FDP-Antrag im Parlament gescheitert

Stadtmarketing in Korbach auch in Zukunft ohne Fachwerkstraße

Fachwerk in Korbach: In der Altstadt sind solche stadtbildprägenden Häuser an vielen Ecken zu sehen.
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Fachwerk in Korbach: In der Altstadt sind solche stadtbildprägenden Häuser an vielen Ecken zu sehen.

Korbach – Die Kreis- und Hansestadt Korbach wird nicht wieder dem Verband „Deutsche Fachwerkstraße“ sowie der „Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte“ beitreten. Das beschlossen die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung in der Stadthalle mehrheitlich.

Vorausgegangen war eine lebhafte Diskussion über den Sinn und Zweck einer erneuten Mitgliedschaft, die 3500 Euro im Jahr kosten würde – die Stadt Korbach hatte einige Jahrzehnte dem Verband und der Arbeitsgemeinschaft angehört, bis sie 2016 ausgetreten war. Für eine erneute Mitgliedschaft sprach sich die FDP-Fraktion aus. Fraktionschef Jochen Rube versuchte jedoch vergeblich, die Parlamentarier zu überzeugen.

„Die Fachwerkstraße läuft ohnehin schon in der Nähe vorbei – zwischen Wolfhagen und Fritzlar. Das Fachwerk ist ein touristisches Merkmal unserer Stadt“, sagte Rube. Es sei aber nicht nur der touristische Aspekt, der eine Rolle spiele – ein kultureller komme hinzu. „Der Fachwerkstraßen-Verband legt vor allem auch Wert darauf, dass die Kultur- und Baugeschichte des Fachwerks hervorgehoben wird. Daher gibt es diesen Verbund von Mitgliedsstätten. Er soll zum Wissensaustausch beitragen und helfen, dass bestimmte Projekte in den Fachwerkstädten umgesetzt werden“, so Rube. Darüber hinaus könnten im Zuge der Mitgliedschaft auch Forschungen an den Fachwerkbauten realisiert werden, um mehr über den bau- und kulturgeschichtlichen Hintergrund zu erfahren.

Jochen Rube, FDP-Fraktionsvorsitzender

Dirk Schreiber (CDU) äußerte dazu seine Bedenken. „Ich habe die große Ehre, in einem Gebäude zu leben, das über 350 Jahre alt ist – ich möchte auf meinem Grundstück niemanden rumspringen haben. Das Denkmalschutzamt ist mir so schon immer eine Plage.“ Jochen Rube entgegnete sofort, dass eine Forschung an Fachwerkhäusern „natürlich niemals ohne Einwilligung der Hauseigentümer stattfinden wird“.

Dass der Antrag der FDP-Fraktion keine Mehrheit fand, lag letztlich vor allem an den Ausführungen des Korbacher Wirtschaftsförderers Dr. Marc Müllenhoff.

„Anders, als der Name es vermuten lässt, handelt es sich bei der Deutschen Fachwerkstraße nicht um eine Ferienstraße. Es ist ein Zusammenschluss von Städten, die sich dem Thema Fachwerk verschrieben haben und dieses als touristisches Marketing nach vorne stellen wollen“, so Müllenhoff. Die Stadt Korbach sei – wie erwähnt – schon mal Mitglied der Fachwerkstraße und der Arbeitsgemeinschaft gewesen. „Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung hat die Stadtverordnetenversammlung den Austritt beschlossen.“ Zugrunde gelegen habe damals ein Vorschlag aus dem Stadtmarketing, den Müllenhoff auch heute noch unterstützt.

Dr. Marc Müllenhoff, Wirtschaftsförderer in Korbach

„Der Marketingmehrwert ist überschaubar. Natürlich ist Fachwerk hier ein wichtiges Thema – für Korbach aber nicht das einzige. Es gibt einen Gradmesser, der sich an einzigartigen Merkmalen orientiert, die es in der Stadt gibt und die man den Kunden anbietet. Das Fachwerk ist nicht der Hauptgrund, mit dem wir an unsere Touristen herantreten“, sagt Müllenhoff. Korbach sei die einzige Hansestadt in Hessen, die Stadt habe die größte Goldlagerstätte in Deutschland und die älteste Fossilienfundstätte Europas. „Damit werben wir – und das sind alles Dinge, die aufmerksamstärker sind.“ Das Thema Fachwerk werde zudem schon von der Grimmheimat Nordhessen bespielt.

Die übrigen Fraktionen schlossen sich bei einer Enthaltung diesen Argumenten an, so dass der FDP-Antrag mehrheitlich angelehnt wurde.

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