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Von Korbach in die Welt und zurück: Ottilie Fritz hat es beruflich in viele Länder geführt

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Auf Foto-Safari: Ottilie Fritz jagt lediglich Bilder von exotischen Tieren in Südafrika – hier im Tal des Echos im Krüger-Nationalpark.
Auf Foto-Safari: Ottilie Fritz jagt lediglich Bilder von exotischen Tieren in Südafrika – hier im Tal des Echos im Krüger-Nationalpark. © Fritz/pr

Ottilie Fritz (73) aus Korbach hat es beruflich in viele Länder geführt. Im diplomatischen Dienst arbeitete sie unter anderem in Afrika.

Korbach – „Eigentlich“, sagt Ottilie Fritz, die alle nur „Otti“ nennen, „eigentlich hat mein Leben erst mit 21 begonnen“. 1970 war das. Ihr erstes Jahr in Afrika. Die Korbacherin spricht von „Traum-Kontinent und Berufung“: Wilde Tiere, weites Land. Damals beginnt ihre Arbeit im diplomatischen Dienst. Sie geht als Sekretärin des Personalchefs der deutschen Botschaft nach Liberia: Das große Abenteuer beginnt.

Die erste freie Stelle: Liberia an der afrikanischen Westküste. Schlimmstes Entwicklungsgebiet. „Da leben überwiegend frühere Sklaven aus Amerika“, berichtet die Frau. Die Machtzentren sind zugestellt durch zwei Familien-Clans, „die sich wechselseitig umbringen“.

Sei‘s drum: Die Korbacherin ist endlich 21, somit volljährig, und darf deshalb Jobs in Übersee übernehmen. So wartet sie nicht länger, greift beim ersten Angebot zu: Sie wird Sekretärin des Personalchefs in dem afrikanischen Staat. Danach wechselt sie in die Botschaft von Tokio (Japan). Zum rauen Alltag dieses Metiers gehört es, Deutsche aus dem Gefängnis zu holen.

„Meistens gingen diese Aufgaben gut aus“, sagt sie. Es genügt ein Gespräch mit dem Knast-Direktor und die Zahlung von Schmiergeld – etwa 500 US-Dollar. Weniger erfolgreich sind die anschließenden Versuche, den Geldbetrag zurückzufordern.

Drei Jahre später, als Otti Heimaturlaub hat, nimmt sie Kontakt mit ihrem früheren Studienkollegen Wolfgang Fritz auf: „Wir müssen uns treffen!“ Die beiden Weltbürger verabreden sich in Stuttgart. „Da hat dann Amor geschossen“, sagt Wolfgang Fritz sehr anschaulich. „Wir haben ganz schnell geheiratet“, schmunzelt Otti. Wolfgang fliegt aus London ein. „Jetzt oder nie, hab ich mir gesagt.“ Er arbeitet für Mercedes in Malaysia. Jedes Wochenende sitzt er nun im Flugzeug: Die erste Zeit mit dem Ziel Japan, dann zu Ottilies nächsten Arbeitsplatz nach Taiwan. Ehegattenbesuche.

Der weit gereisten Frau ist besonders Tokio in sehr guter Erinnerung geblieben. Viele private Kontakte. Die Menschen gehen freundlich und höflich mit einander um. Bei den gemeinsamen Kochkursen kommt auch der deutsche Schweinebraten zu Ehren.

Ottilie Fritz zog es in die weite Welt.
Ottilie Fritz zog es in die weite Welt. © Günter Göge

Was Ottilie Fritz dagegen während ihrer Zeit in Bagdad erlebt, der Hauptstadt des Irak: Das Gegenteil japanischer Umgangsformen. Terroranschläge, keinerlei Gleichberechtigung. Eine Schwangerschaft macht alles nur noch schlimmer. Während ihr Mann die etwa 6000 Kilometer zu ihr mit dem Auto runterschruppt, wird seine Frau von streng-gläubigen Islamisten wie Freiwild gejagt: Zu Fuß und am Telefon. So empfindet sie jedenfalls die plumpe Anmache im Nahen Osten.

Höhepunkt der schmerzhaften Erfahrungen in dem von Männern dominierten Land: Als sie sich am Flugplatz von einer befreundeten Mitarbeiterin aus Irak verabschiedet, fährt sich die Kollegin langsam mit dem Daumennagel der rechten Hand über den Hals. „Wenn du mir noch einmal begegnest, schneide ich dir die Kehle durch“, kündigt sie an.

Hintergrund dieser auf den ersten Blick völlig unverständlichen Drohung: Ihren Brüdern passte es nicht, dass die Ungläubige ihrer Schwester Kleidungsstücke geschenkt hatte. Sie musste sich deshalb von der Familie regelrecht verprügeln lassen, berichtet Otti. Sie ist geschockt. Das ist nicht das Leben, das die beiden Deutschen auf Dauer führen wollen. Auch ein Wechsel in die Rechtsabteilung der Botschaft bringt keine Erleichterung. Beide kündigen, gehen zurück nach Stuttgart.

Doch die Odyssee geht weiter. Wolfgang, der Auto-Fachmann, arbeitet da bereits bei BMW: Überwiegend in Auslandseinsätzen. „Otti“ folgt ihm in die Sportwagenfirma: Erst als Sekretärin. Dann übernimmt sie EDV-Projekte, um Außenstellen ins Mutterhaus der Betriebes zu überführen.

In der Gästetoilette des Ehepaars hängt eine Landkarte: Die ganze Welt mit einer verwirrenden Vielfalt an Markierungen. Jeder Kopf einer Stecknadel markiert eine Station ihres Lebens. Sie werden mit Fäden verbunden als Zeichen für den Weg dorthin. An den anderen Wänden: Das Bild eines Flötenspieler aus Bolivien, ein golden schimmerndes Kirchenbild aus Peru. Und jede Menge afrikanische Figuren. Die Wohnung steckt voller Erinnerungen.

Wie soll man sie bezeichnen, diese freundliche, lebhafte Frau? Weltenbummlerin? Das klingt zu gemütlich. Weltreisende? Zu sehr nach Urlaub. Weltgewandt? Schon eher. Die 73 Jahre alte Dame ist einst von Korbach aus losgezogen, die Welt zu erobern. Jetzt ist sie zurück in der Heimat. Der Kreis hat sich geschlossen für sie. (Günter Göge)

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