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Nach „Folterdrohung“ aus Fenster gesprungen: Bewährungsstrafe für Korbacher

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Von: Philipp Daum

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Symbolbild der Justizia mit verbundenen Augen
Wegen vorsätzlicher Körperverletzung wurde ein Korbacher zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Diese wurde zur Bewährung ausgesetzt. © Peter Steffen/dpa - Bildfunk

Aus Ärger über ein Nacktfoto konfrontierte ein 41-jähriger Korbacher einen Bekannten, schlug ihn und drohte ihm weitere Gewalt an – woraufhin dieser durch einen Sprung aus dem ersten Stock zu entkommen versuchte und sich schwer verletzte.

So standen die Ereignisse vom Abend des 30. März 2021 aus Sicht der Richterin am Korbacher Amtsgericht fest, die den Angeklagten wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilte.

Diese wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Ursprung des Streits war ein Foto, dass die Freundin des Korbachers nach einem Besuch des 35-jährigen Bekannten auf ihrem Handy entdeckte: Durch das Schlüsselloch sei sie bei der Benutzung des Badezimmers fotografiert worden – auch ihr unbekleideter kleiner Sohn war auf dem Foto. Der Verdacht fiel auf den Bekannten, dem sie auch unterstellte, ihr Handy gehackt zu haben. Aus einem von ihm in der Wohnung zurückgelassenen Tablet entfernte ihr Freund deshalb die SIM-Karte.

Die hatte er sich in einer Wohnung eines weiteren Korbachers abholen sollen, wo der Angeklagten ihn überraschte und schlug. Er ließ vom ihm ab, forderte aber, er solle sich bezüglich des Fotos erklären und drohte andernfalls weitere Gewalt an. In Panik sprang der 35-Jährige – der bestritt, das Foto geschossen zu haben – aus dem Fenster. Von den Schlägen haben er einen Backenzahn verloren und Schmerzen im Unterkiefer sowie Blutergüsse davongetragen; der Sturz führte zu einer Trümmerfraktur im linken Handgelenk und einem gebrochenen rechten Fuß. Der Ursprung einer Lungenquetschung sei unklar.

Über die Vorfälle gingen die Aussagne auseinander: Der Angeklagte behauptete, der andere habe ihn panisch angegriffen, woraufhin er ihn geschlagen habe. Drohungen räumte er ein. „Ich fühle mich da nach wie vor im Recht“, hielt er fest. Er habe nur feststellen wollen, ob sein Bekannter das Foto geschossen hat. Mit dem Sprung habe er nicht gerechnet – der sei aber auch dessen Problem.

Der 35-Jährige hingegen schilderte, der andere habe ihn direkt angegriffen, minutenlang getreten und geschlagen – auch mit einem Teleskop-Schlagstock. Er habe nicht mal gewusst, worum es geht. Als der Angeklagte von ihm abließ forderte er, er solle sich zum Nacktbild erklären – sonst „wolle er meine Hand auf dem Barhocker festnageln und mir mit einem Hammer jeden einzelnen Finger brechen.“ Der Sprung aus dem Fenster sei seine einzige Möglichkeit gewesen: „Das wollte ich auf keinen Fall mit mir machen lassen.“

Richterin Lohan fand wie die Staatsanwältin die Aussage des Geschädigten glaubhafter und logischer – hätte etwa der 35-Jährige angegriffen, wäre er danach wohl kaum aus dem Fenster gesprungen. Dass ein Schlagstock zum Einsatz gekommen sei, ließe sich nicht feststellen – anders als die Staatsanwaltschaft erkannte sie also keine Körperverletzung mit gefährlichem Werkzeug. Der Fenstersprung sei typisches Opferverhalten, aber nicht beabsichtigt gewesen.

Der Korbacher ist mehrfach vorbestraft, auch einschlägig – in den vergangenen vier Jahren ließ er sich nichts zu schulden kommen. Zu gute hielt die Richterin ihm das teilweise Geständnis – und dass er wegen des Fotos aufgebracht war und vor allem den Sachverhalt aufklären wollte: „Es ist aber die falsche Art und Weise, es persönlich zu klären, statt zur Polizei zu gehen.“ (wf)

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