Gut 200 Gäste

Satiriker Florian Schroeder teilt auf der Korbacher Freilichtbühne aus

Einen neuen Messias konnte Florian Schroeder nicht liefern, bot den rund 200 Gästen bei der Veranstaltung des vhs-Kulturforums auf der Freilichtbühen Korbach aber einen unterhaltsamen Abend.
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Einen neuen Messias konnte Florian Schroeder nicht liefern, bot den rund 200 Gästen bei der Veranstaltung des vhs-Kulturforums aber einen unterhaltsamen Abend.

Laschet, das linksgrüne Milieu am Prenzlauer Berg, Influencer und manchmal das Publikum: Vor Florian Schroeder war bei seinem Auftritt in Korbach keiner sicher.

Korbach – „Ich werde ständig unterbrochen durch Lachen und Klatschen, ich bin das gar nicht mehr gewöhnt“, berichtet Florian Schroeder dem Publikum an der Freilichtbühne über seine Auftritte mit dem Programm „Neustart“ nach Monaten der bloßen Online-Präsenz. Doch auch die Zuschauer in Korbach lassen ihn nicht ausreden: Satire, Parodien und Schimpftiraden unterhalten bestens, auch wenn wenige langwierige Momente das Programm ausbremsen.

Begeistert reagiert das Publikum auf Polit-Satire. Er nimmt sich Armin Laschet als möglichen Nachfolger Angela Merkels vor: „Gegen seine himmelschreiende Ambitionslosigkeit wirkt sie wie ein Duracel-Häschen auf Speed.“ Und: „Unter einem Bundeskanzler Laschet sollen kriminelle Clans in den nächsten vier Jahren keine ruhige Minute mehr haben – das wird eine schwierige Zeit für die CSU.“

Mit der „linksgrünen“ Lebenswelt setzt er sich lieber anhand seiner Erfahrungen aus dem Prenzlauer Berg auseinander: Da gebe es Familien, die im Lastenfahrrad als „Öko-SUV“ wie die Sau fahren, aber immerhin ihre Kleinen jede Sekunde der siebenminütigen Fahrt zum Edeka im Blick haben; Kindergarten-Eltern, denen ein „schwuler cis-Mann“ zu privilegiert für die Neueinstellung ist und die lieber auf eine „schwarze, diverse, nicht binäre Person of Color“ warten; und einen ganz eigenen Schlag von Impfgegnern: Warum Impf-Dosen und keine Pfandflaschen? Und regional sind die Vakzine auch nicht.

Was ist „woke“? Für Florian Schroeder eine Vorlage.

Am unterhaltsamsten wird Florian Schroeder, wenn er schimpft und immer etwas findet, das ihn noch mehr aus der Haut fahren lässt – die sozialen Medien geben ihm reichlich Anlass dazu: Auf Youtube gäben Ewig-Pubertierende so banale Ratschläge, dass „Platt“-form eine neue Bedeutung bekomme. Und Instagram sei das Ende der Frauenbewegung, wo Frauen mit aufgespritzten Lippen und gemachten Brüsten sich mit Gucci-Taschen präsentieren. „Influenza ist die Grippe, aber Influencer sind die Pest“, sagt Schroeder.

Nach der Pause intensiviert Florian Schroeder die Botschaften. Mit dem Publikum spielt er „Ist das ein Messias oder kann das weg?“ und lässt über Prominente abstimmen. Greta Thunberg scheint zu polarisieren, Donald Trump verteidigt er: „Niemand hat so viele Arbeitsplätze für Satiriker geschaffen wie er.“ Zuletzt kommt er zu widersprüchlichen Figuren wie dem großen Denker und Rassisten Immanuel Kant – mit Ambivalenz könnten die Menschen nicht mehr umgehen.

In einer seiner Schimpftiraden moniert er, dass das Dasein als Komiker ihn raus in die Diaspora führe, nach Korbach – wird aber schnell versöhnlich: Immerhin wisse dort niemand, was ein Lastenfahrrad ist. Spät im Programm wagt Schroeder ein Experiment: Er verkündet sein Karriereende und seine Kanzler-Kandidatur. „Radikale Ehrlichkeit“ und populäre Vorschläge würden ihn an die Macht bringen – Schritt für Schritt werden seine Projekte weniger beliebt, erst setzt er sie mit dem Brecheisen durch, am Ende schaltet er alle Opposition aus. Das Publikum hat lange Zeit einzusehen, dass das alles nicht so gut ist, aber die Nummer zieht sich.

Umso lockerer der Abschluss: Parodien von Markus Lanz, Markus Söder, Robert Habeck und besonders Karl Lauterbach schicken das Publikum mit Lachern in den Abend, es klatscht Florian Schroeder für eine Zugabe heraus und wird mit einer Parodie-Jukebox belohnt.

Eingeladen hatte das vhs-Kulturforum. Bereits im Vorfeld hatte Florian Schroeder einen Einblick gegeben, wie die Pandemie ihn verändert hat. (wf)

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