Vorwurf: Bei Kreditvergabe betrogen

Tod von Schlüsselfigur in Betrugsprozess: Korbacher beteuert weiter seine Unschuld

100.000 Euro soll ein Korbacher durch Betrug bei Kreditvermittelung erlang haben – der bestreitet dies.
+
100.000 Euro soll ein Korbacher durch Betrug bei Kreditvermittelung erlang haben – der bestreitet dies.

Ist ein mutmaßlicher Schlüsselzeuge in einem Korbacher Betrugsprozess tot oder nicht? In der Frage meldet die Verteidigung Zweifel an.

Korbach – 19-fachen gewerbsmäßigen Betrug und dreifachen gewerbsmäßigen Wucher wirft die Staatsanwaltschaft einem 65-jährigen Korbacher vor – er weist alles von sich: Im zweiten Punkt sei alles mit rechten Dingen zugegangen, im ersten wolle ihm ein bekannter Kreditbetrüger aus Niedersachsen seine Taten in die Schuhe schieben. Zu diesem war dem Korbacher Amtsgericht allerdings eine Sterbeurkunde der Stadt Hannover zugegangen.

Diese bestätigte auf Anfrage des Gerichts: Die Urkunde ist echt. Die Verteidigung machte Zweifel geltend und will noch den Totenschein sehen. Der Niedersachse, der ein Buch mit dem Titel „Mein Leben als Finanzbetrüger“ geschrieben hat, führe Justiz und Behörden an der Nase herum, sagte der Korbacher. Erst mal deute alles darauf hin, dass er verstorben sei, so Robert Winter, Direktor des Amtsgerichts: „Und Verstorbene können wir nicht vernehmen.“ Die Verteidigung müsse schon einen Beweisantrag mit hinreichen Hinweisen vorlegen, dass er noch lebt – und eine ladungsfähige Adresse.

Erneut sagten mehrere der 19 Geschädigten aus, darunter ein 44-jähriger Österreicher: Nach einer Privatinsolvenz habe er nur online einen nötigen Kredit über 80 000 Euro kriegen können. Er stieß auf eine Firma, bekam einen Kreditvertrag und zahlte eine Sicherheit von 4000 Euro, die für die Auszahlung nötig sei – doch zu der kam es nie.

Der Name seiner Kontaktperson deckt sich mit einem Berliner Geschäftsmann, der vor Gericht bereits beteuerte, nichts mit den Vorgängen zu tun zu haben. Und das Geld landete auf dem Konto des Korbachers, wie in 18 weiteren Fällen von 2011 bis 2014. Er sagt aus, die insgesamt 100 000 Euro seien Provisionen für die Prüfung von Unterlagen gewesen – für ihn habe es wie ein legitimes Geschäft ausgesehen, betrogen habe der Niedersachse.

Kredite suchten auch Geschäftsleute, die 2018 und 2019 mit dem Korbacher in Kontakt kamen. Die Polizei ermittelte, die zuständige Kommissarin schilderte das Muster: Statt Krediten bot der Korbacher „typische stille Beteiligungen“ an. Dabei zahlte er eine Summe für die Realisierung eines Projekts. Die Unternehmer sollten gleich eine „Gewinnbeteiligung“ zurückzahlen und später die eigentliche Summe. Jedoch habe der Korbacher sein Geld dann per SEPA-Verfahren zurückgeholt und so beide Summen einbehalten. Dazu sei er nach Vertragsbrüchen der Partner berechtigt gewesen, behauptete dieser.

Finanzermittlungen zeigten mehrere solcher Fälle auf, so die Polizistin. Die sich wiederholende Vorgehensweise und die Notlage der Kunden – sie hätten nicht ohne Grund online nach Geld gesucht – seien Anlass gewesen, die Sache an die Staatsanwaltschaft weiterzugeben, was schließlich zu einer Durchsuchung führte.

Unstimmigkeiten bei Datumsangaben veranlassten den Korbacher dazu, die Ermittlungen infrage zu stellen: Sie dienten nur dazu, das Verfahren gegen ihn zu unterstützen. Er wurde aufgefordert, in der Zeugenbefragung statt Behauptungen und Suggestivfragen tatsächlich offene Fragen zu stellen. (wf)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.