1. Startseite
  2. Lokales
  3. Frankenberg / Waldeck
  4. Korbach

Theatergruppe „Die Wolken“ aus München führt bei Theaterwoche in Korbach Stück „Drei Schwestern“  auf

Erstellt:

Kommentare

 Die Freie Performance-Theatergruppe „Die Wolken“ aus München präsentierte auf der Bühne der Korbacher Stadthalle das Stück „Drei Schwestern“ von Anton Tschechow.
Keine einfache Kost: Die Freie Performance-Theatergruppe „Die Wolken“ aus München präsentierte auf der Bühne der Korbacher Stadthalle das Stück „Drei Schwestern“ von Anton Tschechow. © Marise Moniac

„Wozu lebt der Mensch, wenn feststeht, dass er auch in 1000 Jahren noch seufzen und den Tod fürchten wird?“ Mit solch großer Frage hat sich die Freie Performance-Theatergruppe „Die Wolken“ aus München bei der Theaterwoche in Korbach beschäftigt.

Korbach – Den Rahmen ihrer Arbeit, die die zehn jungen Schauspieler in der Korbacher Stadthalle präsentierten, bildete das Drama „Drei Schwestern“ von Anton Tschechow, das 1901 in Moskau uraufgeführt wurde, allerdings nicht, wie vom Autor beabsichtigt, als Komödie, sondern mit einer großen Portion Tragik. Heiter ist auch die Version der Münchner Gruppe nur in ganz wenigen Momenten.

Nach Tschechows Vorlage gibt es die drei Schwestern Irina, Mascha und Olga und ihren Bruder Andrej, die damit hadern, in der Provinz leben zu müssen. Ihr Sehnsuchtsort ist das ferne Moskau – damit verbinden sie Glück, Erfüllung, Leben, kurz gesagt: das Menschsein. „Man wird uns vergessen“, stellen sie fest, aber auch: „Man muss leben.“ Doch gerade das gelingt keinem der Geschwister. Sie sind Marionetten, unfähig zum selbstständigen Handeln, selbst in ihren Emotionen und in der Liebe. Die Zeit verrinnt, die Figuren bewegen sich wie in Trance, fast ist es, als schwebten sie. Nicht einmal die bunten Gerberas, scheinbar zum Greifen nah, lassen sich festhalten.

Theaterwoche: Frohe Momente sind rar

„Ich würde gerne in Moskau in einem Wirtshaus Pfannkuchen essen“, sagt Irina, „hier kennt dich jeder, und du fühlst dich fremd und einsam.“ Bitter ist das, doch der zunehmenden Verzweiflung folgt nichts; alles und alle sind wie erstorben. „Ein Feuer brennt in dir so heiß“, singen die Darsteller im Hintergrund – sie erinnern an rudernde Galeerensträflinge, die ihr hartes Dasein nur mit rhythmischem Gesang ertragen können.

Schwestern und Bruder leben weiter, sie arbeiten, sie heiraten, doch nichts lässt auf die wirkliche Erfüllung ihrer Träume hoffen. „Wenn man das Leben von neuem anfangen könnte, würde man sich bemühen, es nicht zu wiederholen“, sagt Mascha– es bleibt eine Aussage im Konjunktiv. Die frohen Momente sind rar, selbst wenn eigentlich klar ist, dass es auch andere Arten zu leben gibt. „Mens sana in corpore sano“, skandieren die Geschwister. Bewegung ist alles, denn man will ja schließlich in Form bleiben. Und doch bleiben sie Holzpuppen, dulden die Führung durch die Gesellschaft.

Luftig leicht kommt sie also nicht daher, die Geschichte dieser Figuren aus dem fast noch 19. Jahrhundert. Anders die Mitglieder von „Die Wolken“, die engagiert und konzentriert über die Bühne steppen und rappen und hin und wieder einen Anflug von (schwarzem) Humor aufblitzen lassen, etwa wenn die multifunktionalen Kisten zum Teil an Särge erinnern oder eine Frau schon zum sechsten Mal Rattengift zu sich genommen hat, was ihren Mann allmählich resignieren lässt. „Man hat meine Seele zugeschlossen und den Schlüssel verloren“, lautet die schwermütige Quintessenz. Keine einfache Kost, dieser Stoff, der mit großem Ernst vorgetragen und mit wunderbar melancholischer Klaviermusik von Chopin untermalt wurde. (Marise Moniac)

Auch interessant

Kommentare