Einige wollten sich damit bewerben

Lehrer war lange krank: Schülern aus 18 Klassen fehlen Noten im Zeugnis

Waldeck-Frankenberg. Der Ausfall eines Lehrers an einer Schule in Korbach zieht Kreise: Schüler aus 18 Klassen der Mittelstufenschule wurden in einzelnen Fächern nicht benotet.

Und das im Halbjahreszeugnis, mit dem sich einige bewerben wollen.

Statt einer Zensur findet sich auf dem Halbjahreszeugnis an der Louis-Peter-Schule der Hinweis „kann nicht festgestellt werden“. Weiter unten im Zeugnis wird darauf hingewiesen, dass die Verantwortung dafür nicht beim Schüler liegt.

„Wir sind sehr erschrocken“, sagt Elternbeiratsvorsitzende Alexandra Hamel. Zehn Klassen mit Pflichtfächern und acht Klassen im Wahlpflichtbereich seien betroffen. „Wir haben erst wenige Tage vor der Zeugnisvergabe davon erfahren“, sagt sie.

Während einige Schüler in einem Fach betroffen sind, haben andere Kinder bis zu vier Lücken im Zeugnis - in Sport, Erdkunde, Geschichte und Powi. „Einige Schüler müssen sich mit diesem Zeugnis für eine Lehrstelle bewerben“, beklagt Alexandra Hamel.

Was war geschehen? „Eine Lehrkraft hat sich im vergangenen Halbjahr wiederholt krank gemeldet“, erklärt der stellvertretende Schulleiter Michael Steinberg. Weil die eingereichten Krankmeldungen immer für zwei Wochen galten, habe die Vertretungsregelung nicht gegriffen. „Das Schulamt schickt uns erst eine Vertretung, wenn ein Lehrer sich mindestens sechs Wochen am Stück krank meldet“, sagt Steinberg. Aus den Reihen des Kollegiums der Louis-Peter-Schule sei die Vertretung nicht zu stemmen gewesen. „Und wir mussten ja davon ausgehen, dass der Lehrer wiederkommt“, sagt Steinberg.

Der Pädagoge fiel aber nahezu für das ganze Halbjahr aus. Teilweise habe der Unterricht nicht stattgefunden, andere Klassen wurden unterrichtet, aber nicht benotet. „Wir bedauern diese Situation sehr“, sagt Michael Steinberg, „aber eine Notengebung war am Ende einfach nicht möglich.“

Waltraud Credé, Leiterin des Staatlichen Schulamts in Fritzlar, verweist auf die geltenden Vertretungsregelungen: „Bei einem kurzfristigen Ausfall reagieren die Schulen unter Verantwortung des Schulleiters durch die Nutzung interner abgesprochener Vertretungskonzepte“, erklärt sie. Schulen könnten dann auch auf externe Vertretungskräfte zurückgreifen. „Diese sind aber von der Leistungsbewertung ausgeschlossen“, erklärt Waltraud Credé mit Blick auf die Louis-Peter-Schule. Deswegen gebe es in der „Verordnung zur Gestaltung des Schulverhältnisses“ den Ausnahmefall, dass keine schülergerechte Bewertung möglich sei.

Für das nächste Halbjahr sei der Unterricht sichergestellt, betont indes Michael Steinberg. Der Lehrer sei versetzt worden.

Von Theresa Demski

Rubriklistenbild: © dpa

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