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Theaterwoche Korbach: „Biedermann und Brandstifter“ in der Stadthalle

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Von: Philipp Daum

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„Biedermann und Brandstifter“: Beim fulminanten Finale waren alle Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne.
„Biedermann und Brandstifter“: Beim fulminanten Finale waren alle Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne. © Hans Peter Osterhold

Die Inszenierung des ersten Stücks der Theaterwoche auf der Bühne in der Stadthalle war ein Kracher. „Biedermann und Brandstifter“, ein dialogreiches Stück von Max Frisch, das viele unterschiedliche Interpretationen und Aufführungen kennt, wurde am Montagabend vom „rohestheater“ aus Aachen gespielt: temperamentvoll und aktionsreich.

Korbach – Die Geschichte ist schnell erzählt: Der betuchte Fabrikant Gottlieb Biedermann liest in der Zeitung von den neuesten Brandstiftungen und ereifert sich über die Täter. Die Vorgehensweise der Brandstifter ist stets dieselbe: Getarnt als harmlose Hausierer nisten sie sich auf dem Dachboden des Hauses ein, das sie später niederbrennen.

Als nun Hausierer bei Biedermann auftauchen, bemerkt er es nicht. Auch als sie mit Benzin, Zündschnüren und Zündern hantieren, ignoriert Biedermann die Fakten. Er redet sich ein, die Besucher seien seine Freunde, die er nicht verlieren möchte. Schließlich geht Biedermanns Haus in Flammen auf.

Danach wähnen sich Biedermann und seine Frau Babette im Himmel. Erst als das Personal des Stücks dazukommt, erkennen sie, dass sie sich in der Hölle befinden. Am Ende gehen zumindest die Brandstifter auf die Erde zurück und schmieden neue Pläne.

Vampire in der Stadthalle: Am Dienstag zeigte die „English Theatre Group“ das Stück „Neighbours“.
Vampire in der Stadthalle: Am Dienstag zeigte die „English Theatre Group“ das Stück „Neighbours“. © Philipp Daum

Die Bühne ist mitten in die Stadthalle gebaut und schlicht mit einigen Feuerwehrschläuchen und einem Gerüst ausgestattet. Das Geschehen spielt sich aber nicht nur auf der Bühne ab, sondern auch im Raum drumherum. Zwei „Chöre“ greifen immer wieder in die Dialoge ein, wiederholen Gesagtes oder ergänzen und kommentieren.

Der eine steht in knallroten Anzügen vor der großen Bühne, der andere ist im Publikum verteilt. Manche Rollen sind mehrfach besetzt, was etwas verwirrend ist. Es wechselt zwischen ruhigen Dialogen, Chorkommentaren und wilder Action mit Rockmusik, Lichteffekten und Rauch, Videoinstallationen im Hintergrund. Die Sprache ist voll mit Wortspielen und Anspielungen auf menschliche Abgründe, Naivität und gesellschaftliche Herausforderungen – ein anspruchsvolles Werk.

Das Stück wird oft als „Lehrstück ohne Lehre“ bezeichnet und ist doch eine politische Parabel. Biedermann könnte auch anders heißen, dem Publikum und sich selbst halten die jungen Schauspieler einen Spiegel vor. „Er tut, was wir alle tun“, wird schon vor der eigentlichen Handlung mitgeteilt.

Viele Fragen stehen im Raum, wie nach dem Umgang mit dem Wolf im Schafspelz oder mit Extremismus und Gewalt, mit Selbstlüge und Verdrängung. Konkret: War das Feuer vermeidbar? Das Stück erhält damit eine unglaubliche Aktualität. „Wir haben es nicht gewusst“, wiederholen die Biedermanns noch am Ende gebetsmühlenartig. Ein fulminantes Finale beendet ein Stück, bei dem alle bis zum Schluss hellwach bleiben. Dazu kommt das wiederkehrende Lied: „Es geht ein Bibabiedermann in unsrer Welt herum, fidibum.“ In der Nachbesprechung gibt es viel Lob für die Schauspieler, die professionell agierten und mit Energie das Publikum begeisterten.

Vor der Aufführung hatte Landrat Jürgen van der Horst die Korbacher Theaterwoche eröffnet und ein „tolles Programm“ in Aussicht gestellt. Michael Schwarzwald, Vorsitzender des Fördervereins, freute sich über den Neustart nach zwei Jahren: „Stille ist nichts für ein Theater.“ Er versprach eine große Bandbreite in den kommenden Tagen.

Gestern Vormittag führte die English Theatre Group des Landgraf-Ludwig-Gymnasiums Gießen das Stück „Neighbours“ auf. Im Mittelpunkt stand Sohn Rick, der die Tochter eines Vampirhauses kennenlernt und sich – trotz Vorurteile gegenüber den Blutsaugern – zu ihr hingezogen fühlt. Alle Darsteller überzeugten durch sehr gutes Englisch, Spielfreude und punktgenaue Situationskomik. (Hans Peter Osterhold und Philipp Daum)

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