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Kundgebung für Frieden und Solidarität mit der Ukraine in Korbach

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Von: Wilhelm Figge

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Für Frieden und die Ukraine versammelten sich Dutzende Menschen am Berndorfer Tor in Korbach.
Für Frieden und die Ukraine versammelten sich Dutzende Menschen am Berndorfer Tor in Korbach. © Wilhelm Figge

In der Tradition der Friedenskundgebungen wurde in Korbach protestiert. Angesichts des Kriegs in der Ukraine wurden dabei viele alte Ansichten hinterfragt.

Korbach – Strahlend blauer Himmel, die Eisdiele ist gut gefüllt und auch unter den am Berndorfer Tor Versammelten hat mancher eine Eistüte in der Hand. „Eigentlich ein schöner Tag“, sagt Landrat Jürgen van der Horst: „Eigentlich.“ Doch in der Ukraine werden Städte zerstört, Menschen sterben durch den russischen Angriffskrieg. „Und das schlimme ist: Es wird weitergehen.“

In der Tradition der Friedenskundgebungen zu Ostern hatte ein breites Bündnis zur Protestkundgebung „Für den Frieden – Gegen den Krieg“ aufgerufen. In Spitzenzeiten versammelten sich geschätzt rund 150 Menschen – da wird schon mal die klassische Forderung „Frieden schaffen ohne Waffen“ hochgehalten, vor allem zeigen Transparente aber Solidarität mit der Ukraine.

Frieden: Was bedeutet das, wie lässt er sich erreichen, was kann der einzelne tun? Um diese Fragen drehten sich die Redebeiträge. Sanktionen brauchten Zeit, um zu wirken, erklärte der Landrat, „aber damit kann die freie westliche Welt klar machen, dass sie andere Antworten kennt als Krieg“. Ob Waffenlieferungen richtig sind, müsse jeder mit sich selbst ausmachen; große Anerkennung verdiene aber das ehrenamtliche Engagement, mit dem die 1600 Kriegsflüchtlinge im Kreis unterstützt werden.

Musik bereicherte die Kundgebung: Da spielte Cellistin Maria Montejo mit Hilfe der Band „Clocks on Canvas“ die „Ode an die Freude“ (links); auch „Plan B“ (rechts) zeigte sich froh, Solidarität mit der Ukraine zeigen zu können.
Musik bereicherte die Kundgebung: Da spielte Cellistin Maria Montejo mit Hilfe der Band „Clocks on Canvas“ die „Ode an die Freude“. © Wilhelm Figge

Gegen welchen Krieg werde hier protestiert? „Sicher nicht gegen den der Selbstverteidigung, den die Ukraine führen muss“, befand Cornelia Gliem von der Arbeiterwohlfahrt und dem Projekt „Demokratie feiern“. Es wäre schön, wenn die Ukraine mit passivem Widerstand und moralischer Überlegenheit gewinne – aber nicht wahrscheinlich. Deutschland solle kein Öl und Gas bei Putin kaufen.

Matthias van der Minde von der Arbeitsgruppe „Region gegen Rassismus“, Lehrer und Buchautor, sprach über Atomwaffen: 1994 gab die Ukraine ihre auf, dafür sicherte Russland ihr ihre Grenzen zu. Als Konsequenz aus dem Bruch dieses Vertrages würden sich nun viele Länder fragen, ob sie atomar aufrüsten müssen. So wichtig er den Abzug der letzten Atomwaffen aus Deutschland fände, sei der zur Zeit nicht möglich.

Daniel Clemens (Grüne) vom Kreisausschuss stellte fest: „Es sind harte Zeiten für Pazifisten.“ Deutschland müsse die Ukraine unterstützen und mehr für seine Sicherheit tun. Parteifreund Gordon Matthews riet, die Macht gewaltfreien Widerstands nicht zu unterschätzen; Jochen Rube, Vorsitzender der FDP im Landkreis, mahnte, dass der Ukraine ohne Waffenlieferungen irgendwann nur die Kapitulation bleibe, das Arrangement mit russischen Forderungen. „Ist das Frieden?“, fragte er.

Auch die Band „Plan B“ aus Korbach zeigte Solidarität mit der Ukraine.
Auch die Band „Plan B“ aus Korbach zeigte Solidarität mit der Ukraine. © Wilhelm Figge

Sätze wie „Schwerter zu Pflugscharen“ und „Frieden schaffen ohne Waffen“ prägten Friedensmärsche, hielt Dekanin Eva Brinke-Kriebel fest: „Wir teilen diese Vision einer friedlichen Welt. Aber wir merken auch, dass es nicht so einfach ist.“ Es gebe nur die beiden schlechten Optionen: Waffen liefern oder Putins Sieg riskieren. „So oder so können wir unsere Hände nicht in Unschuld waschen.“

Eingeladen hatten der Kirchenkreis Twiste-Eisenberg, der Runde Tisch Ukraine-Hilfe und „Region gegen Rassismus“ zusammen mit dem Dekanat Waldeck, DGB, „Demokratie feiern“, Arbeiterwohlfahrt, dem Verein „Gewaltfrei handeln“, dem „Netzwerk für Toleranz“, SPD, CDU, FDP, Grünen, Freien Wählern und Linken. (wf)

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