Projekt läuft in Frankenberg und Korbach

„Wirtschaft integriert“ begleitet junge Flüchtlinge in die Berufswelt

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„Wirtschaft integriert“: (von links) Azubi Hadi Edris Behmanisch, Geschäftsführer Bodo Langerzik, Sozialpädagogin Eva Dalchow und Steffen Uhde, Projektkoordinator vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft. 

Korbach. Hadi Edris Behmanisch hat seinen Platz im Leben gefunden: Vor zwei Jahren kam er mit seinen Eltern aus Afghanistan als Flüchtling nach Deutschland, heute lernt er den Beruf des Karossierebauers in Korbach. Möglich gemacht wurde das durch das Projekt „Wirtschaft integriert“.

Jungen Flüchtlingen und Zugewanderten will das Programm in drei Phasen den Weg zu einer Berufsausbildung ermöglichen. Los geht es mit der Berufsorientierung. Mindestens drei Berufsfelder sollen in Bildungszentren des Handwerks ausprobiert werden.

So wolle man herausfinden, was den jungen Menschen liege, sagt Steffen Uhde, Projektkoordinator vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft. In Korbach und Frankenberg, wo das Projekt läuft, gehören dazu Berufe wie Frisör, Maler und Lackierer, aber auch Schreiner und Kfz-Mechatroniker. Immer eine Woche testet sich der angehende Azubi aus, dann wird der Beruf gewechselt.

13 Wochen dauert diese Phase. Doch dabei steht nicht allein die Suche nach einem passenden Beruf im Vordergrund, bei der eine Sozialpädagogin hilft, sondern auch die Deutschförderung. Sie zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Projekt. Hinzu kommt in dieser ersten Phase auch ein interkulturelles Training.

In der zweiten Phase geht es um die Einstiegsqualifizierung. Als Kooperationspartner kommen hier Betriebe und Unternehmen aus dem Landkreis ins Spiel. Etwa 15 gibt es bereits, die mitmachen, weitere werden noch gesucht. Die müssen, so sagt Steffen Uhde, aber nicht in Korbach oder Frankenberg angesiedelt sein, teilnehmen können auch Firmen aus anderen Städten im Landkreis.

Sechs bis zwölf Monate dauert das Langzeitpraktikum, das in der zweiten Phase ansteht, und ausschließlich in einem einzigen Betrieb absolviert wird. Immer wieder wird mit der Sozialpädagogin reflektiert, ob alles so läuft, wie es sein sollte. In dieser Zeit arbeiten die Flüchtlinge 3,5 Tage pro Woche im Betrieb, an den anderen Tagen gibt es Förderunterricht.

Beide Phasen hat Hadi Edris Behmanisch bereits hinter sich gelassen. Der 22-Jährige hat am 1. August eine Ausbildung zum Karosseriebauer bei der Firma Langerzik in Korbach begonnen. „Hadi ist ein Naturtalent“, lobt Uschi Langerzik. Der junge Mann freut sich über das Kompliment und erzählt, wie gern er die Arbeit macht. „Meine Kollegen sind sehr hilfsbereit und auch in der Berufsschule läuft es sehr gut.“ Neben dem Schulbesuch gibt es auch in dieser Phase weiterhin Deutschunterricht – das Lernen von Fachbegriffen inklusive.

Für die teilnehmenden Betriebe und Unternehmen entstehen erst Kosten in der dritten Phase, wenn das Ausbildungsgehalt gezahlt wird. Eine Praktikumsvergütung in Phase zwei zahlt die Agentur für Arbeit, in der ersten Phase werden auch die Fahrtkosten von der Agentur oder dem Jobcenter übernommen.

In Frankenberg gibt es derzeit drei aktive Projektteilnehmer, in Korbach sind es dagegen 21. Aktuell gibt es nur noch wenige freie Plätze in den ersten beiden Phasen. Zu Beginn des nächsten Ausbildungsjahres gibt es wieder mehr Platz für neue Teilnehmer.

Uschi Langerzik freut sich über den engagierten Azubi. „Letzten Endes hilft es uns allen. Wir brauchen dringend Fachkräfte.“ Hadi ist glücklich, einen Job zu haben, der ihm Spaß macht. „Ich möchte gern hier bleiben und ein neues Leben finden.“

Kontakt für Betriebe und Unternehmen

Das hessische Wirtschaftsministerium hat das Projekt „Wirtschaft integriert“ im April 2016 ins Leben gerufen, im Landkreis Waldeck-Frankenberg läuft es seit August und September 2016.

Flüchtlinge und Zugewanderte unter 27 Jahren sind die Zielpersonen des Projekts. Weitere Voraussetzungen sind Sprachförderbedarf und die Chance, eine Beschäftigungserlaubnis zu bekommen.

Kontakt für interessierte Betriebe und Unternehmen übers Projektbüro: Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft, Telefon 06421 / 30 44 728. 

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