Fachberatung aufgestockt

Stadt Korbach stellt die Kindergartensozialarbeit neu auf: Neue „Lotsen“ für Eltern und Kitas

Unterstützung für die Korbacher Kindergärten: (von links) Dorothee Schäfer, Sozial- und Kulturamtsleiterin Ute Jennemann und Julia Rothmaier.
+
Unterstützung für die Korbacher Kindergärten: (von links) Dorothee Schäfer, Sozial- und Kulturamtsleiterin Ute Jennemann und Julia Rothmaier.

Zehn Jahre nach ihrer Einführung stellt die Stadt Korbach die Kindergartensozialarbeit in den nächsten Monaten auf neue Beine. Für die Eltern bedeutet das: Die Kita-Leitungen sind künftig ihre ersten Ansprechpartner bei Problemen. Gleichzeitig wird die pädagogische Fachberatung für die Einrichtungen auf 1,5 Stellen aufgestockt.

Korbach – Immer mehr Alleinerziehende ohne Familienbindung, Armut bei Kindern, Sprachbarrieren in den Familien, Arbeitslosigkeit, Alkoholprobleme, Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern. Viele Mädchen und Jungen kennen nicht mal ein regelmäßiges Frühstück zu Hause. Das waren die Gründe, warum 2009 die Stadtverordnetenversammlung auf Antrag der SPD beschlossen hatte, eine Stelle für die Sozialarbeit an den Korbacher Kindergärten auszuschreiben – als freiwillige Leistung der Stadt. Den Job übernahm im Mai 2011 die Erzieherin und Diplom-Soziologin Karin Hentschel, die nun im Herbst in Altersteilzeit gehen wird.

Die Aufgaben der Korbacher Kindergärten haben sich unterdessen in den vergangenen zehn Jahren verändert: Integrationskinder mit einem besonderen pädagogischen Förderbedarf werden mittlerweile in allen Einrichtungen aufgenommen. Massiv ausgebaut wurde das Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren. Und wenn die Kindergärten am Kreishaus und auf dem Gelände der Halle Waldeck fertiggestellt sind, wird die Kreisstadt über 17 Einrichtungen verfügen – so viel wie nie zuvor. Eine Novellierung des Hessischen Kinder- und Jugendhilfegesetzbuches ist ein weiterer Anlass, warum die Stadt die Kindergartensozialarbeit und die Fachberatung neu organisieren will.

Zwei Neueinstellungen sollen die veränderten Aufgaben übernehmen: Julia Rothmaier, die derzeit an ihrem Master-Abschluss in Kindheitspädagogik arbeitet, tritt ihre Teilzeitstelle bei der Stadt parallel zum Studium bereits am 1. Oktober an. Dorothee Schäfer stößt am 1. Januar 2022 hinzu. Schäfer leitet seit 14 Jahren einen Kindergarten in Fritzlar, zuvor war sie elf Jahre in der Leitung des Usselner Kindergartens tätig.

Eine zentrale Kindergartensozialarbeiterin für alle Korbacher Kindergärten wird es künftig nicht mehr geben. „Die Kindergartensozialarbeit wird auf anderer organisatorischer Ebene weitergeführt“, erklärt Ute Jennemann, Leiterin des Sozial- und Kulturamtes der Stadt. „Die Einrichtungsleitungen werden künftig als Lotsen für die Eltern fungieren und ihnen Hilfe vermitteln.“

Hintergrund ist, dass das Hessische Kinder- und Jugendhilfegesetzbuch neuerdings einen festen Zeitanteil für die Leitung einer Kita in Höhe von 20 Prozent festschreibt. Die Leitung ist dann in diesem Umfang vom Gruppendienst freigestellt. Damit erhöht sich aber auch der vorgeschriebene Mindestpersonalbedarf der Kita.

Die beiden Fachberaterinnen wiederum sollen laut Jennemann als Lotsen für die Leitungskräfte fungieren und die Einrichtungen in pädagogischen Fragen unterstützen. Ihre Aufgabe soll es sein, die fachlichen Standards in den Einrichtungen weiterzuentwickeln. „Wir werden in den Einrichtungen hospitieren, die Arbeit beobachten und mit den Teams neue Methoden entwickeln“, erklärt Dorothee Schäfer. Unter anderem sind jeweils vier feste Termine mit jedem Team der künftig 17 Kitas im Jahr geplant.

Darüber hinaus unterstützen sie die Leitungen in schwierigen Situationen – etwa bei Konflikten mit Eltern oder in der Arbeit mit auffälligen Kindern. Weitere Aufgabe ist die Vernetzung mit Institutionen wie dem Jugendamt, dem Sozialamt oder dem Arbeitskreis „Frühe Hilfen.“

Von einer weiteren Professionalisierung der Arbeit in den Korbacher Kindergärten spricht Bürgermeister Klaus Friedrich: „Der hohe Anspruch an unsere Einrichtungen ist auch ein Wettbewerbsvorteil für die Stadt Korbach“, so das Stadtoberhaupt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.