800 bereits in Kursen

Bildungskurse für rund 2400 Flüchtlinge im Kreis Waldeck-Frankenberg benötigt 

Waldeck-Frankenberg. Die Fachstelle für Migration und Integration steht vor einer Herausforderung: Bildungskurse für rund 2400 Flüchtlinge.

Die Zahl der Neuankömmlinge ist zwar deutlich gesunken, aber zur Zeit leben rund 3100 Asylbewerber und anerkannte Flüchtlinge im Landkreis. Die Zahl macht deutlich, wie groß die Aufgabe ihrer Integration nach wie vor ist.

Von den 2386 Flüchtlingen über 16 Jahren (Stand: 23. Februar) besuchen rund 800 die verschiedenen Integrationskurse. Das sind vom Staat subventionierte Deutschkurse (6 Module mit je 100 Unterrichtsstunden) mit einem anschließenden Orientierungskurs (100 Unterrichtsstunden) zur Vermittlung von Kenntnissen der Rechtsordnung, der Kultur und Geschichte in Deutschland. Er endet mit einem Abschlusstest (Test „Leben in Deutschland“ und „Deutschtest für Zuwanderer“).

Flüchtlinge wollen möglichst schnell arbeiten

Im Kreishaus in Korbach ist damit die Fachstelle Migration und Integration befasst. „Passgenaue Bildungsangebote für die Flüchtlinge zu finden, ist eine echte Herausforderung“, sagt Lara Baumann. Sie koordiniert die Bildungsangebote und arbeitet mit Bildungsträgern zusammen. Ein Problem: Nicht auf lange Sicht wie auf Amtsseite, sondern eher kurzfristig dächten die Flüchtlinge, die möglichst schnell arbeiten wollten, um ihre Familien finanziell zu unterstützen, sagt Andreas Mann, Fachdienstleiter Soziale Angelegenheiten im Kreis.

Die Fachstelle für Migration und Integration steht in direktem Austausch mit dem Fachdienst Soziale Angelegenheiten. Außer dem neuen Integrationsbeauftragten Latif AlHomssi, der gerade eingearbeitet wird, und Lara Baumann soll ab Sommer noch ein „Wir-Fallmanager“ die Fachstelle verstärken. Die Abkürzung „Wir“ steht dabei für „wegweisende Integrationsansätze realisieren“. Die Stelle des Wir-Koordinators wird ab 1. April neu besetzt. Zurzeit betreut das Projekt noch Latif Al-Homssi innerhalb der Fachstelle.

Ehrenamtliche Initiativen genauso wichtig

Genauso wichtig wie die Angebote der offiziellen Integrationskursträger sind die zahlreichen Initiativen der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsbetreuung. Bei ihnen landen die Geflüchteten meistens direkt nach der Ankunft im Landkreis. Sie werden betreut in Sprachkursen, bekommen Hilfe bei der Kontaktaufnahme zu Behörden oder bei der Vermittlung zu den weiteren Bildungsangeboten.

Ohne das ehrenamtliche Engagement kann die Integration nicht gelingen. Denn die Hauptamtlichen allein können es nicht schaffen“, sagt Andreas Mann. Auch der Fachdienstleiter Soziale Angelegenheiten im Korbacher Kreishaus betont wie seine für die Bildungskoordination zuständige Kollegin Lara Baumann, „dass es ein Ziel ist, den Flüchtlingen möglichst passgenau zu helfen“. Dafür sei mit der Fachstelle für Migration und Integration schon die richtige Konstellation in der Kreisverwaltung geschaffen worden.

Die Fachstelle arbeitet eng zusammen mit den Trägern der Integrationskurse, der Bundesagentur für Arbeit, der Kreishandwerkerschaft und auch dem Sachgebiet Asyl im Kreishaus.

„Ich möchte gerne noch meine Anerkennung darüber ausdrücken, dass die Bildungsakteure landkreisweit gerne und sofort bereit waren, mit mir zusammenzuarbeiten. Nur so ist meine Koordination möglich. Dies zeigt, dass die Bildungsakteure, angefangen bei Bildungsträgern bis hin zur Bildungsberatung, daran arbeiten, geflüchtete Menschen mit passenden Angeboten eine persönliche Perspektive zu geben“, sagt Baumann.

Mann und Baumann loben ausdrücklich das Engagement der Ehrenamtlichen, die zum Beispiel mit Unterrichtsmaterial unterstützt würden. „Manch einer hat aber auch aus der privaten Schatulle dazugezahlt“, sagt Andreas Mann anerkennend.

Zahl der Analphabeten höher als erwartet

Die Integration der Flüchtlinge werde erschwert dadurch, dass die Zahl der Analphabeten unter ihnen doch höher als erwartet sei, sagt Mann. Und das mache es schwerer. Unter den Angekommenen sei eben der somalische Wanderhirte, der noch nie eine Schule gesehen habe und der weit entfernt vom hiesigen Arbeitsmarkt sei, ebenso zu finden, wie der Akademiker aus Syrien. „Wir haben die gesamte Bandbreite, und das macht es ganz, ganz schwer.“

Dass auf manche Angebote nur wenige Flüchtlinge zurückgreifen, sei in einem Flächenkreis wie Waldeck-Frankenberg manchmal der fehlenden Mobilität geschuldet.

Insgesamt gesehen hat Andreas Mann ein Anliegen an die Flüchtlinge: „Wir würden uns wünschen, dass die Ausbildung bei den Bewerbern höher angesehen wird. Denn die Ausbildung ist wichtig für den beruflichen Einstieg.“ Die Flüchtlinge wollten allerdings möglichst schnell arbeiten, um ihre Familien finanziell zu unterstützen; der Kreis denkt bei seinen Angeboten allerdings eher langfristig, erklärt Mann.

Hintergrund: Die Träger für Integrationskurse

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg gibt es sechs Träger von Integrationskursen (die meist aus einem Sprachkurs und einem Orientierungskurs bestehen): die Kreisvolkshochschule Waldeck-Frankenberg, das Bildungszentrum Handel und Dienstleistungen (BZH), die Union Sprache und Bildung, das Berufsförderungswerk des Handwerks, die gemeinnützigen Grone-Bildungszentren Hessen sowie die Delta Waldeck-Frankenberg GmbH.

Die Träger bieten Kurse in Bad Wildungen, Korbach, Bad Arolsen, Frankenberg und Allendorf/Eder an. Daneben gibt es in vielen Orten zahlreiche von Ehrenamtlichen organisierte Sprachkurse für Flüchtlinge.

Rubriklistenbild: © dpa

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