Nach Flucht Reue im Gericht: Fahrerin verurteilt

Korbach. Die Angeklagte weinte bei der Urteilsbegründung und entschuldigte sich bei dem Mann, den sie angefahren hatte. Kurz zuvor war sie zu 90 Tagessätzen zu je 25 Euro verurteilt worden.

Strafrichter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling sah es am Dienstag als erweisen an, dass die Frau einen heute 67 Jahre alten Fußgänger fahrlässig verletzt hatte. Die Strafe resultierte aber vor allem daraus, dass sie den Unfallort verlassen hatte, ohne sich um das Geschehen zu kümmern. Und das, obwohl sie wusste, dass etwas passiert war. Am nächsten Tag erfuhr sie genauer, dass es dort einen Unfall gegeben hatte, bei dem ein Mann schwer verletzt worden war.

Dieser Mann ging in der Nacht des 21. September 2013 zu Fuß von Lengefeld nach Korbach. Die Angeklagte hatte den Abend gemeinsam mit ihrem Mann bei Bekannten verbracht. Dort hatten die Männer Alkohol getrunken, die Gastgeberin und die Frau jeweils einen süßen Korn.

Vor Mitternacht fuhr die Frau mit ihrem Mann nach Hause. Auf der Straße zwischen Korbach und Lengefeld hörte sie plötzlich einen Knall, nachdem sie von einem entgegenkommenden Fahrzeug geblendet worden war. Statt anzuhalten, fuhr die Frau weiter.

Sie stoppte erst kurz vor Lengefeld. Der Mann stellte fest, dass der Spiegel abgebrochen war. Bei einem Blick zurück auf die Straße sah er nichts. Der Mann schimpfte über den Schaden, berichtete die Frau im Gericht. Dann stieg er ein und das Paar kehrte nach Hause zurück.

Dort ließ der Frau das nächtliche Geschehen keine Ruhe. Sie bat ihre Tochter, an der Unfallstelle nachzuschauen. Außerdem stieß die Tochter am nächsten Tag im Internet auf die Unfallmeldung.

Die Polizei leistete in den nächsten Tagen hervorragende Arbeit. Anhand der Spiegelreste vom Unfallort ermittelte der Beamte den Autotyp, einen älteren Volvo. Es gelang, die Herkunft einzugrenzen. Mit weiteren Informationen und der Unterstützung westfälischer Beamter konzentrierte sich die Korbacher Polizei auf einen Wagen: das Fahrzeug, das die Frau gefahren hatte. Als die Polizisten vorfuhren, trafen sie den Ehemann. Der bestritt, dass der Wagen in einen Unfall verwickelt gewesen sei. Weil ein neuer Spiegel angebracht worden, war, stellte die Polizei das Auto sicher. Bei der kriminaltechnischen Untersuchung wurden Unfallspuren gefunden.

Nach sechs Wochen zur Polizei 

Erst nach sechs Wochen gab die Frau bei der Polizei zu, gefahren zu sein. Sie dachte, sie hätte einen Leuchtpfosten gestreift, sagte sie im Gericht. Das auf der Straße nichts zu sehen war, war klar: Das Unfallopfer war in den Graben geschleudert worden. Stunden später gelang es dem Mann, nach Lengefeld zu gehen und Hilfe zu rufen.

Die lange Zeit zwischen Unfall und Geständnis bei der Polizei führte zu der hohen Geldstrafe, die auch die Anklage gefordert hatte. (ber)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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