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Korbacher Stadtmauer wird Stück für Stück erneuert

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Von: Wilhelm Figge

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Im Schießhagen mussten 20 Meter der Korbacher Stadtmauer abgerissen und neu zusammengesetzt werden.
Im Schießhagen mussten 20 Meter der Korbacher Stadtmauer abgerissen und neu zusammengesetzt werden. © pr

Schritt für Schritt erneuert die Stadt Korbach ihre Stadtmauer. Ein größeres Problem wurde rechtzeitig erkannt.

Korbach – Ein doppelter Stadtmauerring, auf gut der Hälfte seiner Länge erhalten: Korbach verfüge über eine Rarität, erklärt Arno Wiegand, der in der Korbacher Verwaltung ein Auge darauf hat, wo sie in Ordnung gehalten werden muss. Die Stadt lege da großen Wert drauf, und auch die Korbacher sprächen Arbeiter oft an und lobten, dass sich jemand kümmere. Die Hansestadt geht dabei Schritt für Schritt vor: 50.000 Euro stehen jedes Jahr zur Verfügung, um jeweils einen Abschnitt zu sanieren.

Auch wenn Bewuchs an der Mauer hübsch aussehen könne: „Er ist die größte Bedrohung.“ Die Wurzeln von Bäumen, aber auch von kleineren Gewächsen leiten Feuchtigkeit in die Mauer, bei Frost kann diese dann Stein und Mörtel sprengen. Der Zeitraum für die Arbeiten an den Pflanzen ist auf die Monate von Oktober bis Februar beschränkt, um nistende Tiere zu schützen. Zuletzt war die Mauer im Bereich Schießhagen und Violinenstraße an der Reihe, bevor es an das Ende des Nordwalls zum Westwall hin ging.

Der Korbacher Stadtmauer setzten in sie eindringende Pflanzen zu.
Der Korbacher Stadtmauer setzten in sie eindringende Pflanzen zu (oben links), nahe der Gerichtslinde sah der Wall bessere Zeiten. © pr

Gut 20 Prozent eines Mauerstücks werden dabei ersetzt. Der Mörtel, dessen Zusammensetzung mit dem Denkmalschutz abgestimmt wird, macht den Großteil aus, die Steine werden für gewöhnlich wieder eingebaut. Nicht immer ist es möglich, sie exakt wieder einzusetzen, gerade bei schweren Fällen.

So geschehen im Januar: Eine Linde drückte die Mauer am Westwall Richtung Schießhagen, nur ein Zaun verhinderte den „Mauerfall“, erklärt Arno Wiegand: „Dichter Efeu-Bewuchs verhinderte, dass man da was sah. Bei der Entfernung haben wir erkannt, dass Gefahr in Verzug war.“ 20 Meter Mauer wurden abgerissen, die Wurzel hinausgefräst und der Wall neu zusammengesetzt. Das kostete schon die Hälfte der Mittel für das Jahr.

Stadtmauer Korbach am Westwall
Das Stück am Westwall wurde wieder aufgebaut, die Patina muss sich och entwickeln. © Wilhelm Figge

Das Innere der Stadtmauer ist mit Schutt gefüllt: Der sollte früher den Einschlag von Kanonenkugeln abfedern. Bei der Sanierung wird er normalerweise belassen, erschwert durch mögliches Nachrutschen aber die Arbeit. Beim neu gemauerten Abschnitt musste das Innere mit Beton verfüllt werden.

Um die Entfernung der Pflanzen kümmern sich die städtischen Gärtner. Fachfirmen für die Reparatur der Mauer zu finden, sei derweil nicht einfach, erklärt Wiegand: Nur wenige Maurer seien dafür ausgebildet, da die Nachfrage überschaubar sei. Keine Probleme gebe es hingegen mit den Anwohnern, deren Grundstücke oder Häuser die Stadtmauer einrahmt: Die Kosten trage die Stadt. Gelegentlich müsse bloß mal eine private Improvisation entfernt werden, etwa Bauschaum: „Das sind so Sünden der Siebziger“, sagt Wiegand.

Der jüngste Bereich im Schießhagen war gewählt worden, um vor den Arbeiten für das Projekt „Stadtgrün“ fertig zu werden. Weiter gehen soll es am Südwall. Mit insgesamt 2,1 Kilometern Stadtmauer sei die Runde durch die Stadt aber noch lang. (wf)

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