Verhandlung am Amtsgericht Korbach wurde unterbrochen

Wählertäuschung und Volksverhetzung: Bürgermeisterkandidat vor Gericht

+
Henricus Pillardy gibt vor der Verhandlung ein Interview vor dem Korbacher Amtsgericht.

Volkmarsen/Korbach. Der aus Volkmarsen-Ehringen stammende Student Henricus Pillardy soll einen Teil seiner 91 Unterstützungsunterschriften für die Kandidatur bei der Bürgermeisterwahl am 6. März in Volkmarsen mit Betrug erschlichen haben.

Aktualisiert um 17.17 Uhr

Am Dienstag musste er sich daher vor dem Korbacher Amtsgericht rechtfertigen. Pillardy hatte die Wahl gegen Amtsinhaber Hartmut Linnekugel, der 95,3 Prozent der Stimmen bekam, verloren.

Der zweite Tatvorwurf der Volksverhetzung bezog sich auf Pillardys pauschal beleidigende Veröffentlichungen auf Facebook. Dort hatte der 22-Jährige wenige Tage nach den sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht abfällige Äußerungen über Menschen mit schwarzer Hautfarbe gemacht und behauptet, aufreizend gekleidete Frauen seien selber Schuld, wenn sie vergewaltigt werden. Im Verlauf der Hauptverhandlung wurde jedoch deutlich, dass diese volksverhetzenden Aussagen wahrscheinlich ironisch gemeint waren und nicht die Meinung des Angeklagten wiedergaben. Das räumte sogar Richter Jan Olivera deutlich sichtbar mit sich ringend ein. Nicht vom Tisch sind hingegen die Vorwürfe, Unterschriften für die Wahl unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erlangt zu haben. Darauf deuteten am Dienstag die Aussagen von vier der 14 geladenen Zeugen hin. Was Richter und Staatsanwalt stutzig machte, war die Tatsache, dass die Zeugen zwar ihre Unterschrift wiedererkannten, nicht jedoch das amtliche Formular, auf dem sie geleistet wurden. So reifte der Verdacht, dass der Angeklagte womöglich die Unterschriften von einem anderen Blatt auf das Dokument übertragen haben könnte. Um das zu klären, wurde die Verhandlung unterbrochen, acht noch nicht vernommene Zeugen wieder entlassen und ein Fortsetzungstermin für den 1. Dezember angesetzt. Bis dahin sollen die Originaldokumente aus dem Volkmarser Rathaus angefordert werden.

Pillardy versteht sich selbst als Satiriker und seine Kandidatur als Akt der Satire. Aus seinen Facebook-Postings ist herauszulesen, dass er mit dem Gedanken liebäugelt, im kommenden Jahr bei der Oberbürgermeisterwahl in Kassel zu kandidieren.

Von Elmar Schulten

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.