Nach zwei Operationen endlich glücklich

Nach Geschlechts-Umwandlung: Wie Julian zu Emilia wurde

Mit einem Fotoalbum in ihrer neuen Wohnung: Emilia Luchs will mit ihrem früheren Leben als Julian abschließen. Als Frau will sie jetzt den Blick nach vorn richten, denkt auch an Familie. Das Foto in ihrer Hand zeigt sie im Alter von zwölf Jahren im Klassenraum einer Korbacher Schule. Foto: Hermann

Korbach. Dass er im falschen Körper gefangen wahr, wurde Julian Luchs mit 19 Jahren richtig klar. Nach zwei OPs zur Geschlechtsangleichung ist Emilia Luchs nun glücklich.

Julian Luchs hat einen langen, verstörenden Weg hinter sich. Schon im Kindergarten merkt er, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Als Junge spielt er lieber in der Puppenecke und zieht Mädchenkleider an. In der Schule wird der Korbacher wegen seines weiblichen Verhaltens gehänselt und beleidigt. Zwei Grundschulen, Haupt- und Realschule sowie Berufsschule besucht er in der Hanse- und Kreisstadt, die eben vor allem auch Kleinstadt ist. „Die Schulzeit war der Horror.“

Die Ausbildung zum Hotelfachmann bricht Julian ab. Hat er zuvor eher zu viele Pfunde, leidet er in der Lehre an Ess-Störungen (Bulimie) und Depressionen. Er ist ratlos, weiß selbst nicht, was mit ihm ist. Findet die ganzen Jahre niemanden, dem er sich anvertrauen kann. Mit 19 Jahren outet sich Julian als homosexuell - und bleibt doch Gefangener seines eigenen Körpers.

Emilia Luchs gibt es erst anderthalb Jahre. Im Juli 2013 genehmigt das Landgericht Kassel die Namensänderung. Aus Julian wird Emilia. Die Entscheidung zur Geschlechtsumwandlung bestärkt ein auswärtiger, im Internet gefundener Psychologe und ein Klinik-Aufenthalt. Ende 2012 beginnt die Hormonbehandlung und damit die Wandlung des jungen Mannes zur jungen Frau.

„Schon am ersten Tag der Behandlung war für mich klar, dass es der richtige Weg ist“, sagt Emilia Luchs. Ihre Freunde hätten hinter ihr gestanden. Ihre Mutter habe erstmal schlucken müssen. „Schließlich hatte sie ja einen Jungen zur Welt gebracht.“

Zwei Operationen 

Ende 2014 ist es so weit. In einer Krefelder Klinik wird im November die Genitalangleichung vorgenommen. Im Januar 2015 folgt an gleicher Stelle der zweite Teil der so genannten großen Operation. Die Kosten trägt die Krankenkasse.

Das Ergebnis lässt die 22-jährige Korbacherin heute strahlen. „Ich fühle mich jetzt komplett fertig. Und ich bin so glücklich wie noch nie.“

Nun will sie erst mal wieder richtig Fuß fassen. Mit ihrem Freund hat sie eine gemeinsame Wohnung bezogen, demnächst beginnt sie wieder zu arbeiten und will im Sommer ihre Ausbildung in einer Korbacher Metzgerei abschließen. „Ich bin voll und ganz angekommen. Jetzt bin ich frei, endlich ist der Käfig auf.“

Sie will anderen Mut machen 

Die schwierige Schulzeit, die noch schwierigere Pubertät: Heute bereue sie es, die Geschlechtsumwandlung nicht früher begonnen zu haben. Damals sei es ihr aber noch nicht möglich gewesen. Auch deshalb will sie anderen Mut machen, die sich in ihrem Körper falsch und gefangen fühlen. „Das ist kein Zuckerschlecken. Aber es lohnt sich.“

Emilia will die schlimme Vergangenheit, die mit ihrer Kindheit und Korbach verbunden ist, hinter sich lassen. Sie denkt an Familie, möchte vielleicht ein Kind adoptieren. Auf natürlichem Wege sei es ihr leider nicht möglich, eines zu bekommen.

Die 22-Jährige überlegt, in eine andere Stadt zu gehen. Wo man sie nicht als Mann, sondern nur als junge Frau kennt. „Ich möchte noch mal von vorn anfangen“, sagt Emilia Luchs. Und sie meint damit: ohne Julian.

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