachers, der zur Gewährung des Geldes für eine größere Gesellschaft Unterlagen prüfte, habe sie aber erst nach Androhung rechtlicher Schritte und Verhängung einer Strafzahlung beglichen – insgesamt 25 000 Euro.

Das Geld kam tatsächlich von einer heute 61-Jährigen aus Sachsen, die am ersten Verhandlungstag aussagte, nie etwas von diesem Projekt gehört zu haben. Sie hatte online einen Kredit über 249 000 Euro gesucht, um ihren damaligen Lebensgefährten zu unterstützen. Wie andere zahlte sie die „Sicherheit“, die ihre Bonität belegen und das Darlehen durch Investition in einen Fonds finanzieren sollte. Doch sie bekam weder den Kredit ausgezahlt noch ihr Geld zurück.

Ähnlich berichteten es weitere Zeugen. Manchen wurde der Kredit nach Zahlung der „Sicherheit“ formell abgelehnt und eine Rückzahlung zugesichert, die nie kam – der Fonds sei pleite gegangen. Andere hörten nach ihrer Zahlung und angeblicher Gewährung des Darlehens einfach nichts mehr von den vermeintlichen Kreditgebern, die sich entweder als Pseudonyme herausstellten oder als der Berliner Zeuge auftraten. Die Opfer brauchten teils Jahre, um sich von den Verlusten zu erholen. (wf)

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