Von 156.000 Euro auf 1,356 Millionen Euro

Rathaus-Neubau in Korbach: Architekturbüro verkalkuliert sich bei Zimmererarbeiten - Kosten um 768 Prozent gestiegen

Soll insgesamt 24,5 Millionen Euro kosten: Der Neubau des Korbacher Rathauses wird teurer als ursprünglich kalkuliert. Insbesondere die Zimmererkosten sind deutlich angestiegen.
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Soll insgesamt 24,5 Millionen Euro kosten: Der Neubau des Korbacher Rathauses wird teurer als ursprünglich kalkuliert. Insbesondere die Zimmererkosten sind deutlich angestiegen.

Diese Zahl müssen die Korbacher Stadtverordneten erst einmal verdauen: Um nur schwer vorstellbare 768 Prozent liegt das Ausschreibungsergebnis der Zimmererarbeiten über der Kostenberechnung für den Rathaus-Neubau aus dem Jahr 2018.

Korbach - Statt der ursprünglich berechneten rund 156.000 Euro muss die Stadt nun 1,356 Millionen Euro zahlen. Die Begründung verblüfft die Kommunalpolitiker: „Da haben wir uns verkalkuliert“, gibt Architekt Marc Matzken von der Arbeitsgemeinschaft AGN/Heimspielarchitekten zu.

Die gute Nachricht zuerst: An den zuletzt berechneten Gesamtkosten von 24,5 Millionen Euro für den Rathausneubau wird sich wohl nicht mehr viel ändern: Alle größeren Gewerke sind bereits ausgeschrieben und vergeben. Die Kosten für das Großprojekt in der Altstadt mussten mehrfach nach oben korrigiert werden. Nach dem Architektenwettbewerb gab es erstmals im November 2017 eine überschlägige Kostenschätzung, die bei rund 18,115 Millionen Euro brutto lag.

Rathaus-Neubau in Korbach: Gesamtkosten steigen um 20 Prozent

Eine Kostenberechnung mit valideren Zahlen lag im Oktober 2018 vor: Damals wurden Kosten von 20,6 Millionen Euro annäherungsweise ermittelt. Ende Mai lag das Projekt bei den besagten 24,5 Millionen Euro – und damit rund 20 Prozent über der Kostenberechnung aus dem Jahr 2018. Zieht man, wie Matzken es im Ausschuss tat, die durch den Markt verursachte Kostensteigerung von 14,4 Prozent in diesem Zeitraum ab, bleibt eine bereinigte Zahl von 5,86 Prozent.

Wie sich die Kostensteigerung im Detail zusammensetzt, erläuterte der Architekt am Mittwoch im Haupt- und Finanzausschuss. Den höchsten Anteil daran haben die Zimmererarbeiten. Nur Teile der Mehrkosten von 1,2 Millionen Euro ließen sich unter anderem durch gestiegene Marktpreise erklären, so Matzken: „Aber da haben wir die eine oder andere Stelle in der Ausschreibung nicht ausreichend berücksichtigt.“ Klarerer Worte fand Bauamtsleiter Stefan Bublak: „Die Kostenberechnung war dilettantisch.“

Der Magistrat hatte daraufhin beschlossen, die erste Ausschreibung aufzuheben, in der Hoffnung, bei einer Neuausschreibung ein günstigeres Ergebnis zu erzielen. Bublak: „Das ist komplett in die Hose gegangen.“ Ein einziges Angebot sei eingegangen, das Ergebnis habe 300.000 Euro über der ersten Ausschreibung gelegen. Die durch die Neuausschreibung verursachte Verzögerung um acht Wochen habe allein Kosten von 35.000 Euro pro Monat für die Baustelleneinrichtung verursacht. Einsparung durch bauliche Veränderungen seien aufgrund der Anforderungen an die Statik nicht möglich gewesen, antwortete Bublak auf die Frage von CDU-Fraktionschef Jannick Göbel, ob die zweite Ausschreibung überarbeitet worden sei. Weitergehende Umplanungen hätten Zeit und Geld gekostet.

Mehr Fundamente unter dem abgerissenen Korbacher Rathaus als erwartet

Um rund 52 Prozent auf 1,45 Millionen Euro sind die Kosten für den Abbruch und Rückbau des alten Rathauses gestiegen. Gründe dafür waren laut Marc Matzken unter anderem das aufwendige Urban-Mining-Konzept, bei dem Abbruchmaterial aus dem Altbau im Neubau recycelt werden sowie eine Massenmehrung: Im Boden waren mehr Fundamente vorgefunden worden, als sie die 50 Jahre alten Pläne verzeichnet hatten.

Um 17 Prozent wurden Rohbau und Fassade teurer. Die Kosten stiegen von 4,18 auf 4,9 Millionen Euro. Hauptursache sei auch hier das Urban-Mining-Konzept, so Matzken: Die spezialisierten Arbeiten hätten nur von wenigen Firmen durchgeführt werden können. Entsprechend wenige Angebote seien eingegangen, was zu höheren Preisen geführt habe. Schließlich kosten Heizung, Lüftung, Sanitäranlagen und Elektrik mit insgesamt fünf Millionen Euro rund 17 Prozent mehr, als ursprünglich veranschlagt. Auf der anderen Seite habe es aber auch Einsparungen gegeben, so der Architekt. Beispielsweise würden weniger Flächen als geplant verputzt.

Fotos: Rathaus-Neubau in Korbach

Rathaus-Baustelle in Korbach.
Rathaus-Baustelle in Korbach. © Lutz Benseler
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Rathaus-Baustelle in Korbach.
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Rathaus-Baustelle in Korbach.
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Rathaus-Baustelle in Korbach.
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Rathaus-Baustelle in Korbach.
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Rathaus-Baustelle in Korbach.
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Rathaus-Baustelle in Korbach.
Rathaus-Baustelle in Korbach. © Lutz Benseler
Rathaus-Baustelle in Korbach.
Rathaus-Baustelle in Korbach. © Lutz Benseler
Rathaus-Baustelle in Korbach.
Rathaus-Baustelle in Korbach. © Lutz Benseler
Rathaus-Baustelle in Korbach.
Rathaus-Baustelle in Korbach. © Lutz Benseler
Rathaus-Baustelle in Korbach.
Rathaus-Baustelle in Korbach. © Lutz Benseler
Rathaus-Baustelle in Korbach.
Rathaus-Baustelle in Korbach. © Lutz Benseler
Rathaus-Baustelle in Korbach.
Rathaus-Baustelle in Korbach. © Lutz Benseler
Rathaus-Baustelle in Korbach.
Rathaus-Baustelle in Korbach. © Lutz Benseler
Rathaus-Baustelle in Korbach.
Rathaus-Baustelle in Korbach. © Lutz Benseler
Rathaus-Baustelle in Korbach.
Rathaus-Baustelle in Korbach. © Lutz Benseler
Rathaus-Baustelle in Korbach.
Rathaus-Baustelle in Korbach. © Lutz Benseler
Rathaus-Baustelle in Korbach.
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Rathaus-Baustelle in Korbach.
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Rathaus-Baustelle in Korbach.
Rathaus-Baustelle in Korbach. © Lutz Benseler
Rathaus-Baustelle in Korbach.
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Rathaus-Baustelle in Korbach.
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