Richter: „Mit Beilstiel geschlagen“

Streit in Treppenhaus in Korbach: Landgericht verurteilt 71 Jahre alten Mann zu Bewährungsstrafe

Bei einem Prozess vor dem Landgericht in Kassel wurde ein Mann aus Waldeck-Frankenberg zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt.
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Bei einem Prozess vor dem Landgericht in Kassel wurde ein Mann aus Waldeck-Frankenberg zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt.

Ein 71 Jahre alter Mann aus Waldeck-Frankenberg wurde vom Landgericht Kassel wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. 

Korbach/Kassel – „So, wie es in der Anklage steht, kann es nicht gewesen sein“, sagte der Vorsitzende Richter der 10. Strafkammer, Christian Geisler, bei der Urteilsverkündung. Er berief sich dabei auf das Ergebnis der umfangreichen Beweisaufnahme. Bei einem Streit im Treppenhaus eines Hauses in Korbach habe sich „eine gewisse Aggressivität“ aufgebaut. Der Angeklagte habe mit dem Beilstiel geschlagen und nicht mit der Faust. Er habe nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Stiel des Werkzeugs zugeschlagen, erklärte der Richter: „Es war kein besonders fester Schlag.“ Geisler weiter: „Wir kommen nicht zu einem versuchten Tötungsdelikt.“ Die Verletzungsfolgen seien „nicht ganz so gravierend“ gewesen. Nachdem der Beschuldigte nun über ein Jahr im Gefängnis gesessen habe, habe das Gericht den Haftbefehl aufgehoben.

Der 71-Jährige hatte in seinem „letzten Wort“ zugegeben, „einen Schlag gemacht“ zu haben, allerdings mit der Faust, „das ist die Wahrheit.“ „Lüge, Lüge. Lüge, jeder lügt“, so kommentierte er Zeugenaussagen, die ihn belasteten. Am letzten Verhandlungstag hatte ein Mitbewohner ausgesagt: „Er hat das ganze Haus terrorisiert.“ Während der Beweisaufnahme gab es von einem Zeugen Kritik an der Polizei: Die sei nach dem Vorfall und der Alarmierung des Rettungsdienstes viel zu spät eingetroffen.

Urteil des Landgerichts: „Keine Hinweise auf eine organische Persönlichkeitsstörung“

Ein Professor der Rechtsmedizin der Universität Gießen erklärte zur Tat, „richtig heftige Gewalt war nicht hinter dem Schlag.“ Es gebe keine Hinweise auf eine organische Persönlichkeitsstörung und auch keine Hinweise auf eine Alkohol-Abhängigkeit, sagte eine psychiatrische Sachverständige. Der Beschuldigte habe die Untersuchung seines Schädels abgelehnt. Er sei rechthaberisch und reagiere ungehalten. Sie sprach von einer „erheblichen Minderung der Steuerungsfähigkeit“. Er habe während der Untersuchung mit einem Hungerstreik gedroht, damit er an der Schulter operiert werde.

Die Anklage habe sich nur teilweise bestätigt. Das erklärte die Staatsanwältin während ihres Schlussvortrages. Sie beantragte ein Jahr und sechs Monate ohne Bewährung. Der Geschädigte sei mit dem Holzstab einer Axt geschlagen worden, so die Staatsanwältin. Es sei nicht nachzuweisen, „dass er den Mann töten wollte“. Er habe sich allerdings der gefährlichen Körperverletzung und Bedrohung schuldig gemacht. Laut Gutachten sei von eine verminderten Schuldfähigkeit auszugehen.

Urteil des Landgericht: Verteidiger fordert Aufhebung des Haftbefehls

Der Beschuldigte zeige kein Rechtsbewusstsein, meinte die Anklage-Vertreterin, da eine frühere Bewährungsstrafe keine nachhaltige Wirkung gezeigt habe. Deshalb sei die Fortdauer des Haftbefehls nötig. Eine der Tat und Schuld „angemessene Strafe“ auf Bewährung und das Aufheben des Haftbefehls beantragte der Verteidiger. Die U-Haft sei für seinen Mandanten „eine deutliche Lehre“. Die Anklage habe sich nicht bestätigt, sagte der Anwalt. Sein Mandant habe für Gartenarbeiten Äxte schärfen wollen. Er sei beleidigt worden und habe eingeräumt, einen Zeugen mit der Faust geschlagen zu haben. Der Zeuge wisse nicht, womit er geschlagen worden sei und habe „keine schlimmen Verletzungen davongetragen“.

Die Feststellung der Anklage, der Axtkopf sei weggeflogen, sei durch die Beweisaufnahme widerlegt worden. Ein Sachverständiger habe erklärt, dass von seinem Mandanten keine Gefahr ausgehe. „Es war kein vorsätzlicher Totschlag und keine Bedrohung“, so der Verteidiger. Sein Mandant sei „gut sozialisiert“, und er werde bei seiner Schwester leben. Sie hatte mit weiteren Verwandten den Prozess verfolgt. (Manfred Schaake)

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