Eine Mannschaft im Umbruch, die eine Einheit sucht

Was ist los beim SC Blau-Gelb Korbach? – Herbe Niederlagen, Spielabbruch und der Wille zum Neustart

Trainer und zuletzt auch Spieler
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Ratlos am Platz: Torwart Marijan Illic und Süleyman Kaplan stehen symbolisch für die Lage beim SC Blau-Gelb Korbach.

0:20, 1:12, 0:10 – die Klatsche hat Konjunktur beim SC Blau-Gelb Korbach. Zusammen 152 Gegentore haben die zwei Fußball-Mannschaften in der Kreisober- und der Kreisliga A bis jetzt angehäuft.

Korbach – Nach der Protest-Flucht der Reserve vom Sportplatz in Wega steht der SC zudem als „Angeklagter“ demnächst vor dem Sportgericht. Kein Anlass für Häme, sondern für die Frage: Was ist eigentlich los bei Blau-Gelb?

Der Trainer

„Wenn das so einfach zu erklären wäre, dann hätten wir vielleicht Lösungen gefunden“, sagt Adam Kowalik. „Einheit“ ist für den Trainer der „Ersten“ wie für den Vereinsvorsitzenden Martin Janka ein Schlüsselwort. Oder besser: ihr Fehlen.

Adam Kowalik - Trainer und zuletzt auch Spieler

Kowalik sagt: „Wir befinden uns seit dem letzten Sommer im Umbruch, und irgendwie haben wir es nicht geschafft, eine Einheit auf dem Platz zu stellen.“ Der letzte Sommer, das war der Sommer 2020 mit dem Weggang von Größen wie Christian Schmid oder Rudi Hofert. Der schleichende Niedergang seither führte den SC auf den vorletzten Tabellenplatz aktuell – lediglich vier Punkte wird die Mannschaft vermutlich in die Abstiegsrunde der Kreisoberliga mitnehme können ( das Spiel am Sonntag in Arolsen steht noch aus).

Für die Ergebniskrise mit den teils herben Niederlagen führt Kowalik mehrere „Baustellen“ an: Die Weiterentwicklung der Mannschaft habe gestockt; viele Spieler seien noch recht jung; Schichtarbeiter und Verletzte hätten den ohnehin nicht üppig besetzten Kader geschwächt. Zuletzt stand Kowalik selbst zweimal auf dem Platz, mit 54 Jahren.

Als „Roten Faden“, der sich durch die ganze Saison ziehe, erkennt der Trainer fehlende mentale Stärke. „Solange es noch 0:0 steht, sieht es ganz ordentlich aus, aber nach dem ersten Rückschlag brechen wir zusammen wie ein Kartenhaus.“ Zuletzt gesehen beim 0:10 gegen einen allerdings extra-starken VfR Volkmarsen.

Der Kopf ist im Sand und wir kriegen ihn einfach nicht mehr raus.

Spielführer Zafer Birinci

Den Klassenerhalt hat Kowalik dennoch nicht abgeschrieben. „Ich hoffe, dass wir im Winter eine gute Vorbereitung durchziehen.“ Und es seien im neuen Jahr ja noch elf Spiele. „Es wäre ein bisschen früh, jetzt ganz aufzugeben.“ Zumal der Trainer bis dahin neue Gesichter im Kader erwartet.

Der Spielführer

Zafer Birinci findet ein schönes Bild für die momentane Situation in seiner Mannschaft. „Der Kopf ist im Sand und wir kriegen ihn einfach nicht mehr raus“, sagt der 29 Jahre alte Offensivspieler, der als Kapitän mit in der Verantwortung steht. Birinci verweist auf ähnliche Ursachen für die sportliche Misere wie Kowalik, nennt zusätzlich mangelhaften Zulauf im Training. Den Spielern, sagt er, seien die Lust und der Spaß verloren gegangen.

Birinci begrüßt die Winterpause. Sie soll nicht nur der sportlichen Vorbereitung dienen. Man habe sich Teamsitzungen vorgenommen, „in denen wir Klartext reden und sagen, was Sache ist“. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt hat auch Birinci nicht verloren. „Es ist ja noch alles drin“, sagt er – und verweist auf „gute Gespräche“ mit potenziellen Neuzugängen: „Da passiert auf jeden Fall was.“

Der Vorsitzende

Martin Janka ist da vorsichtiger. „Wir versuchen, in der Winterpause den ein oder anderen Spieler dazu zu bekommen.“ Personalien sind nicht unwichtig, Vorrang räumt der Vereinschef aber der Wiederbelebung des Wir-Gefühls ein. „Das Allerwichtigste ist, dass es wieder einen vernünftigen Zusammenhalt gibt, jeder für jeden da ist und man mal wieder Spaß an der Sache hat.“ Der ist vielen im Verein abhanden gekommen. Besonders den Spielern der Reserve.

Die 0:20-Niederlage der „Zweiten“ beim SV Ittertal am 17. Oktober war der eine Tiefpunkt, der andere der mutmaßlich von ihr herbeigeführte Spielabbruch zwei Wochen später in Wega. Die genaue Umstände will das Kreissportgericht klären.

Mit drei Punkten ist BG Korbach II Letzter der A-Liga. Eine personelle Konsequenz hat der Verein gezogen und sich von Trainer Zekariya Akgoel getrennt, der sich um den Aufstieg des Teams von der C- in die A-Liga verdient gemacht hatte. Janka spricht von sportlichen und internen Gründen, Details nennt er nicht: „Ich möchte keine dreckige Wäsche waschen.“

Mit Akgoel kehrte eine Handvoll Spieler dem SC den Rücken. In der letzten Hinrunden-Partie gegen Volkmarsen II (2:6) bekam Johann Alles, der als Trainer einsprang, gerade so ein spielfähiges Team auf den Platz. Janka schöpft daraus Mut, wie er sagt: Das sei ein „Zeichen für uns, dass es welche gibt, die dahinterstehen“. In die Riege der Stützen reiht er ausdrücklich auch Adam Kowalik ein.

Janka will die fußball-losen Monate dazu nutzen, die Lagerbildung, die er ausgemacht hat, zu überwinden. Mehr Zusammenarbeit anstatt „dass jeder vor sich hinwurschtelt“, sagt er. Wenn es intern rund laufe, werde auch der Ruf des Vereins wieder besser. Ob Blau-Gelb die Saison mit beiden Teams zu Ende spielen wird, lässt Janka offen. Es zu schaffen sei das Hauptziel. Nur wenn es gar nicht anders gehe, sei der Verein bereit, eine Mannschaft abzumelden. Dass der Klub eine SG eingehen könnte, schließt Janka derzeit aus (mn)

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