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Weidemann in Korbach: Konzern und Gewerkschaft ringen um neue Vereinbarung

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Von: Lutz Benseler

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Äußert sich zum Tarifstreit: Bernd Apfelbeck, Kaufmännischer Geschäftsführer bei Weidemann.
Äußert sich zum Tarifstreit: Bernd Apfelbeck, Kaufmännischer Geschäftsführer bei Weidemann. © Lutz Benseler

Im Tarifstreit bei der Wacker-Neuson-Gruppe, zu der auch Weidemann in Korbach gehört, hat es am Montag eine weitere Gesprächsrunde zwischen Konzern und IG Metall gegeben. Unterdessen bietet Weidemann den Mitarbeitern freiwillige Vereinbarungen mit verschiedenen Arbeitszeitmodellen an.

Korbach – Bei dem Treffen hat der Konzern keine neuen Vorschläge gemacht, sondern das letzte Angebot erneut vorgelegt. „In unserer Kultur der Umsetzung und Verlässlichkeit stehen wir weiterhin zu unserem letzten Verhandlungsangebot aus dem September 2022“, so Dr. Karl Tragl, Vorstandsvorsitzender der Wacker-Neuson-Gruppe, in einer Pressemitteilung. Laut Bernd Apfelbeck, Kaufmännischer Geschäftsführer bei Weidemann, will die Gewerkschaft Ende der Woche eine schriftliche Antwort auf das Angebot vorlegen. Apfelbeck hält sogar eine Einigung für möglich: „Beide Seiten haben signalisiert, dass sie an einer Lösung interessiert sind.“ Eine Einigung bestehe aus Konzernsicht darin, dass die Gewerkschaft das Angebot annehme.

Zum 1. Januar ist der Korbacher Radlader-Hersteller Weidemann, der zur Wacker Neuson Group gehört, aus der Tarifbindung ausgestiegen. Laut dem Unternehmen bestanden die Tarifverträge für Weidemann seit 2012. Ende 2021 seien seitens der Firma Verhandlungen mit Vertretern der IG Metall zur Erneuerung der Vereinbarung eingeleitet worden. „Insgesamt fanden im Zeitraum Februar bis September 2022 mehr als zehn Verhandlungstermine über einen neuen, zukunftsfähigen Tarifvertrag für alle Konzerngesellschaften an den Standorten Reichertshofen, Korbach, Pfullendorf und München statt“, heißt es in der Mitteilung.

Im Ergebnis hatten die Verhandlungen zu keiner gemeinsamen Lösung geführt und wurden schließlich Ende September 2022 für beendet erklärt. Infolgedessen kündigte die Unternehmensgruppe die Tarifverträge, was zu erheblichem Aufruhr bei den Mitarbeitern führte und von der IG Metall mehrfach angeprangert wurde. Nach Informationen unserer Zeitung hatte die Gewerkschaft zuletzt einen Streik am Standort Korbach vorbereitet. Ob und wann es dazu kommt, ist unklar. Eine Urabstimmung hat offenbar noch nicht stattgefunden.

„Leitgedanke in den Verhandlungen war für uns immer, dass wir ein sicherer und attraktiver Arbeitgeber in Korbach bleiben wollen“, hebt derweil Bernd Apfelbeck hervor. „Arbeitszeit- und Flexibilitätsmodelle sind von zentraler Bedeutung, um den Mitarbeitenden langfristig moderne Beschäftigungsbedingungen bieten zu können. Die Zielsetzung besteht darin, unseren Standort nachhaltig zu sichern und unsere Kunden marktgerecht zu beliefern“, so Apfelbeck.

Mit Beendigung der Tarifverhandlungen Ende September 2022 setze Weidemann die neuen Beschäftigungsbedingungen aus dem jüngsten Verhandlungsangebot bereits aktiv um, informiert das Unternehmen. „Dabei wurden unter anderem mit Wegfall der Tarifbindung den Mitarbeitenden neue freiwillige Vertragsangebote unterbreitet“, heißt es in dem Schreiben. Die Beschäftigten könnten zwischen einer 35-Stunden-Woche oder 40-Stunden-Woche wählen. Letztere werde mit einer Gehaltssteigerung von elf Prozent vergütet. Die Mitarbeitenden könnten deshalb flexibel bestimmen, welches Modell am besten zu ihrer aktuellen Lebensphase passe und diese Entscheidung jährlich anpassen.

Darüber hinaus würden die 2022 mit der IG Metall vereinbarten Lohnerhöhungen im Konzern in Stufen umgesetzt. „Für uns steht im Vordergrund, auch ohne Tarifvertrag ein attraktiver und moderner Arbeitgeber zu bleiben“, so Apfelbeck, der außerdem weitere Investitionen am Standort Korbach ankündigte. So soll in diesem Jahr mit dem Bau des neuen Versandzentrums begonnen werden.

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