Ein Fehler nur auf dem Papier

Verwirrende Zahlen beim Rathaus-Neubau in Korbach: Architekt liefert Erklärung nach

Die Rathaus-Baustelle in der Stechbahn: Fehler bei der Kostennachverfolgung haben zu verwirrenden Zahlen geführt. Architekt Marc Matzken hat sich in der Stadtverordnetenversammlung um Aufklärung bemüht.
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Die Rathaus-Baustelle in der Stechbahn: Fehler bei der Kostennachverfolgung haben zu verwirrenden Zahlen geführt. Architekt Marc Matzken hat sich in der Stadtverordnetenversammlung um Aufklärung bemüht.

Warum klaffen die erste Kostenberechnung und das Ausschreibungsergebnis bei den Zimmererarbeiten um 768 Prozent auseinander? Nach einer Haupt- und Finanzausschuss-Sitzung, die mehr Fragen zu den Kosten des Rathaus-Neubaus aufgeworfen als beantwortet hatte, hat Architekt Marc Matzken von der Arbeitsgemeinschaft AGN/Heimspielarchitekten in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag eine Erklärung nachgeliefert.

Korbach – Zwischen der ersten Kostenberechnung aus dem Jahr 2018 und der Ausschreibung im vergangenen Jahr hat es demnach mehrere Budgetverschiebungen zwischen den Gewerken gegeben. Der Hintergrund: Die berechneten Kosten werden in einer Tabelle aufgeführt, die während der Baumaßnahme laufend fortgeschrieben wird. Dabei seien einzelne Gewerke zunächst in anderen Budgets aufgeführt und erst später den Zimmererarbeiten zugeschlagen worden, erläuterte Matzken. Der Architekt nannte die Dachdämmung, das Oberlicht und die Rauchklappen als Beispiele.

In dieser Art habe es mehrere Budgetverschiebungen gegeben, die in der Tabelle allerdings nicht mehr angepasst worden seien. Zum Zeitpunkt der Ausschreibung waren also dem Zimmerer-Budget tatsächlich mehr Gewerke zugeordnet, als auf dem Papier. Das sei der Grund für die Differenz von 768 Prozent in diesem Teil des Budgetplans, so Matzken. Mit anderen Worten: Im Gesamtbudget waren alle Gewerke mit ihrer Kostenberechnung vorhanden, nur in einigen Fällen nicht dem richtigen Einzelbudget zugeordnet.

Um diese Verschiebungen korrigiert, schrumpft die Abweichung laut Matzken auf 100 Prozent: Den dann 675 251 Euro in der ersten Kostenberechnung steht ein Ausschreibungsergebnis von 1,356 Millionen Euro gegenüber – das sind Mehrkosten von rund 680 800 Euro. „Das ist der normale Markt derzeit“, erklärte Matzken die „immer noch enorme Abweichung“ um 100 Prozent.

Tatsächlich treiben steigende Baukosten die Preise für Immobilien. Denn Bauunternehmen haben derzeit volle Auftragsbücher, gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Baustoffen. Seit September 2020 sei Holz um 20 Prozent, Betonstahl sogar um 30 Prozent teurer geworden, meldet der Zentralverband des Baugewerbes. „Wir haben uns nicht zurückgelehnt, sondern uns bemüht, das Budget trotzdem zu halten und in wöchentlichen Baubesprechungen und Planungsrunden immer wieder im Sinne des Projekts umgeplant“, sagte Matzken.

Ein Interesse an steigenden Baukosten kann den Architekten jedenfalls nicht unterstellt werden: Das Honorar der Planer sei an die Gesamtkosten des Rathaus-Neubaus gebunden, basiere allerdings auf der Kostenschätzung in Höhe von 18,6 Millionen Euro aus dem Jahr 2017 und sei seitdem fix, erläuterte Bauamtsleiter Stefan Bublak auf Nachfrage von Jochen Rube (FDP).

Heinz Langerzik (CDU) erklärte: „Wir haben verstanden, dass wir mit unserem Bau in eine Phase einer enormen Preissteigerung gelandet sind.“ Das Team der Planer sei äußerst engagiert und versuche, die Kosten trotzdem in den Griff zu bekommen. „Die Frage war ja, wie kommt die Zahl von 768 Prozent zustande. Der Fehler lag offenbar darin, das die Kostenfortschreibung nicht gemacht wurde“, fasste Karl Suck (CDU) zusammen.

„Das, was heute erklärt worden ist, ist für mich nachvollziehbar“, sagte Helmut Schmidt (SPD). Die Steigerung der Gesamtkosten sei ärgerlich, aber nichts ungewöhnliches.

Noch nicht ganz zufrieden zeigte sich Kai Schumacher (FWG): „Wir müssen klären, ob das Bauamt versäumt hat, zu kontrollieren“, verwies er auf die Pflicht zur Plausibilitätsprüfung. Bublak antwortete, dass die Prüfung der Plausibilität ein laufender Prozess sei, da die Planung von Tag zu Tag angepasst und permanent verändert werde: „Das Projekt ist dynamisch und komplex“, so der Bauamtsleiter.

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