Eltern im Januar gestorben

Unfall machte Bad Arolser Kinder zu Waisen - Fahrer bekommt Bewährungsstrafe

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Der Angeklagte Bernhard-Hubertus K. (r) und sein Verteidiger Michael Rohleder stehen am Montag zum Prozessauftakt im Amtsgericht Korbach.

Bad Arolsen/Korbach. Für den Unfalltod eines Elternpaares aus Bad Arolsen hat das Amtsgericht Korbach einen Autofahrer zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt.

Aktualisiert um 15.55 Uhr - Das Gericht sprach den 58-Jährigen am Montag der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung schuldig. "Welches Urteil ist in so einem Fall tat- und schuldangemessen?", fragte der Korbacher Amtsrichter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling bei der Urteilsbegründung. Er sei ebenso wie die Anklagevertreter, die Staatsanwältin, die beiden Nebenkläger und der Strafverteidiger des Angeklagten zu der Überzeugung gelangt, dass bei diesem Unfall auf der Bundesstraße B 252 zwischen Twiste und Mengeringhausen "Augenblicksversagen" ursächlich gewesen sei. Mit anderen Worten: "Das kann jedem passieren."

Das Handy des Unfallfahrers war nachweislich ausgeschaltet. Keiner der beteiligten Fahrer hatte Alkohol oder Medikamente im Blut. Beide Fahrzeuge waren in einem guten technischen Zustand.

Der Angeklagte selber kann sich an nichts mehr erinnern. Auch er wurde bei dem Frontalzusammenstoß an jenem Januarnachmittag schwer verletzt, weiß nur noch, wie viele Menschen im Krankenhaus an ihm herumschnitten, um ihn von seiner Kleidung zu befreien.

Handwerker fiel in tiefe Depression

Nach Zustellung der Anklageschrift wegen fahrlässiger Tötung in zwei Fällen sowie fahrlässiger Körperverletzung an zwei kleinen Kindern auf der Rückbank fiel der Handwerker in eine tiefe Depression, versuchte seinem Leben ein Ende zu setzen.

"Ich möchte nicht an Ihrer Stelle sein", stellte daher auch Nebeklagevertreter Friedrich Schmidt fest: "Wir haben alle gehoffft, dass uns diese Verhandlung die Gründe plausibel machen würde, wie es zu diesem Unfall kommen konnte. Aber jetzt wissen wir, wir alle hätten auf der einen oder anderen Seite in den beteiligten Autos sitzen können." Der wahre Grund für diesen tödlichen Augenblick bleibt für immer im Ungewissen.

280 Euro Schmerzensgeld an die Kinder

Das Urteil wurde vom Gericht auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. In dieser Zeit muss der Unfallverursacher jeden Monat 280 Euro Schmerzensgeld an die hinterbliebenen Waisenkinder zahlen. Das Geld wird aber nicht auf die fälligen Leistungen der Haftpflichtversicherung angerechnet.

Dem Angeklagten wurde außerdem auferlegt, sich einer Fahrtauglichkeitsprüfung zu unterziehen. Bisher hatte er im Verkehrszentralregister eine weiße Weste. Auch sein Arbeitgeber bescheinigte ihm seit Eintritt in die Firma vor sechs Jahren noch keine Verkehrsordnungswidrigkeit begangen zu haben. Auch bei seiner Berufsausübung sei er stets zuverlässig und völlig untadelig.

Bald nach dem Unfall stellte sich heraus: Die beiden Kinder auf der Rückbank waren nicht die einzigen Hinterbliebenen. Vater (37), Mutter (34) und die Kinder bildeten eine Patchwork-Familie mit Kindern aus früheren Ehen. So standen nach dem tödlichen Unfall von Mengeringhausen plötzlich acht Kinder ohne Eltern da.

Die Welle des Mitgefühls, die nach der bundesweiten Berichterstattung über den Unfall über die Kinder hereinbrach, war enorm. Tanten und Onkel nahmen sich der Kinder an. Jugendamt und Bürgermeister Jürgen van der Horst mühten sich, die Hilfsangebote zu bündeln.

Ein Spendenkonto wurde eingerichtet. Viele hundert Einzelspender und Vereine wollten helfen. Bis zum heutigen Tag ist die Spendensumme auf über 550.000 Euro angewachsen.

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- Gutachten liegt vor: Ursache für tödlichen Unfall bleibt unklar

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