Nicht nur die A-Junioren bereiten im Fußballkreis Waldeck Sorgen

Schmolt: Weniger Wettbewerb im Kinderfußball, dafür Funino endlich auf den Weg bringen

Das Bild zeigt den Trainingsauftakt bei der JSG Friedrichstein.
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Andere Spielform soll mehr Spaß bringen: Für die jüngsten Vereinsfußballer soll nun endlich die Funino-Zeit beginnen, das bedeutet, nie wieder gelangweilt auf dem Platz Herumstehen oder auf der Ersatzbank versauern. Das Bild zeigt den Trainingsauftakt bei der JSG Friedrichstein.

Noch ruht der Jugendfußball und er wird nach der langen Corona-Pause auch erst später wieder in den Ligen auftauchen als der Seniorenfußball.

Korbach – Nach den Sommerferien am ersten September-Wochenende geht das Spiel um Punkte wieder los. Das teilte Joachim Schmolt, Jugendwart des Fußballkreises Waldeck, auf Anfrage mit. Und er überrascht mit dieser Aussage: „Mir wäre es am liebsten, wenn der Wettbewerb gar nicht mehr zurück kommen würde – zumindest nicht für die jüngsten Kicker, den Bambinis, den F- und E-Jugendspielern.“

Der Grund für dieses fundamentale Umdenken: Funino. Diese Spielform ist in vielen Varianten spielbar, aber für die Jüngeren sollte sie auf einem 20 x 25 Meter großen Feld stattfinden, auf dem drei gegen drei auf vier ‘Tore gespielt wird, in denen kein Torwart steht. Eine wichtige Regel ist die Rotationspflicht. Sie besagt, dass bei einem Torerfolg beide Mannschaften auswechseln müssen. So bleibt kein Spieler mehr auf der Ersatzbank sitzen.

Funino wird Spiel auf Kleinfeld ersetzen

Funino werde in diesen Altersklassen in wenigen Jahren das Ligaspiel auf dem Kleinfeld ersetzen, sagt Schmolt. Erste Funino-Turniere waren 2019 schon gespielt, dann kam Corona... Der Hessische Fußballverband (HFV) werde im Spätsommer drei Turniere veranstalten und er möchte alle Kreisjugendwarte dazu verpflichten, dass sie wenigstes zwei Turniere im ersten und zwei im zweiten Halbjahr veranstalten, verkündet Schmolt

Funino ist allerdings noch nicht der Freund aller Trainer. „Das Spielerlebnis ist wichtiger als das Spielergebnis. Diesen Satz müssen wir noch in die Köpfe aller Übungsleiter hineinbekommen. Wenn wir nicht noch mehr Spieler verlieren wollen, müssen wir ihnen den Druck nehmen.“. Übungsleiter können künftig beim HFV auch ein Kindertrainer-Zertifikat erwerben.

Trainer agiert mehr als Betreuer

Der Trainer fungiert bei Funino mehr als Betreuer. Kein Spieler erhält mehr einen Befehl vom Trainer, sondern jeder Kicker entscheidet selbst wie er auf dem Spielfeld agiert. „Man sieht förmlich, wie die Kinder dadurch im Kopf freier werden.“ Schmolt erinnert sich an eine Umfrage nach einem Turnier. Die Kinder wurden gefragt, wer ein Tor geschossen habe. „Da sind alle Hände nach oben gegangen.“

Studien der Sporthochschule Köln zeigten, dass in Sachen mehr Bewegung, mehr Dribblings, mehr Torschüsse und Pässe bei Funino die Zahlen viel höher lägen als beim Kleinfeldspiel. „Der Ansturm auf dieses System wird kommen, das bin ich mir sicher“, meint Schmolt.

Joachim Schmolt, Jugendwart des Fußballkreises Waldeck

Auch die Aurüstung für Funino ist schnell bei der Hand. Kein Turnierveranstalter muss 32 kleine Tore besitzen. „Die Tore sind klappbar und jede Mannschaft sollte zwei Tore zu einem Turnier mitbringen.“ Das Spielfeld werden mit Hütchen oder Markierungsteller begrenzt. Abstreuen ist nicht notwendig.

In Waldeck starten die Bambini und F-Jugendlichen im September mit einer wettbewerbsorientierte Feldserie. Schmolt bietet aber an, wenn die Vereine nach der Rückrunde sagen, sie möchten nur noch Funino-Turniere spielen, dann könnte der Spielbetrieb auch noch umgestellt werden. Der Verband plant, dass Funino für die Bambinis ab der Saison 2022/23 zur Pflicht wird, ein Jahr später gilt das für die F-Jugend. „Die E-Jugend wird in vier, fünf Jahren nachrücken“, sagt Schmolt. In einigen Bundesländern liefen auch Pilotprojekte mit Funino in der D- und C-Jugend.

Auch wenn erst am 15. Juli Meldeschluss für die Vereine ist, macht sich Schmolt Sorgen, dass wegen Corona einige Mannschaften verloren gehen. Vor allem die A-Jugend müsse besser geschützt werden. „Das Hochmelden in die Seniorenmannschaft auch schon als jüngerer Jahrgang müssen wir mehr unterbinden.“ In manchen Vereinen diene die A-Jugend nur als Futterlieferant und nicht dazu, Jugendliche fußballerisch zu fördern.  (rsm)

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