Wegen chaotischer Beweisaufnahme Freispruch für die Angeklagte

Prozess: 27-Jährige soll Ex-Mann absichtlich angefahren haben

Frankenberger Land. Weil sie ihren Ex-Mann vorsätzlich mit einem Auto angefahren haben soll, hatte sich eine 27-jährige Frau vor dem Amtsgericht in Frankenberg zu verantworten.

Die Mutter zweier Kinder bestritt die Tat. Weil sowohl die Aussage des Geschädigten als auch die eines weiteren Zeugen den Sachverhalt nicht klären konnte, sprach Richterin Andrea Hülshorst die Beschuldigte frei.

Ereignet hatte sich der Vorfall am 9. August 2014. Laut Angaben der Angeklagten, die gegen 23.15 Uhr als Beifahrerin mit ihrem jetzigen Lebensgefährten im Auto unterwegs gewesen ist, um an der Tankstelle Zigaretten zu holen, ist sie ihrem Ex-Mann begegnet, der mit zwei Schnapsflaschen aus der Tankstelle gekommen war. „Weil er unsere Tochter misshandelt haben soll, was an diesem Tag herausgekommen war, wollte ich ihn zur Rede stellen“, sagte die Mutter. Ohne eine konkrete Antwort zu geben, habe der Ex-Partner zu Fuß das Gelände verlassen. Auf einem Parkplatz sei man sich wieder begegnet.

Laut Aussage des Geschädigten hat die Frau das Fahrzeug geführt und ist ihm mit 15 km/h in die Kniekehlen gefahren, mit den Worten „Wie ist es, wenn man Angst hat?“ Er sei rückwärts auf die Motorhaube gefallen, von der er sich geistesgegenwärtig abgerollt habe, wobei keine Verletzungen entstanden seien.

„Durch das offene Fenster habe ich ihn gefragt, weshalb er seiner Tochter so etwas antut“, berichtete die Angeklagte. Ein Wortwechsel sei entstanden, währenddessen sich der Geschädigte etwa sechs Meter vom Fahrzeug entfernt habe, um sich in Sicherheit zu bringen. „Dann hat sie mit der Kupplung gespielt und ist mir mit dem Fahrzeug erneut entgegengekommen“, schilderte der Geschädigte den weiteren Verlauf.

Dem widersprach der neue Lebenspartner der Frau: Ebenso wie die Beschuldigte bezeugte auch er, dass nicht die Angeklagte, sondern er das Fahrzeug gefahren habe. Gleichzeitig bestritt er, den Geschädigten angefahren zu haben.

Als chaotische Beweisaufnahme, durch die nicht zweifelsfrei nachweisbar sei, ob dem Geschädigten überhaupt jemand in die Kniekehlen gefahren sei, bewertete der Staatsanwalt am Ende der Verhandlung den Sachverhalt. „Beide Zeugen verstricken sich in Widersprüche, wodurch beide Aussagen nicht glaubhaft sind.“ Daher beantrage er, die Angeklagte vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung mit einem gefährlichen Werkzeug freizusprechen.

Dem folgte Richterin Andrea Hülshorst mit der Begründung: Der Sachlage sei unklar. Zwar gäbe es Nachweise, dass etwas passiert sein muss, dies sei aber nicht zweifelsfrei festzustellen. Die Kosten der Strafverhandlung trägt die Staatskasse. (zek)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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