Zwei Wochen lang ist es sein Rathaus

Verwaltungschef auf Zeit: Erster Stadtrat Heinz Merl vertritt den Bürgermeister im Urlaub

Am Schreibtisch im Chefbüro: Wenn Bürgermeister Klaus Friedrich im Urlaub ist, vertritt Erster Stadtrat Heinz Merl das Stadtoberhaupt und wahrt die Amtsgeschäfte.
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Am Schreibtisch im Chefbüro: Wenn Bürgermeister Klaus Friedrich im Urlaub ist, vertritt Erster Stadtrat Heinz Merl das Stadtoberhaupt und wahrt die Amtsgeschäfte.

Zwei Wochen lang regiert er Korbach: Als ehrenamtlicher Erster Stadtrat vertritt Heinz Merl den Bürgermeister, wenn der im Urlaub ist.

Korbach – Der Messinglüster aus der Wirtschaftswunderzeit hat schon den Schreibtisch von Fritz Wachenfeld-Teschner in den 1950er Jahren erleuchtet: Früher war es das Büro des Baufirma-Chefs, während das Rathaus in der Stechbahn neugebaut wird, residiert der Bürgermeister übergangsweise im alten Wachenfeld-Verwaltungsgebäude in der Frankenberger Landstraße. Doch zwei Wochen lang ist Erster Stadtrat Heinz Merl Interimschef im Büro – mit allen Rechten und Pflichten. So lange macht Bürgermeister Klaus Friedrich Ferien. In der vergangenen Woche hat Heinz Merl die Urlaubsvertretung für das Stadtoberhaupt übernommen.

Während Klaus Friedrich sich entspannt, muss der Erste Stadtrat die Amtsgeschäfte wahren. „Es ist überschaubar“, gibt Merl zu. Der Bürgermeister habe gut vorgearbeitet. Ganz unbeleckt nimmt Heinz Merl nicht auf dem Chefsessel im Bürgermeisterbüro Platz: Seit fast 30 Jahren engagiert er sich in der Korbacher Kommunalpolitik, war unter anderem Stadtverordnetenvorsteher und Fraktionschef der CDU. Er weiß, wem er in der Verwaltung gegenübersitzt: „Man kennt sich über Jahre hinweg und hat immer wieder miteinander zu tun gehabt“, sagt Merl. Und er könne sich darauf verlassen, dass die Stadt auch ohne sein Eingreifen gut funktioniere: „Wir verfügen über eine hervorragend aufgestellte Verwaltung“, so der Erste Stadtrat.

Große Entscheidungen stehen in den Sommerferien zwar nicht an, doch langweilig wird es dem Vize-Bürgermeister nicht: Der Posteingang muss täglich durchforstet werden, Personalentscheidungen stehen an und bei einigen Terminen muss sich Merl als das Gesicht der Stadt blicken lassen. So hat er in der vergangenen Woche Lukas Kaiser aus Haiger empfangen, der auf einer 1000 Kilometer langen Tour mit dem Fahrrad durch ganz Hessen für den Hessentag 2022 in seiner Heimatstadt wirbt. Am Montag hat Merl die Magistratssitzung geleitet. Die Stadträte trafen sich zum Ortstermin im Schießhagen, wo die geplante Umgestaltung besprochen wurde.

Trotz langer kommunalpolitischer Erfahrung sei die neue Aufgabe als Erster Stadtrat für ihn gewöhnungsbedürftig, sagt Merl: „Der Wechsel von der Legislative in die Exekutive ist entscheidend. Man muss sich mit Äußerungen zur Stadtpolitik in der Öffentlichkeit zurückhalten, das ist dem Bürgermeister vorbehalten.“ Das Wissen, dass er unter Umständen über Schicksale zu entscheiden habe, machen ihn indes demütig, sagt er mit Blick auf die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal vor einem Monat und der Hoffnung, dass ihm so etwas erspart bleibt.

Das Salär des Vize-Bürgermeisters ist freilich eher spärlich: Für die ehrenamtliche Vertretung gibt es nur eine Aufwandsentschädigung.

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