Wohnraum wird dringend gesucht

Kreis Waldeck-Frankenberg muss mehr Flüchtlinge aufnehmen

Zwei Männer stehen in einem kargen Raum mit Doppelbetten und Stahl-Spinden. Stühle stehen umgekippt auf dem Tisch.
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Blick in ein noch nicht belegtes Zimmer der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Mengeringhausen im September 2020. Links Bürgermeister Jürgen van der Horst, rechts der für die Einrichtung zuständige Regierungspräsident Gießen, Dr. Christoph Ullrich.

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg wird in den kommenden Wochen und Monaten mehr neue Flüchtlinge aufnehmen müssen als bisher. Dafür sucht der Kreis aktuell verstärkt nach Wohnraum.

Waldeck-Frankenberg - „Das Land Hessen hat angekündigt, die wöchentlichen Zuweisungen in die Kommunen zu erhöhen. Hintergrund sind die erhöhten Zugänge von asylsuchenden Menschen“, teilt das Regierungspräsidium Gießen auf Anfrage unserer Zeitung mit. Hauptherkunftsländer im Monat Oktober 2021 waren Afghanistan, Syrien und Irak.

„Die Entwicklung der internationalen Lage – insbesondere in Afghanistan und der Region an der Grenze von Belarus zu Polen, Litauen und Lettland – lässt künftig eine weitere Zunahme von Migrationen von Menschen aus Krisenregionen erwarten“, berichtet auch der Landkreis. Das Hessische Sozialministerium und das Regierungspräsidium Darmstadt hätten bereits angekündigt, den Landkreisen vermehrt Menschen mit Migrationshintergrund zuzuweisen, sagt Ann-Katrin Heimbuchner, Pressereferentin im Kreishaus in Korbach.

Bis Ende des Quartals 240 bis 260 Neuzuweisungen

Allein bis zum Ende des laufenden Quartals rechne der Landkreis mit weiteren 240 bis 260 Neuzuweisungen. „Wir kommen spätestens Ende Februar an die Grenze der Kapazitäten bei unseren Gemeinschaftsunterkünften“, machte der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese in dieser Woche nach einer Bürgermeisterdienstversammlung deutlich. Die 22 Bürgermeister wurden deshalb erneut dazu aufgerufen, nach Wohnraum in ihren Kommunen zu suchen.

Denn um die neuen Flüchtlinge unterzubringen, setzt der Landkreis jetzt vermehrt auf dezentrale Wohnlösungen, „da diese den Kontakt zu den Menschen hier in der Region und damit die Integration von Geflüchteten fördern und unterstützen“, erläutert Ann-Katrin Heimbuchner. Deshalb hatte der Kreis bereits Ende Oktober über eine Pressemitteilung dazu aufgerufen, ihm geeigneten Wohnraum zu melden. „Bisher halten sich die Angebote aber in einem noch überschaubaren Rahmen“, berichtet Heimbuchner.

Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen

Das Land Hessen hatte vor einem Jahr bereits die Gemeinschaftsunterkunft in Mengeringhausen reaktiviert. Sie ist eine Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen. Da weitere Plätze außerhalb Gießens geplant sind, prüft das Regierungspräsidium auch für den Standort Mengeringhausen den Bau von weiterem Wohnraum in Leichtbauweise.

Zum Stichtag 1. November 2021 wurden in Waldeck-Frankenberg laut Landkreis insgesamt rund 1000 Menschen mit Fluchtgeschichte vom Fachdienst Soziale Angelegenheiten des Landkreises betreut. In der Flüchtlingskrise 2015/2016 hatte Waldeck-Frankenberg insgesamt 2139 neue Asylbewerber aufgenommen.

Aber was ist mit dem Wohnraum, der damals für die Flüchtlinge hergerichtet worden war? „Diese Wohnungen sind mittlerweile vermietet, weil Wohnraum generell knapp ist“, berichtet der Erste Kreisbeigeordnete Karl-Friedrich Frese. „Die Wohnungen von damals stehen dem Flüchtlingsmarkt heute nicht mehr zur Verfügung. Deshalb brauchen wir zusätzliche Kapazitäten.“

Leerstand umbauen

„Es ist Fakt, dass wir neue Flüchtlinge bekommen“, stellt Frese klar. Es seien so viele zu erwarten, dass die Plätze in den Gemeinschaftsunterkünften in Waldeck-Frankenberg nur noch bis Ende Februar reichten. Der Landkreis appelliert deshalb an die Städte und Gemeinden, sich nach Wohnraum umzusehen. „Es können auch leerstehende Immobilien umgebaut werden, wir bezahlen das“, sagt Frese.

In Frankenau gibt es die Überlegung, die alte Kellerwald-Uhr zu Wohnraum umzubauen. Das ehemalige Infozentrum soll von der Stadt eigentlich verkauft werden. „Wir setzen den Verkauf erstmal aus, bis wir mehr wissen“, sagt Bürgermeister Björn Brede. Man stehe bei dem Thema aber „noch ganz am Anfang.“

Container sind das letzte Mittel

Container seien die „Ultima Ratio“, sagt Frese, also das letzte Mittel. Das solle aber nicht mehr so laufen wie 2015, als 17 Städte und Gemeinden aus Waldeck-Frankenberg gemeinsam für 1,27 Millionen Euro in Litauen 86 Mobile-Homes gekauft, aber bis auf wenige Ausnahmen nicht genutzt hatten. „Wenn wir Container brauchen, dann bauen wir wie in Mengeringhausen an einem Ort gemeinschaftlich getragene Unterkünfte“, betont Frese.

In der Bürgermeisterdienstversammlung am vergangenen Montag sei vereinbart worden, sich Mitte Januar wieder zusammenzusetzen und die Ergebnisse der Wohnraumsuche auszuwerten. Frese: „Dann entscheiden wir, was wir machen.“

Von Jörg Paulus

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