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Theaterwoche in Korbach: Theatergruppe aus Neuss begeistert mit „Hypno-Dystopie“

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Von: Silvia Ruland

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Die Theatergruppe Poco*Mania des Marie-Curie-Gymnasiums Neuss hat bei der Theaterwoche in Korbach eine „Hypno-Dystopie“
Flucht aufs Floß in letzter Sekunde: Die Überlebenden hoffen auf Rettung aus den Fluten. © Marise Moniac

Vielfältig ist das Programm der Theaterwoche in Korbach. Am Mittwochabend stand mit „So we keep on waiting“ ein besonderes Stück auf dem Spielplan.

Korbach – „Land unter“ heißt es, wenn das flache Grünland an der Küste überflutet ist. Doch immer öfter häufen sich auch in anderen Regionen die Warnungen vor Flutkatastrophen. Mit ihrer Eigenproduktion „So we keep on waiting – Eine Hypno-Dystopie“, die bei der Theaterwoche in Korbach vorgestellt wurde, traf die Theatergruppe Poco*Mania des Marie-Curie-Gymnasiums Neuss somit einen Nerv unserer Zeit.

Mit Müh und Not retten sich vier Menschen (Mädchen) nach tagelangen Regengüssen auf ein labiles Floß, und da schaukeln sie nun, wartend auf Rettung aus der Luft oder sonst woher. Das Wasser steigt weiter, die Nerven liegen blank, die Stimmung ist gereizt, alle haben Angst. Schnell entwickelt sich eine gewisse Machtstruktur: Wer am besten mit Worten pariert, hat die Oberhand.

Eine muss aufs Klo – aber in Gegenwart der anderen ist das nicht so einfach. „Wenn du jetzt nicht kannst, musst du auch nicht“, entscheidet ihr Gegenüber, der Rock wird wieder hochgezogen.

Theaterwoche in Korbach: Ausharren auf einem treibenden Floß

„Haben wir hier eigentlich Netz?“, will die Nächste wissen, aber die Frage ist in dieser Situation sinnlos, genau wie die „Wenn wir … hätten“-Spekulationen. Da wird „Hätte, hätte, spiel Klarinette“ zurückgezischt, und der vorsichtige Einwand, der Spruch ende doch eigentlich auf „Fahrradkette“, kann kaum als ernsthafter Protest gewertet werden. „Wie vertreibt man sich in einer solchen Lage die Zeit?“ Die vier spielen ausgerechnet „Stadt, Land, Fluss“, geraten aber schon beim ersten Durchgang in Streit. Denn „Köln“, die Stadt mit „K“, ist untergegangen, und „Korbach“ gibt es natürlich auch nicht mehr.

Das Floß treibt Richtung offenes Meer. „Wir sind wie der Fliegende Holländer dazu verdammt, auf den Weltmeeren zu kreuzen“, sagen sie mit müdem Galgenhumor. Dann stellen sie fest, dass sie weder Hunger noch Durst haben, eigentlich gar nichts mehr spüren. „Vielleicht sind wir schon tot“, vermutet eine, kriegt aber eins übergebraten: „Ich hab noch nie Tote so viel Bullshit reden hören.“ „Wenn das hier vorbei ist, …“, spintisieren sie sehnsüchtig über „geile Bars“ mit viel Gin und Jägermeister.

Theaterwoche in Korbach: Viel Beifall für glänzende Aufführung

„Vielleicht könnte man beten“, sagt eine, die die Geschichte von Jona im Bauch des Walfischs kennt. Doch bevor ein Gott in letzter Sekunde eingreift, klingeln die Handys die Zuschauer in die Realität zurück. „War das Ganze vielleicht doch nur, wie anfangs angekündigt, eine kollektive Hypnose mit Trance-Erfahrung und möglicher Nachjustierung?“ „Waren das auf dem Floß überhaupt echte Menschen oder nur Computersimulationen?“ Lang anhaltender Beifall belohnt eine spannende, glänzend gespielte Aufführung in der Stadthalle. (Marise Moniac)

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