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Seniorenresidenz geplant: Postgebäude in Korbach werden abgerissen

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Von: Philipp Daum

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Soll abgerissen werden: Das Postverteilzentrum (vorne) und das mehrstöckige Gebäude, in dem die Postfiliale samt Postbank derzeit noch untergebracht sind, sollen für den Bau einer Seniorenresidenz weichen.
Soll abgerissen werden: Das Postverteilzentrum (vorne) und das mehrstöckige Gebäude, in dem die Postfiliale samt Postbank derzeit noch untergebracht sind, sollen für den Bau einer Seniorenresidenz weichen. © Philipp Daum

Im ersten Schritt ein Seniorenheim mit stationären Pflegeplätzen, im zweiten Schritt eine unmittelbar angrenzende Einrichtung mit betreutem Wohnen: Dieser Plan soll ab dem kommenden Jahr auf dem Areal in Korbach umgesetzt werden, auf dem sich derzeit noch das Verteilzentrum der Post sowie Postfiliale mit Paket- und Briefannahme und Postbank befinden.

Dafür wird der gesamte Komplex abgerissen – eine Baugenehmigung für das Seniorenheim liegt nach Auskunft von Bürgermeister Klaus Friedrich schon vor.

„Geplant ist ab dem zweiten Quartal 2023 zunächst der Bau einer Einrichtung mit 119 stationären Pflegeplätzen für Seniorinnen und Senioren. Außerdem will der Investor noch Wohnungen bauen und dort Angebote für betreutes Wohnen umsetzen. Hier liegt aber noch kein Bauantrag vor, der soll später eingereicht werden“, sagt der Verwaltungschef. Für Korbach sei das gesamte Vorhaben ein Gewinn. „Der Bedarf ist vorhanden. Ich sehe hier auch keine Konkurrenz zu unseren vorhandenen Seniorenheimen“, sagt Friedrich.

Als Investor und Bauherr für das Großprojekt in der Poststraße in Korbach tritt die zur Lindhorst-Gruppe gehörende Gesellschaft Cureus auf. „Wir sind ein führender Entwickler und Bestandshalter von stationären Pflegeimmobilien. In diesem Standort sehen wir für die Zukunft ein großes Potenzial und steigenden Bedarf an stationären Pflegekapazitäten“, sagt Cureus-Sprecher Christoph Wilhelm. Korbach passe zudem in die Betreuungsstruktur des bestehenden Pflege-Immobilien-Portfolios des Unternehmens. Das Grundstück mit den Gebäuden gehöre seit 2020 zur Unternehmensgruppe. „Im Sommer 2022 konnten wir unseren Bauantrag für die Errichtung einer modernen Seniorenresidenz auf dem Gelände der Post in der Poststraße 3 in Korbach stellen“, bestätigt auch Christoph Wilhelm.

Zum Jahresende rechne man mit dem Erhalt der Baugenehmigung, um die Planungen dann abschließen zu können. „Sobald der letzte Teilbetrieb im noch bestehenden Postgebäude im ersten Quartal 2023 eingestellt ist, sehen wir – Stand heute – den Abriss aller Bestandsgebäude vor, sodass wir aktuell mit einem Baubeginn im zweiten Quartal 2023 rechnen“, sagt der Cureus-Sprecher.

Über alle Details zum geplanten Projekt und eine konkretere Terminschiene für die Umsetzung könne das Unternehmen allerdings erst mit Erhalt der Baugenehmigung berichten. „Das werden wir dann auch umfangreich und transparent tun. Nur Investitionsvolumen geben wir grundsätzlich nicht öffentlich bekannt und bitten hier um Verständnis“, sagt Christoph Wilhelm.

Lindhorst-Gruppe und Cureus: Das steckt hinter dem Investor

Cureus ist eine Gesellschaft innerhalb der Lindhorst-Gruppe. Nach Angaben von Cureus-Sprecher Christoph Wilhelm baut die Gesellschaft „Pflegeimmobilien nach einem eigenen Standard und architektonisch abgestimmt auf den jeweiligen Standort in massiver Bauweise Stein auf Stein“. Später würden die Einrichtungen von Cureus betreut sowie dann an spezialisierte Betreiber für den Pflegebetrieb verpachtet.

Die Lindhorst-Gruppe hat ihren Firmensitz in Winsen (Aller) im niedersächsischen Landkreis Celle. Zum größten Geschäftsbereich der Lindhorst-Gruppe gehört der Bau von Gewerbe-, Wohn- und Ferienimmobilien sowie von Senioren- und Pflege-Immobilien.

Mit der JLW Holding hat die Lindhorst-Gruppe darüber hinaus eines der größten deutschen Agrarunternehmen in seinem Firmen-Konglomerat. Diese betreibt mehrere Landwirtschaftsbetriebe. Im Jahr 2015 erweitere die Gruppe den Bereich Landwirtschaft um das Geschäftsfeld „Erneuerbare Energien“.

So sehen die Pläne für die Post- und Paketdienstleistungen und das Verteilzentrum aus

In der Poststraße befindet sich der Hauptstandort der Post in Korbach. Doch was passiert mit den jeweiligen Angeboten, wenn die Gebäude für den Neubau der Seniorenresidenz im ersten Quartal 2023 abgerissen werden? Im Untergeschoss des mehrstöckigen Gebäudes ist derzeit die Filiale der Postbank untergebracht – inklusive der Schalter für die Aufgabe und Abholung von Briefen und Paketen. Neben einem Shop bietet die Postbank dort auch ihre Dienstleistungen an.

Hartmut Schlegel, Postbank-Sprecher
Hartmut Schlegel, Postbank-Sprecher © Postbank

Zumindest an diesem Standort wird es damit aber ab dem kommenden Jahr vorbei sein, wie Postbank-Sprecher Hartmut Schlegel auf Anfrage unserer Zeitung sagte. „Wie alle Banken beobachtet auch die Postbank, dass sich der Markt sowie das Verhalten unserer Kunden in Zeiten der Digitalisierung verändern. Hierauf stellen wir uns unter anderem dadurch ein, dass wir für unsere Kunden unterschiedliche neue Filialformate mit differenzierten Produkt- und Serviceangeboten entwickeln“, so Schlegel. Zudem überprüfe die Postbank kontinuierlich das eigene Filialnetz hinsichtlich seiner Wirtschaftlichkeit und Optimierungsmöglichkeiten.

„Mit Blick darauf hat die Postbank sich entschieden, die Filiale in Korbach zu schließen, nach derzeitiger Planung im Laufe des Jahres 2023“, berichtet Schlegel. Die Mitarbeitenden der Filiale werden nach Auskunft des Sprechers nicht entlassen. Die durch die Schließung der Filiale entfallenden Stellen würden sozialverträglich im Rahmen bestehender betrieblicher Vereinbarungen abgebaut.

Die Entscheidung zur Filial-Schließung sei unabhängig von der Zukunft der Immobilie getroffen worden, in der die Postbank Mieter sei. „Deshalb kann ich derzeit auch den Termin der Schließung nicht weiter eingrenzen. Ganz wichtig ist: Das Angebot an Post- und Paketdienstleistungen bleibt auch in Zukunft bestehen und wird durch unseren Kooperationspartner Deutsche Post sichergestellt“, betont der Postbank-Sprecher.

Wenn die Postbank eine Filiale schließe, suche die Deutsche Post einen Partner, der das Angebot an Post-Dienstleistungen übernehme. In aller Regel handele es sich dabei um ein Geschäft des Einzelhandels in der näheren Umgebung des bisherigen Filialstandortes. „Um einen reibungslosen Übergang für unsere Kundinnen und Kunden zu gewährleisten, werden wir unsere Filiale dort erst schließen, wenn dieser Partner gefunden ist“, sagt Schlegel.

Die Postbank schließe eine Filiale nur dann, wenn sie sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben lasse. Dabei komme es vor allem auf die Art der Leistungen an, die von den Kundinnen und Kunden in der Filiale nachgefragt würden, nicht auf die Anzahl der Besucher. „Für uns muss das Verhältnis zwischen reinen Serviceleistungen wie Postdienstleistungen, Bargeldauszahlung und wertschaffendem Neugeschäft – zum Beispiel durch Abschlüsse und Nutzung von Bankprodukten wie Ratenkrediten, Wertpapieren oder Versicherungen – stimmen“, sagt Schlegel. Durch die fortschreitende Veränderung des Kundenverhaltens benötige eine Filiale das entsprechende Kundenpotenzial, um dieses Verhältnis dauerhaft ausgewogen und damit wirtschaftlich zu gestalten. „Filialen, die dieses Potenzial nicht haben, schließen wir deshalb. Nur durch eine stetige Anpassung unseres Filialnetzes können wir langfristig als Unternehmen wirtschaftlich arbeiten.“

Kundinnen und Kunden würden rechtzeitig informiert, sobald der genaue Schließungstermin feststehe - per Aushang und persönlichem Anschreiben über die Schließung, die nächstgelegene Filiale der Postbank, die neue Partnerfiliale der Deutschen Post und die nächstgelegenen Möglichkeiten zur kostenfreien Bargeldversorgung. „Ergänzend dazu veröffentlichen wir eine Medieninformation, die diese Angaben ebenfalls enthält und die Sie dann ebenfalls erhalten werden“, so Schlegel. Wer sich heute schon über mögliche Alternativen informieren möchte, finde www.postbank.de/filialen eine interaktive Karte, auf der man sich den Weg zur nächsten Filiale zeigen lassen könne. In gleicher Weise könne man sich unter www.postbank.de/geldautomaten den Weg zum nächsten Geldautomaten oder zum nächsten Einzelhändler, der das beliebte Cashback-Verfahren anbietet, anzeigen lassen.

„Eigentümer entscheidet“

Zusätzlich zu den Angeboten der Postbank gibt es im Eingang des mehrstöckigen Gebäudes in der Poststraße in Korbach auch noch eine Packstation und Briefkästen, die von der Post betrieben werden. Post-Sprecher Thomas Kutsch weist darauf hin, dass letztlich der Eigentümer der Immobilie entscheide, ob er die Angebote der Post weiter auf seinem Grundstück haben wolle.

Thomas Kutsch
Thomas Kutsch, Post-Pressesprecher  © Andreas Fischer

„Hier gibt es noch keine Entscheidung. Falls wir den vorhandenen Service aufgeben müssen, werden wir ihn aber an anderer Stelle wieder aufbauen.“

Den größten Platz auf dem Areal nimmt aktuell das Post-Verteilzentrum ein. Das soll laut Kutsch in Korbach bleiben. „Wo der neue Standort sein wird, können wir derzeit allerdings noch nicht sagen. Nur so viel: Wir befinden uns diesbezüglich in guten Gesprächen mit der Stadt Korbach.“

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