Junge Frauen beschäftigen sich zunehmend mit möglichen Nebenwirkungen

Die Antibabypille und ihre Wirkung: Interview mit Frankenberger Frauenärztin

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So viele Antibabypillen schluckt eine Frau in fünf Jahren – wer dieses Mittel zur Verhütung verwendet, nimmt diese täglich ein. Dr. Martina Schinke ist Frauenärztin in Frankenberg und sagt, dass viele Frauen zufrieden mit der Pille sind. Doch das gehe in der Diskussion oft unter. 

In den vergangenen Jahren geriet die Antibabypille mehr in die Kritik. Junge Frauen, die keinen Kinderwunsch haben, setzen sie teilweise ab. 

Sie wollen, so heißt es immer wieder in öffentlichen Diskussionen, keine Hormone mehr einnehmen, wollen möglichen Nebenwirkungen entgehen. Doch was sind die Vor- und auch Nachteile der Antibabypille? Darüber haben wir mit der Frankenberger Frauenärztin Dr. Martina Schinke gesprochen. 

Warum wollen junge Frauen nicht mehr die Pille nehmen?

Irgendwann stellt sich bei Frauen eine gewisse Pillenmüdigkeit ein. Viele sind Mitte 20 und nehmen die Pille schon viele Jahre. Dann wollen sie mal eine andere Verhütungsmethode ausprobieren. Sie wollen ihren Zyklus erleben, wissen, wie man als Frau ist. Manche Frauen, die lange die Pille genommen haben, wissen auch nicht genau, was der Zyklus überhaupt ist oder wie er sich anfühlt.

Was halten Sie als Frauenärztin von der Pille?

Ich bin keine grundsätzliche Verfechterin der Pille. Ich stelle mich bei den Verhütungsmethoden breit auf. Es ist also wichtig, dass man immer eine individuelle Lösung für jede Frau findet. Man muss schauen, was zu der jeweiligen Patientin passt. Trotzdem sollte man die Pille nicht grundsätzlich verteufeln. Vor allem im Internet findet man eine sehr negative Auswahl – auch zur Hormonspirale und anderen hormonalen Verhütungsmitteln gibt es dort übrigens viel Negatives. Dabei sind auch viele Frauen sehr zufrieden mit der Pille. Das geht oft unter. Man sollte also nicht generell von der „bösen Pille“ sprechen.

Was sind denn die Vor- und Nachteile der Pille?

Ein klarer Vorteil ist, dass die Pille die sicherste Verhütungsmethode ist. Sie ist auch etwas für Einsteiger. Und für Frauen ist die Periode dadurch häufig auch nicht mehr so schmerzhaft.

Nachteil ist vor allem das Risiko einer Thrombose, die zu einer Embolie führen kann. Genau deswegen muss man zum Arzt und bekommt die Pille eben nicht nebenan im Supermarkt. Und wie hoch die Risiken sind, hängt auch von der Patientin ab – eine sportive Frau ohne gesundheitliche Vorbelastung hat kein hohes Risiko.

Das Thromboserisiko in den ersten drei Monaten der Pilleneinahme ist übrigens am höchsten. Je länger man sie nimmt, umso mehr sinkt es.

Brustspannen und Stimmungsschwankungen –Frauen berichten auch von diesen Nebenwirkungen.

Manche Pillen verursachen Stimmungsschwankungen und einen Libidoverlust. Ein Brustspannen können Frauen auch ohne die Einnahme haben – zum Beispiel dann, wenn sie unter Stress stehen. Wenn es Probleme gibt, sollte man das immer bei seinem Arzt ansprechen.

Die Pille ist auch bekannt dafür, das Hautbild zu verbessern. Vor allem Teenager nutzen gerne diese Möglichkeit. Ist es sinnvoll, die Pille nur bei Hautproblemen zu verschreiben?

Positive Nebeneffekte hat die Pille bei Akne und zum Beispiel auch bei Haarausfall. Wegen ein paar Pickeln verschreibe ich aber natürlich keine Pille. Wenn es um eine schlimme Akne geht, ist das etwas anderes. In der Regel war die Patientin vorher auch schon beim Hautarzt, der sie dann zu mir schickt.

Wie läuft ein Gespräch ab, wenn eine Frau die Pille haben möchte?

Es fängt mit der Anamnese an: Alter, Größe, Vorerkrankungen, Dinge, die die Einnahme ausschließen, die Periode – über sowas wird erstmal gesprochen. Meistens untersuche ich die Frau, junge Mädchen wünschen manchmal auch zunächst nur ein Gespräch. Dann werden die verschiedenen Verhütungsmethoden thematisiert.

Es geht darum, was die Patientin sich vorgestellt hat; auch auf die Sicherheit der Methoden gehe ich ein. Wenn die Pille als Verhütungsmethode in Frage kommt, muss herausgefunden werden, welche Pille zu der jeweiligen Frau gut passt.

Dann geht es auch darum, wie die Pille richtig einzunehmen ist. Und: Es gibt ein Informationsblatt zur Thrombose – darauf stehen dann zum Beispiel Anzeichen und worauf man achten sollte.

Gibt es dann weitere Termine?

Die Frau probiert die Antibabypille erstmal drei Monate aus und schaut, wie sie damit zurechtkommt. Wenn es Probleme gibt, müssen diese auf jeden Fall mitgeteilt werden. Dann treffen wir uns wieder in meiner Praxis und suchen nach entsprechenden Lösungen.

Die Frau will nach vielen Jahren der Einnahme die Pille absetzen. Was ist zu beachten?

Die Einnahme sollte nicht mitten im Zyklus gestoppt werden. Man nimmt also den angebrochenen Blister zuende. Außerdem sollte der Zyklus beobachtet werden – man sollte ihn kennen und Kalender darüber führen.

Besteht ein Kinderwunsch, ist es gut, wenn man darüber noch vor dem Absetzen mit dem Frauenarzt spricht. Aktuelle Impfungen darf man zum Beispiel nicht während der Schwangerschaft spritzen.

Was passiert nach dem Absetzen im Körper?

Die ersten Monate spürt die Frau meist den Eisprung stärker – er wird intensiver empfunden. Vielleicht hat sie auch Bauchschmerzen. Auch der Zyklus kann unregelmäßig sein. Er muss sich erst wieder einpendeln.

Zu den Kritikern der Pille zählt zum Beispiel auch die Göttingerin Sabine Kray, die ein Buch über das Thema geschrieben hat.

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