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Um Streit zu schlichten, setzt die Humboldt-Schule „Ohrkinder“ ein

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Von: Wilhelm Figge

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Vernünftige Gespräche in Streitfällen ermöglichen (von links) die Ohrkinder Hanna (Klasse 3d), Melia (3c) und Tessa (5b) an der Humboldt-Schule in Korbach.
Vernünftige Gespräche in Streitfällen ermöglichen (von links) die Ohrkinder Hanna (Klasse 3d), Melia (3c) und Tessa (5b) an der Humboldt-Schule in Korbach. © Wilhelm Figge

Um Streit zu schlichten, hat die Humboldt-Schule ein besonderes Konzept. Drei „Ohrkinder“ erzählen der WLZ-Kinderseite, was wichtig ist.

Korbach – „Möchtet ihr wirklich alle, dass ich euch helfe, den Streit zu schlichten?“, fragt Melia: Hanna und Tessa stimmen zu und versprechen, ruhig miteinander zu reden und eine Lösung finden zu wollen. Dann schildern sie, worum es geht: Hanna habe ihr versprochen, ihr das Springseil zu geben, das aber nicht gemacht, sagt Tessa. Tessa habe es ihr einfach aus der Hand gerissen, sagt Hanna. Melia bittet sie, zu wiederholen, was die andere sagte. Dann erklären sie, was sie vom anderen erwarten: „Ich wünsche mir, dass du mich in Ruhe lässt, wenn ich seilspringe“, sagt Hanna. „Ich wünsche mir, dass du deine Versprechen hältst“, erwidert Tessa. Können sie das beide? Ja, sagen die beiden.

Der Streit war nur gespielt, denn die drei wollten zeigen, was ihre Aufgabe als „Ohrkind“ ist: An der Humboldt-Schule in Korbach werden in jeder Klasse von der dritten bis zu sechsten zwei Kinder gewählt und ausgebildet, die durch Zuhören und Ermuntern zum Zuhören kleinere Streitigkeiten schlichten sollen, statt dass Lehrer dazu geholt wird. Ob jemand nicht mitspielen durfte, Kinder sich gegenseitig erschrecken oder es Zoff um Fußball gibt: Streit kommt vor.

Wie sie damit umgehen, hat System: Jede Frage der Ohrkinder erfüllt ihren Zweck. Will einer der Beteiligten keine Schlichtung, schreit und schimpft, weiß Melia: „Das kann ich nicht lösen.“ Das sei eine Sache für Lehrer. Auch wenn andere sich einmischen oder jemand lügt, könne sie nichts tun, fügt Hanna hinzu.

Dass beide Parteien schildern, was aus ihrer Sicht passiert ist, und dann die Aussage des anderen wiederholen, ist wichtig: „Denn dann merkt das eine Kind, wie es für das andere war“, erklärt Tessa. Daran zeige sich auch, dass das Gegenüber zugehört habe, ergänzt Melia. Die zuständige Lehrerin Dörte Trumpp findet: „Dann kann ich nicht nur noch da sitzen und mich ärgern.“

Wichtig sei: „Die Ohrkinder sind keine Polizisten, keine Richter, keine Lehrer.“ Sie klären nicht, wer schuld an etwas hat – wenn es um solche Fragen geht, muss der Streit vom Lehrer gelöst werden. Mithilfe der Ohrkinder sollen die Kinder stattdessen einander klar machen, was sie in Zukunft voneinander erwarten. Wie sehr die Ohrkinder zum Einsatz kommen, ist von Klasse zu Klasse anders. Manchmal wird der Lehrer schnell dazu geholt, andere Ohrkinder haben mehr zu tun. Nicht immer gelingt es, einen Streit zu lösen – und manchmal könnten die anderen sich auch ohne Hilfe vertragen, sagt Hanna.

Die Kinder, die ihre Zeit investieren, müssten auch auf ihr eigenes Wohl achten, hält Dörte Trumpp fest. Die Kinder lernen den Gesprächsablauf und diese Selbstfürsorge jedes Halbjahr beim Ohrkindtag. An die Ohrkind-Regeln zu denken, helfe auch, wenn sich einer von ihnen selbst streitet, sagt Tessa.

Wenn das Gespräch zur Schlichtung erfolgreich war, hat Hanna einen letzten Tipp: „Man kann vielleicht noch gemeinsam eine Flitzerunde um die Schule rennen, damit man wieder was zusammen gemacht hat.“ (wf)

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