Lesen hält ihn fit: Heinrich Schmittmann wird 100 Jahre alt

Er liest gern: Heinrich Schmittmann hält seinen Geist fit mit Büchern und Kreuzworträtseln. Foto:  Saure

Nieder-Ense. Noch immer versorgt sich Heinrich Schmittmann selbst in dem Haus von 1794, in dem er geboren wurde. Am Donnerstag begeht der Schmiedemeister seinen 100. Geburtstag.

Gefeiert wird am Samstag mit Familie und Verwandten im Dorfgemeinschaftshaus in Nieder-Ense. 100 Jahre merkt man Heinrich Schmittmann nicht wirklich an. Der Jubilar hält Ordnung in dem Haus, das er allein bewohnt. Zum Mittagessen geht er rüber zu seiner Tochter Gerda und ihrem Mann.

Geistig fit hält er sich mit Lesen, wofür früher keine Zeit blieb. Besonders geschmunzelt hat er bei der Lektüre des Buches über den 100-Jährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand. „Als ich geboren wurde, war mein Lebensweg angeblich schon festgeschrieben“, sagt Schmittmann. Trotz seiner schmächtigen Figur lernte er im elterlichen Schmiedebetrieb das Handwerk, das damals noch Knochenarbeit war. Um die neuen Landmaschinen reparieren zu können, hat sich der Jubilar viel selbst beigebracht. 1947 legte er die Meisterprüfung als Schmied ab.

Schmittmann erlebte die Entwicklung der von Pferden gezogenen Ackerwagen zu den ersten Traktoren vor dem Zweiten Weltkrieg mit. Erst mit 78 Jahren meldete er den Schmiedebetrieb in Nieder-Ense 1992 ab.

1939 musste er in den Zweiten Weltkrieg ziehen. Den überstand der Artillerist mit Glück im Unglück. Er kam in amerikanische Gefangenschaft, dann wurde sein Lager an sowjetische Soldaten übergeben. Auf der Zugfahrt Richtung Russland erkrankte Schmittmann in Rumänien an Amöbenruhr, die Bewacher gaben ihn auf. Über Schleichwege fand er den Weg in die englische Zone. Von dort fuhr er mit dem Zug nach Kassel in die amerikanische Zone. Im Herbst 1945 war die Wiedersehensfreude auf dem elterlichen Hof groß.

1949 heiratete Schmittmann Elisabeth Cronau aus Birkenbringhausen. Die Hochzeit an Weihnachten feierte er als Doppelhochzeit, auch Schwester Frieda heiratete. Ein Jahr später kam Tochter Gerda zur Welt. Ihr folgten die Zwillinge Henrich und Helmut und 1963 Sohn Walter. Fünf Enkel und zwei Urenkel gehören zur Familie.

Lebhaft erinnert sich Heinrich Schmittmann an die Einführung der Elektrizität 1919. Nieder-Ense wurde mit 220 Volt versorgt, Goldhausen mit 110 Volt. „Wenn ich zu Elektro-Saure nach Korbach fuhr, um eine Glühbirne zu kaufen, fragten die mich immer, wo ich herkomme“, erzählt Schmittmann schmunzelnd - damit die Spannung für die Birne stimmte.

Von Heike Saure

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